Dokumentarfilme

Ask Dr. Ruth
Ryan White
USA
99′
Ihre erste Radiosendung «Sexually Speaking» wurde schnell ein Grosserfolg. Ausgestrahlt wurde sie ab 1980. Wenn zu jener Zeit überhaupt öffentlich über Sexualität gesprochen wurde, dann kaum so, wie Dr. Ruth Westheimer es damals tat und heute noch tut: völlig unbefangen, mit Sachkenntnis, Empathie, Charme, Humor und ansteckender Offenheit. 1928 in Deutschland geboren, schickten sie ihre jüdischen Eltern – die später Opfer des Holocaust wurden – 1939 in die Schweiz, wo sie bis 17 in einem Kinderheim lebte. Später studierte Ruth Westheimer unter anderem in Paris und New York Psychologie und Soziologie. Ihrer ersten Radiosendung folgten bald TV-Shows, Dr. Ruth wurde zur international bekannten Kultfigur und bezog immer klar Position. So trat sie in der Diskussion um Aids homophoben Argumenten vehement entgegen und beflügelte mit ihren unverblümten Äusserungen die Gender-Debatte. «Ask Dr. Ruth» erzählt die unglaubliche Lebensgeschichte der jetzt 91-jährigen Ruth Westheimer, die heute so aktiv ist wie eh und je, Vorträge hält, unterrichtet, schreibt. Ein fesselndes, emotionales und witziges Biopic über eine freimütige und dabei stets feinfühlige Frau, die ihrer Zeit immer schon voraus war.
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Harald Naegeli - Der Sprayer von Zürich
Nathalie David
Schweiz
98′
Seine Graffiti sind minimalistisch, doch von ästhetischer Wucht. Die wenigen, gezielt gesetzten Linien verdichten sich zur mehrdimensionalen Bedeutung und erfassen das Dargestellte im Kern. Der Schweizer Künstler Harald Naegeli wurde Ende der 1970er-Jahre als «Sprayer von Zürich» weltweit bekannt. Er kritisierte mit seinen Graffiti das monotone, unwirtliche Stadtbild Zürichs, aber auch die Politik und den Umgang mit der Umwelt. Verurteilt wegen mehrfacher Sachbeschädigung, setzte Naegeli sich nach Deutschland ab, worauf ein internationaler Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. Bei seiner Rückkehr in die Schweiz musste er deshalb eine sechsmonatige Gefängnisstrafe absitzen. Danach lebte und arbeitete er hauptsächlich in Düsseldorf. Er begann als «Harry Wolke» an die «Freunde der Wolke» philosophische und rebellische Nachrichten über seine neuesten Graffiti und Zeichnungen zu schreiben, um seine flüchtige Kunst, seine Utopien, etwas länger festzuhalten. 2020 wieder in Zürich sprayte er während des ersten Covid-19-Lockdowns über 50 «Totentänze» in der Stadt. Der Kanton verklagte ihn, die Stadt verlieh ihm den Grossen Kunstpreis.
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Pepe Mujica - Der Präsident
Heidi Specogna
Deutschland
93′
Ein ehemaliger Widerstandskämpfer, der zum Präsidenten von Uruguay gewählt wird und fast 90 Prozent seines Gehalts für soziale Projekte spendet: Pepe Mujica, eine der charismatischsten Persönlichkeiten Lateinamerikas, ist als «der ärmste Präsident der Welt» bekannt geworden. Stets ist er, der aus politischen Gründen viele Jahre im Gefängnis sass, seinen Idealen treu geblieben. Sein bescheidener Lebensstil – statt im Regierungspalast wohnt er in einer kleinen Finca – und sein unkonventionelles Auftreten untermauern seine Glaubwürdigkeit bei Jung und Alt. Pepe Mujica vertritt seine Anliegen mit Humor, Verstand und Leidenschaft, sein politisches Engagement für eine gerechtere Gesellschaft stösst international auf Aufmerksamkeit und Zuspruch. Die Filmemacherin Heidi Specogna und ihr Kameramann Rainer Hoffmann haben Pepe Mujica und seine Frau Lucía Topolansky oft besucht und mit der Kamera begleitet. So ist das Porträt eines aussergewöhnlichen Menschen entstanden, der sich auch mit fast 80 Jahren seinen Lebensmut, seinen Witz, seine Menschlichkeit und die handfeste Hoffnung auf Veränderung bewahrt hat. «Pepe Mujica – el presidente» ist ein optimistischer und bewegender Film, der Mut macht.
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Citoyen Nobel
Stéphane Goël
Schweiz
89′
Sein Leben wird vom einen Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt: Als der ausserhalb von Fachkreisen wenig bekannte Waadtländer Jacques Dubochet 2017 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt wird, steht er plötzlich im Rampenlicht. Seitdem nutzt der 1942 Geborene seinen Ruhm und seine Bekanntheit: Dubochet setzt sich an der Seite von jungen Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Klima-Erwärmung ein. Er engagiert sich für die universelle Verfügbarkeit medizinischer Errungenschaften, kümmert sich um die Bildung von Migranten. Als politisch engagierter Bürger wie als wissenschaftlicher Nobelpreis-Träger ist Dubochet klar, dass die aktuellen Kernprobleme nicht von heute auf morgen gelöst werden können… «Citoyen Nobel» von Regisseur Stéphane Goël zeigt den eloquenten und humorvollen Dubochet im Familienkreis, als angriffigen Lokal-Politiker, als Wissenschaftler im In- und Ausland, mit der Klima-Bewegung auf der Strasse. Dabei vermittelt Dubochet Wesentliches über das, was ihn an- und umtreibt – oder auch zweifeln lässt. Ein berührender Film über einen charismatischen Mann, der empathisch Herzen berührt, Gleichgesinnte begeistert und motiviert, vom inneren Feuer bewegt wird.
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Paul Nizon: Der Nagel im Kopf
Christoph Kühn
Schweiz
84′
Er ist einer der grossen Solitäre der modernen Literatur: Paul Nizon, geboren 1929 in Bern. Der Romancier und Familienvater verdient sein Geld zunächst mit journalistischen Arbeiten, in denen er mit spitzer Feder Heimatkritik übt. In den frühen 1960er-Jahren dann wendet sich Nizon ganz der Literatur zu. Obwohl er als Autor bald gefeiert wird, lässt er 1977 alles hinter sich: Nizon zieht nach Paris, wagt eine radikale Selbstbefreiung, um seinen Traum einer poetischen Existenz zu verwirklichen. Der «grösste Magier der deutschen Sprache», wie die französische Zeitung «Le Monde» ihn beschreibt, erhält für sein in mehrere Sprachen übersetztes Werk zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. «Paul Nizon: Der Nagel im Kopf» erzählt von der kompromisslosen Lebenssuche des Schriftstellers. Herzstück des Films ist Nizons menschliches Abenteuer in einer engen Hinterhofwohnung, wo er die ersten Pariser Jahre lebt: Eine Art Grenzstation, in der er damit ringt, in seinem anderen, dem poetischen Leben als freier Schriftsteller anzukommen. Wortgewandt, voller Humor und Ironie gewährt Paul Nizon dem Regisseur Christoph Kühn Einblick in seine Biografie und in sein Schaffen. Es entsteht das intime, facettenreiche Porträt eines grossen Literaten und scharfen Denkers, für den das Wagnis des Lebens und das Wagnis des Schreibens zu ein und demselben Kunstwerk verschmelzen.
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Markus Raetz (2007)
Iwan Schumacher
Schweiz
75′
Die Kunst von Markus Raetz wirkt federleicht und zärtlich beschwingt. Man schaut und staunt und ist verzückt, fragt sich, was einem die Augen mit seiner Hilfe vorzaubern. Iwan Schumacher hält das in seinem Porträt so bewegt fest, dass einem das Schauen und Staunen nie vergehen möchten und man erkennt: Wahrnehmung ist das halbe Leben. Danke, Markus Raetz. Am 14. April 2020 ist der Maler, Bildhauer und Fotograf 78-jährig gestorben. Im internationalen Kunstbetrieb war der Schweizer eine etablierte Grösse. Für den Film von Iwan Schumacher hatte der Berner Künstler erstmals einem Filmteam (Kamera: Pio Corradi) Einblick in sein 40-jähriges Schaffen gewährt. Markus Raetz hat den siebten Sinn für Wahrnehmungen der aussergewöhnlichen Art. Seine Werke verblüffen wie Kunststücke eines Zauberers. Sie hinterfragen unsere Sehgewohnheiten und zeigen uns die Dinge von einer ganz anderen Seite. Bei allem lohnt es sich, mehrmals und genau zu schauen. Bei seinen Überraschungsattacken auf die Sehorgane des Publikums bedient sich der «wohl Klarsichtigste aller Schweizer Künstler» unterschiedlichster Techniken, Materialien und Medien. - Bei filmingo gibt's das verspielt schöne filmische Porträt in der vollen Kinoversion.
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The Prince of Nothingwood
Sonia Kronlund
Frankreich
86′
Die Regisseurin Sonia Kronlund begleitet in ihrem Film Nothingwood den afghanischen Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Salim Shaheen. In seinem Heimatland ist er eine bekannte Grösse in der Filmszene, im Ausland hingegen kaum bekannt. Etwa hundert Kilometer von Kabul entfernt findet sich Salim Shaheen hier ein, um einige seiner 110 Filme zu zeigen und dabei den 111. zu drehen.
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Urs Fischer
Iwan Schumacher
Schweiz
102′
Urs Fischer ist ein Senkrechtstarter. Der 36-jährige Schweizer Künstler mit Wohnsitz in New York feiert mit seinen Zeichnungen, Objekten und Installationen seit Jahren internationale Erfolge. Fischer erhält hochkarätige internationale Ausstellungsmöglichkeiten und verfügt über beachtliche Produktionsbudgets, die es ihm auch erlauben, haushohe Skulpturen anzufertigen. Der Film zeigt ihn als Künstler, der seine Schaffenskraft aus einem Spannungsfeld intensiver Gegensätze und Widersprüche bezieht. Fischer pendelt zwischen Lebensfreude und Schaffenswut, Kunsttraditionen und Popkultur, Spontaneität und Hightech hin und her. In seinen zwei- und dreidimensionalen Arbeiten findet er immer wieder die Synthese zwischen diesen scheinbaren Gegensätzen. Im Zentrum des Films steht als vorläufiger Höhepunkt seiner Karriere die Vorbereitung bis hin zur Vernissage seiner ersten Einzelausstellung in einem Museum in den USA: im New Museum in New York City im Oktober 2009. Visuell netzartig verflochten zeigt «Urs Fischer» die wichtigsten Produktionen und Ausstellungen der letzten sechs Jahre, mit fesselnden Bildern von Schauplätzen wie Venedig, London, Sydney, Zürich und Shanghai. Die Zuschauer tauchen ein in den komplexen schöpferischen Prozess hinter einer Ausstellung, und sie erleben, unter welchem Druck ein international tätiger Künstler arbeitet. Faszinierend auch zu sehen, was es ganz konkret bedeutet, als Künstler in einer globalisierten Welt seine Werke zu schaffen. Und Teil eines Kunstmarktes zu sein, in dem Millionensummen auf dem Spiel stehen.
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Advocate
Rachel Leah Jones und Philippe Bellaïche
Israel
109′
Sie ist 72 Jahre alt und ein Fels in der Brandung: entschlossen, hartnäckig, unermüdlich. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und kämpft dafür, was sie für richtig hält. Keine Schlacht ist für sie im Voraus verloren. Die Anwältin Lea Tsemel setzt sich seit einem halben Jahrhundert für die Anliegen der Palästinenser ein. In den Augen ihrer israelischen Mitbürger vertritt sie das Unvertretbare.
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Amiet
Iwan Schumacher und Cornelia Strasse
Schweiz
52′
Cuno Amiet, 1868 geboren, ist 1961 gestorben, trotzdem wirken viele seiner Bilder so frisch, als wären sie von heute. Amiet war zusammen mit Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti ein Wegbereiter der Moderne in der Schweiz. Der Film besucht eine Kunstsammlerin und zwei Kunstsammler, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Umgeben von ihren Gemälden erzählen sie uns in Dallas, Genf und Studen bei Biel, was ihnen ihre Amiets bedeuten.
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Beuys
Andres Veiel
Deutschland
107′
Joseph Beuys. Der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke. 30 Jahre nach seinem Tod erscheint er uns als Visionär, der seiner Zeit voraus war. Geduldig versuchte er uns schon damals zu erklären, dass „Geld keine Ware sein darf“. Er wusste, dass der Geldhandel die Demokratie unterwandern würde. Doch mehr als das. Beuys boxt, parliert, doziert und erklärt dem toten Hasen die Kunst. Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen? fragt er grinsend. Sein erweiterter Kunstbegriff führte ihn mitten in den Kern auch heute relevanter gesellschaftlicher Debatten. Aus einer kongenial montierten Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente stellen Regisseur Andres Veiel und sein Team ein einzigartiges Zeitdokument zusammen: „BEUYS“ ist kein klassisches Porträt, sondern eine intime Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Ideenräume. Der Film bringt uns die Relevanz von Joseph Beuys und seiner Kunst im wahrsten Sinne nahe: Keine verstaubten Museumsexponate, sondern ein Angriff auf die Verhältnisse.
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Eduardo Falú (2009)
Oliver Primus Arno Oehri
Argentinien
81′
Das ist ein poetischer Reisebericht zur einzigartigen Musik des argentinischen Maestro Eduardo Falú (1923 - 2013) und gleichzeitig ein lebensnahes Portrait dieses grossartigen Musikers. Ausgehend von seiner speziellen Beziehung zur Landschaft im Nordwesten Argentiniens, zu seiner Heimatstadt Salta, zu den weiten Ebenen der Pampa, zum hochaufragenden Gebirge der Anden mit seinen dramatischen Schluchten, fruchtbaren Tälern und kargen Hochebenen, verfolgt das Filmportrait die Stationen seines Lebens und seiner Karriere.
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Gilles Caron - Histoire d'un regard
Mariana Otero
Frankreich
94′
Der Fotograf Gilles Caron verschwand 1970 spurlos in Kambodscha. Er war kaum 30 Jahre alt und einer der wichtigsten Zeugen seiner Zeit, berichtete über den Sechstagekrieg, den Mai 68, Belfast, Biafra, Vietnam. Mariana Otero machte sich auf die Suche nach dem Menschen hinter den Bildern. Ein Film für alle, die gerne fotografieren. Und ein Stück Zeitgeschichte, vermittelt über Bilder, die sich, wie das nebenstehende mit Daniel Cohn Bendit in Paris im Mai 68, ganzen Generationen einprägten und für ihre Zeit stehen.
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Finding Vivian Maier
John Maloof
USA
81′
FINDING VIVIAN MAIER berührt das Mysterium einer Frau, die ihr Leben für die Photographie lebte und dies bis zu ihrem Tod mit niemandem teilte. Heute gilt Vivian Maier als eine der wichtigsten Street Photographer des 20. Jahrhunderts. Vivian Maier lebte als Nanny in Chicago und New York. Sie galt als exzentrische Frau, die nie ohne ihre Kamera das Haus verlies. Mit den in ihre Obhut gegebenen Kindern unternahm sie Streifzüge auch in die Teile der Stadt, in der die weniger Privilegierten lebten. Zahlreiche Fotos zeigen Menschen in einem zufälligen, aber höchst berührenden Moment. Neben der überwältigenden Anzahl von Fotos, die der Regisseur John Maloof zufällig bei einer Versteigerung entdeckte, hinterliess Vivian Maier ihre Filme und eine grosse Anzahl an Zeitungsausschnitten. Die Person Vivian Maier bleibt ein Geheimnis. John Maloof und Charlie Siskel zeichnen das Porträt dieser Frau, zeigen ihre Fotos und Filme. Dem Mensch Vivian Maier versuchen sie durch Interviews mit ihren ehemaligen Kindern und Auftraggebern näher zu kommen. FINDING VIVIAN MAIER ist die spannende Spurensuche im Leben einer Frau, die ihre Umwelt und sich selbst in bewegenden Momenten auf ihren Fotos festhielt – selbst aber keine Spuren hinterliess.
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Gerhard Richter Painting
Corinna Belz
Deutschland
101′
Gerhard Richter, einer der international bedeutendsten Künstler der Gegenwart, öffnete der Filmemacherin Corinna Belz sein Atelier, wo er an einer Serie grosser abstrakter Bilder arbeitete. «Gerhard Richter Painting» gewährt einmalige Einblicke in die Arbeit des Künstlers. In hoch konzentrierten Einstellungen lässt uns der Film an einem sehr persönlichen, spannungsgeladenen Schaffensprozess teilhaben. Wir sehen, wie Richter malt, wie er seine Bilder betrachtet und beurteilt, wie er überlegt, abwartet, verwirft, überarbeitet, manchmal auch zerstört und neu beginnt. Corinna Belz lässt uns in ihrem klugen, einfühlsamen Film den vielschichtigen Vorgängen künstlerischen Schaffens näher kommen. Der Blick auf die Leinwand erweitert und verändert sich. Die Bilder werden selbst zu Protagonisten. «Gerhard Richter Painting» ist das eindringliche Porträt eines Künstlers bei der Arbeit – und ein faszinierender Film über das Sehen selbst. Der Bayrische Rundfunk hielt fest: «'Gerhard Richter Painting' ist gerade deshalb so aufschlussreich, weil der Film den Prozess des Erschaffens mit all seinen Unsicherheiten und Irrwegen zeigt. Selbst Richter kann nicht erklären, was genau da passiert, weil Worte und Malerei für ihn nicht zusammengehen. Richter hat sich die Skepsis zum Arbeitsprinzip gemacht und scheint in permanenter, kritischer Kommunikation mit der Leinwand zu stehen: aufmerksam, offen – und zweifelnd.» Richters emotionaler letzter Satz bringt die Qualitäten von 'Gerhard Richter Painting' auf den Punkt: 'Mann, macht das Spass!'» - 2021 die ideale Ergänzung zur grossen Richterausstellung in Zürich.
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Ken Bugul
Silvia Voser
Senegal
64′
Ken Bugul ist eine Schriftstellerin, die dort lebt, wo ihre Seele zu Hause ist: in Afrika. Ihr Leben verläuft aussergewöhnlich. Der Film von Silvia Voser zeigt uns eine Biographie als Spiegel der Situation aller Frauen und als Reflexion der Beziehungen zwischen Afrika und dem Westen. Ken Bugul wird als eine der hervorragendsten senegalesischen SchriftstellerInnen der französischsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte betrachtet. Ihre Romane sind ein wichtiger und radikaler Bezugspunkt, da sie es versteht, in einem eigenwilligen Stil, eine hochliterarische Sprache mit den Rhythmen, den Ausdrucksweisen und den gedanklichen Grundstrukturen des Wolof, ihrer Muttersprache, dicht zu verweben. «Was Ihr auf französisch in meinen Romanen lest, ist die Art, wie man in meinem Dorf in unserer Sprache Wolof denkt und spricht.» Die persönliche Geschichte der Autorin ist durch die historischen Ereignisse Afrikas geprägt. Sie kommt 1947 in einem isolierten Dorf in Senegal, das noch französische Kolonie ist, zur Welt. Ihr Vater ist bei ihrer Geburt 85 Jahre alt. Als Ken Bugul fünfjährig ist, verlässt die Mutter den Haushalt. Diese Erfahrung des Verlassenwerdens ist grundlegend. Sie fühlt sich nicht geliebt, ist aber voller trotziger Entschlossenheit und strebt nach Freiheit. Als erstes Mädchen ihrer Familie geht sie zur Schule und hat ausgezeichnete Noten. 1971 fliegt sie nach Europa, um weiter zu studieren. Wie sie in ihrem ersten Roman «Die Nacht des Baobab» schreibt: «Während zwanzig Jahren habe ich nur ihre Gedanken und ihre Gefühle gelernt. Ich hoffte, mich mit ihnen zu amüsieren, aber ich wurde enttäuscht: ich habe mich mit ihnen identifiziert, sie aber identifizierten sich nicht mit mir.» Silvia Voser führt uns mit Feingefühl in dieses geheimnisvolle und bewegte Leben. Sie lässt eine mutige und verletzliche Ken Bugul selber zu Wort kommen, und evoziert das Leben einer Künstlerin, deren Werk uns zu einem neuen Blick auf eine Welt voller komplexer Beziehungen verhilft.
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Searching for Ingmar Bergman
Margarethe von Trotta
Deutschland
99′
Er zählt zu den bedeutendsten Regisseuren aller Zeiten. Es gab eine Zeit, da machte Ingmar Bergman mit seinen weiss in schwarz auf Zelluloid geschweissten Dramen um existenzielle Grundfragen und zwischenmenschliches Beziehungsgerangel, um Sprachlosigkeit und Identifikationsprobleme, um Gottesfurcht und mitmenschliche Lust und Laster, kurz: um Leben und Tod dem Kinopublikum das Dasein nicht leichter. Empört reagierten die einen, wenn sie in einem Film wie «Das Schweigen» mit kruder körperlicher Lust konfrontiert waren, wie sie das anfangs der 1960er Jahre ab Leinwand ganz einfach noch nicht gewohnt sein konnten. Irritiert bewunderten die anderen den Schock eines Meisterwerks wie «Persona» (1965), in dem Ingmar Bergman und sein Kameraauge Sven Nykvist zwei Menschengesichter eins werden liessen. Die eigene Verunsicherung, in der Bergman jeweils stehen mochte, findet sich verteilt auf seine Figuren. Fragen nach dem Leben, der Identität, dem Sinn, dem Tod: Sie stellte der dogmatisch streng erzogene Pfarrerssohn, der am 14. Juli 1918 in Uppsala zur Welt kam und sich hartnäckig geweigert haben soll, die Augen zu öffnen, für sich und uns. Zu seinem 100. Geburtstag hat sich die deutsche Filmemacherin Margarethe von Trotta dem Werk und der Person Ingmar Bergmans angenähert und versucht, sein filmisches Erbe im Gespräch mit einer neuen Generation von Filmschaffenden zu ergründen.
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Janis: Little Girl Blue
Amy Berg
USA
99′
Eine irre Zeitreise! Mit Hits wie «Cry Baby», «Try», «Mercedes Benz» und «Piece of my Heart» ist die Sängerin Janis Joplin in die Annalen des Rocks eingegangen und wurde spätestens 1970 zur Legende, als sie mit 27 Jahren an einer Überdosis Heroin starb. Regisseurin Amy Berg wollte sich allerdings nicht nur mit der öffentlichen Wahrnehmung der Rock-Ikone beschäftigen, sondern ein komplexes Bild der Musikerin vermitteln, auch deren sanfte, vertrauensvolle, sensible Seite zeigen. Joplins ganzes Leben ist von ihren beiden grossen Talenten geprägt: Sie demonstrierte nicht nur früh ihre musikalische Begabung, sondern auch die Fähigkeit, gegen den Strom zu schwimmen und nicht beim ersten Gegenwind aufzugeben. Mit seltenen und zum Teil unveröffentlichten Aufnahmen wird Joplins Werdegang von ihrer frühen Kindheit bis zu ihrem Tod nachgezeichnet. Chan Marshall alias Cat Power liest die intimen Briefe vor, die Joplin ihrer Familie, ihren Freunden und Liebhabern schrieb. Zu Wort kommen auch Personen, die mit der Sängerin zu tun hatten. Ein starkes Porträt einer aussergewöhnlichen Frau, die nicht umsonst auch für die Zeit steht, in der sie lebte und sang. The Sixties pur.
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Maria by Callas
Tom Volf
Frankreich
114′
"Es gibt zwei Personen in mir, Maria und die Callas..." Die da spricht ist eine reflektierte Künstlerin, und sie kehrt ihr Innerstes nach aussen, um selber zu begreifen, wie sie vom braven Teenager zur absoluten Weltikone werden konnte: MARIA BY CALLAS erzählt die Geschichte eines einzigartigen Lebens. Aus Interviews, privaten Aufnahmen und Briefpassagen mit grosser Sorgfalt montiert, enthüllt der Film eine so leidenschaftliche wie kluge und sensible Persönlichkeit. Hier ist grosse Künstlerin auf der Suche nach Wahrhaftigkeit, Schönheit, Liebe - so nah war man der grossen Operndiva noch nie.
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Mapplethorpe: Look at the Pictures
Fenton Bailey
USA
109′
Aufgewachsen in einem konservativen Vorort auf Long Island beginnt Robert Mapplethorpe noch während des Kunststudiums sein ausschweifendes Leben in der New Yorker Underground- und Fetisch-Szene zu dokumentieren. Es ist die Zeit von Andy Warhols Factory, von Disco-Rock, der Schwulenbewegung und offen zur Schau gestellter Sexualität. Mit Patti Smith an seiner Seite erobert Mapplethorpe die New Yorker Kunstszene. Was noch niemand ahnt: Seine skandalumwitterten Arbeiten werden stilprägend für die moderne Fotografie genauso wie für die schwule Ästhetik der kommenden Jahrzehnte. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität erkrankt Mapplethorpe an Aids. Zu der Zeit aber beginnt die US-Justiz, sich für Mapplethorpes freizügige Arbeiten zu interessieren. Der Film gewährt einen unvergleichlichen Einblick in einen Schatz aus Bildern und Lebenserfahrungen. Fenton Bailey und Randy Barbato («Inside Deep Throat») hatten als erste Filmemacher überhaupt uneingeschränkten Zugang zu allen Archiven der Mapplethorpe Foundation, so dass man ihre Arbeit als den ersten und wohl definitiven Kinofilm über Robert Mapplethorpe bezeichnen kann.
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Behind Me - Bruno Ganz (2002)
Norbert Wiedmer
Schweiz
82′
Bruno Ganz, 1941-2019, war während Jahrzehnten der Schauspieler aus der Schweiz. 2002 hat Norbert Wiedmer eine liebevolle filmische Annäherung an den eher scheuen Zürcher fertigstellen können. Drei Jahre war er dazu unterwegs mit Bruno Ganz. Er spielt an verschiedenen Orten in verschiedenen Rollen, in Filmen vorzugsweise inzwischen, aber immer noch und unerreicht auch auf der Bühne. Er spielt für den Filmemacher auch Bruno Ganz, filmt und inszeniert dabei Freunde. Es ist die Zeit, in der er auch an der ultimativen Rolle des Dr. Faust in Peter Steins legendärer Inszenierung arbeitet, jener Theaterfigur die – selbstredend für uns alle – verzweifelt zu ergründen sucht, «was die Welt im Innersten zusammenhält». Tausend Tage auf der Suche nach der eigenen Bestimmung, mit dem Zweifel als einzigem Weggefährten und in der Hoffnung auf die schaffende Kraft der Poesie. Der Schaubühneregisseur Stein sagte über Bruno Ganz: «Ich habe immer den Bruno Ganz in der Art seines Sprechens bewundert. Er ist ja Schweizer. Und er nähert sich dementsprechend der deutschen Sprache ein bisschen, wie man es einer Fremdsprache gegenüber tut. Und das führt zu einer bestimmten Distanziertheit des Sprechens und plastischen Herausarbeitung des Sprechens, was komplizierteren Texten unglaublich gut tut. Dadurch hat man immer das Gefühl, dass er Sprache kräftig in die Hand nimmt.» Norbert Wiedmers Film ist ein wunderbares Erinnerungsstück geworden an einen, der fürs Spiel auf Bühnen und Filmsets gelebt hat und uns immer wieder von Neuem faszinierte und in Bann zog.
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Borges - Los libros y la noche (2000)
Tristan Bauer
Argentinien
79′
Um den hundertsten Geburtstag von Jorge Luis Borges zu feiern, hat Tristán Bauer einen ausgesprochen anregenden Filmessay gestaltet: Gekonnt, respektvoll und poetisch vermischt er Archivdokumente, Gespräche und Fotos zum Leben des Schriftstellers, die Borges' politische Haltung, seine Probleme mit dem Perón Regime und seine internationalen Erfolge widerspiegeln. Tristán Bauer beschränkt sich nicht auf eine Historikerarbeit, er rekonstruiert nüchtern und subtil die Welt des Schriftstellers: unendliche Brunnen der seltsamen Bibliothek von Babel, zahlreiche Gänge, Kreise, Spiegel, Treppen und Sechsecke. Auf der Suche nach Borges' Welt und nach ihrer Fiktion gelingt es ihm, die Atmosphäre der Gedichte und Geschichten, der literarischen und metaphysischen Obsessionen des Schriftstellers wiederzugeben. Der Film handelt in Dokumentar- und Spielfilmsequenzen vom Leben und Werk von einem der bedeutendsten spanischsprachigen Schriftsteller, und stellt Archivdokumente der faszinierenden Welt unendlicher Bibliotheks- und Bücherlabyrinthe gegenüber. Walter Santa Ana spielt die vom argentinischen Schriftsteller geschaffene Figur, die niemand anders als Borges selbst ist. Walter Ruggle
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Chris the Swiss
Anja Kofmel
Schweiz
90′
Kroatien, Januar 1992. Mitten in den Jugoslawienkriegen wird Chris, ein junger Schweizer Journalist, unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Zum Zeitpunkt des Todes trug er die Uniform einer internationalen Söldnergruppe. Anja Kofmel, seine Cousine bewunderte diesen stattlichen jungen Mann als kleines Mädchen. Als erwachsene Frau beschliesst sie, seiner Geschichte nachzugehen und versucht zu verstehen, was Chris’ tatsächliche Beteiligung an diesem Konflikt war ...
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Dürrenmatt - Eine Liebesgeschichte
Sabine Gisiger
Schweiz
75′
Der Film setzt dem Menschen, Denker, Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt ein intimes filmisches Denkmal. Im Zentrum des Films steht die bisher unbekannte Liebesgeschichte von Friedrich Dürrenmatt und seiner Frau Lotti Dürrenmatt-Geissler. Vierzig Jahre lebten die beiden in einer engen Beziehung. Nach Lottis Tod 1983 stürzte Dürrenmatt in eine tiefe Krise, aus der er sich mit einer neuen, grossen Liebe befreite. Seine Schwester Verena Dürrenmatt und seine Kinder Peter Dürrenmatt und Ruth Dürrenmatt erzählen erstmals und exklusiv von ihrem Bruder und Vater.
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Weiterleben
Hans Haldimann
Schweiz
88′
Ein Film über Menschen, die für mehr Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft haben und teuer dafür bezahlen mussten: Die zwei Frauen und zwei Männer aus Tibet, Kongo, Chile und der Türkei leben heute in der Schweiz; in ihrer ursprünglichen Heimat sind sie wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte schwer gefoltert worden. Trotzdem haben sie den Glauben an eine bessere Welt nicht verloren.
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Loving Highsmith
Eva Vitija
Schweiz
84′
Die Liebe und ihr prägender Einfluss auf die Identität sind der heimliche Nährboden für die Werke von Patricia Highsmith. Neben komplexen psychologischen Kriminalromanen wie «The Talented Mr Ripley» oder «Strangers on a Train» schrieb die Autorin mit «The Price of Salt/Carol» Literaturgeschichte: Zum ersten Mal endet eine Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen nicht in einem Desaster. Doch Patricia Highsmith kann den 1952 erscheinenden Roman nur unter Pseudonym herausbringen. Zeitlebens sieht sie sich gezwungen, vor ihrer Familie in Texas wie vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, dass sie lesbisch ist. Wie viele ihrer Romanfiguren führt sie ein Doppelleben. Über ihr bewegtes Liebesleben schrieb Highsmith nur in ihren Tage- und Notizbüchern. Diese wurden nach ihrem Tod in einem Wäscheschrank in jenem Haus im Tessin gefunden, in dem sie die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hatte. - Eva Vitija stützt sich auf diese Schriften. Darüber hinaus konnte sie ehemalige Freundinnen und die Familie von Patricia Highsmith zum Mitmachen gewinnen. Entstanden ist eine faszinierende Liebesbiografie, die ins Land der Obsessionen, der doppelten Identität, der Geheimnisse und der Sehnsüchte von Patricia Highsmith führt: Ein Film, der ein neues, zuweilen romantisches und poetisches Licht auf eine der schillerndsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts wirft.
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Les Nouvelles Èves - Heldinnen des Alltags
Anna Thommen, Thaïs Odermatt, Camile Budin, Jela Hasler und Wendy Pillonel
Schweiz
80′
2021: Die Schweiz feiert 50 Jahre Frauenstimmrecht. Wie sieht die Alltagsrealität der Frauen in der Schweiz heute aus? Ein Kollektiv aus preisgekrönten Regisseurinnen, Produzentinnen und Kamerafrauen widmen sich dieser Frage, indem sie sechs Protagonistinnen in ihrem Alltag begleiten. Die pensionierte Valeria Kepner in Lugano (64) haushaltet mit ihrer knappen Pension und verliebt sich neu. Die Baslerin Naima Cuica (44), ursprünglich aus Venezuela, kämpft sich von der Kantinenmitarbeiterin zur Pflegefachfrau hoch. Sophie Swaton (42), Professorin in Lausanne, jongliert ihre Karriere und die Erziehung ihrer drei Kinder. Die Opernsängerin Sela Bieri in Zürich wird in ihrer Berufswelt mit stereotypen Genderrollen konfrontiert, während ihr Partner zu Hause den Haushalt der 4-köpfigen Familie führt. Delphine Rozmuski (18), Studentin in Genf, spürt ihrer Geschlechtsidentität nach und Cosima Scheck (9) aus Bolligen begegnen in ihrem kindlichen Alltag stereotype Bilder, die sie hinterfragt. Wir sehen die Kämpfe und Träume der Portraitierten und erleben wie sie sich gegen Rollenzuschreibungen wehren, über Hindernisse stolpern und trotzdem immer wieder aufstehen. Getragen vom Echo des Frauenstreiks 2019, sind sie die neuen Evas die Heldinnen des Alltags, welche die immer noch aktuellen Geschlechterungleichheiten in der Schweiz herausfordern.
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Neuland
Anna Thommen
Schweiz
96′
«Neuland» von Anna Thommen bietet Einblick in den Schulalltag in der Schweiz, in eine etwas spezielle Schule, ein wunderbarer, berührender, unaufgeregt gestalteter, fast nebenbei beobachtender Film: ein Bijou! Afghanistan, Kamerun, Serbien, Venezuela – sie haben weite Wege hinter sich, die neuen SchülerInnen von Herrn Zingg in der Integrationsklasse Basel. Jung und mit Träumen für eine bessere Zukunft reisten sie in die Schweiz und setzen nun grosse Hoffnungen in ihren Lehrer: Er soll ihnen den Weg im neuen Land weisen. Geschützt und abgeschirmt von der Gesellschaft lernen die SchülerInnen innerhalb von zwei Jahren Sprache und Kultur der Schweiz kennen. Lehrer Zingg hat dabei immer nur das eine Ziel vor Augen: den durch harte Schicksalsschläge traumatisierten Jugendlichen einen beruflichen Einstieg in die Gesellschaft zu ermöglichen. Doch je näher das Schulende rückt, desto quälender stellt sich für die jungen MigrantInnen die Frage: Gibt es überhaupt einen Platz für mich in diesem Land? Es geht um Menschen bei uns und darum, dass Menschen nicht Masse sind sondern Individuen. Man muss sie nur wahrnehmen.
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Wir Bergler in den Bergen (1974)
Fredi M. Murer
Schweiz
112′
Der ethnographische Dokumentarfilm in drei Sätzen von Fredi M. Murer spiegelt die drei unterschiedlichen, nebeneinander existierenden Entwicklungsstadien des Bergkantons Uri, aus dem der in Zürich lebende Filmemacher stammt. In Göschenen, am Fusse des an der europäischen Nord-Süd-Achse liegenden Gotthards, hat die Industrialisierung längst Einzug gehalten: aus den ehemaligen Bergbauern sind Angestellte und Arbeiter geworden. Im Schächental hingegen pflegt man noch die traditionelle Familien- Alpwirtschaft. Und das Dorf Bristen im Maderanertal findet sich mitten im Umbruch, man pflegt zwar noch die traditionelle Landwirtschaft, gleichzeitig aber verlassen täglich 250 Einwohner den Ort, um auswärts zur Arbeit oder zur Schule zu gehen. Faszinierend ist dieser Klassiker des neuen Schweizer Films heute noch, weil er mit Liebe und Sorgfalt sich den Menschen und ihrer Arbeit nähert, weil er sie selber zu Wort kommen lässt und damit eine Betrachtung von innen heraus schafft. Schön zu sehen, wie die damals brandneue Gotthardstrasse sich präsentierte und amüsant zu hören, wie man mit dem Teufelstein umging. Eine Zeitreise.
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Giovanni Segantini
Christian Labhart
Schweiz
85′
Eine Hommage an den Bündner Künstler, der unter freiem Himmel monumentale Werke gestaltet hat, in denen oft einfache Menschen, den Blick nach unten gerichtet, in der idealisierten Natur einer Hochgebirgs-Landschaft eingebettet sind. Im Lauf seines Lebens stieg Giovanni Segantini auf der Suche nach mehr Licht immer höher hinauf, war selber ein Teil der Natur, in der er malte und malte. 41 Jahre jung starb der leidenschaftliche Maler 1899 unter dramatischen Umständen auf 2'700 Metern hoch über Pontresina, wo heute die nach ihm benannte Hütte BerggängerInnen in Scharen anzieht, verköstigt und den atemberaubendsten von allen Blicken übers Ober-Engadin bietet. Christian Labhart wirft in seiner filmischen Annäherung an den Ausnahmekünstler einen emotionalen Blick in die anderen Abgründe, jene inneren der zutiefst verletzten Seele, und auf das Werk des Genies, dessen internationale Erfolge erst kurz vor seinem allzu frühen Tod einsetzten. Ein stiller Film, der sich «als Antithese zum Lärm der Welt und zum Mainstream des Konsums» versteht, passend zu den Bildern von Giovanni Segantini. Der Film erinnert heute nicht nur an Segantini, vielmehr auch an zwei anfangs 2019 verstorbene Künstler, die, jeder auf seine Art, ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte bezw. Film- und Theatergeschichte mit geprägt haben. Die Kamera führte Pio Corradi, dessen sensibles Auge hier dem Blick Segantinis verpflichtet ist. Den Kommentar der deutschen Version spricht Bruno Ganz. Es sind dies die autobiographischen Texte, Worte aus dem Bestseller „Das Schönste, was ich sah“ von Asta Scheib. Die Originale der Gemälde wurden übrigens mit einer hochauflösenden Spezialkamera aufgenommen, um eine möglichst farbgetreue filmische Wiedergabe zu erreichen.
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Cirque de Pic
Thomas Ott
Schweiz
84′
Unterwegs zum Clown: Mit Elefanten im Zug durch die Nacht reisen... Ein Huhn vor dem Würgegriff eines Kochs retten... Seifenblasen in die unsteten Winde eines voll besetzten Zirkuszelts zaubern - sie ist legendär, die Seifenblasennummer von Clown Pic. Zusammen mit weiteren Auftritten ist sie in «Cirque de Pic» zu geniessen. Sie bildet das Herzstück des liebevollen Porträtfilms, den Thomas Ott zu einem der aussergewöhnlichsten und beliebtesten Clowns seiner Generation gestaltet hat. Emil Steinberger erzählt, wie er von Anfang an von Pic begeistert war und den St.Galler Clown dem Roncalli-Direktor empfahl. Der Kabarettist meint: «Einen Fauteuil nehmen, sich hinsetzen und den Pic-Film angucken. Eine herrliche Geschichte eines Clowns geniessen, eines Clowns, der eine Ruhe ausstrahlt, der uns mit einmaligen Geschichten verwöhnt, ob es Geschichten aus dem Leben oder Geschichten auf der Bühne sind - man verfolgt alles mit einem glücklichen Gefühl, stellt auch fest, dass Pic ein guter Schauspieler ist, schön sprechen kann und einen einmalig guten Gesichtsausdruck hat, ein Ausdruck der einen immer berührt. Thomas Ott hat gezeigt, dass er ein sehr sensibler Filmemacher ist, und uns wieder mal mit Bildern serviert, die uns beruhigen und zum Geniesser machen.»
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Accordion Tribe (2004)
Stefan Schwietert
Schweiz
92′
Fünf eigenwillige Musiker aus verschiedenen Ländern formieren sich zum Accordion tribe und vollbringen das Kunststück, ihr lange Zeit verschmähtes Instrument wieder in jenes Kraftwerk der Gefühle zu verwandeln, als das es einst in aller Welt Verbreitung fand. Der Film folgt diesen erregenden Klanglandschaften von trancehafter Intensität und deren charismatischen Schöpfern auf ihrer Reise durch ein Europa, dessen reiches musikalisches Erbe für die Bodenhaftung bei den gewagten Höhenflügen im Stamm der virtuosen Handorgler sorgt. Spurensuche und Neuschöpfung, Tradition und unbedingte Zeitgenossenschaft, Fragment und Gleichzeitigkeit: verkörpert in einem spannenden und emotional mitreissenden musikalischen Projekt über die transformierende Kraft von Musik. Die FAZ schrieb: «Otto Lechners Kompositionen sprühen vor Einfallsreichtum und hintergründigem Witz. Dazu nutzt Lechner seine Stimme wie ein Blasinstrument. In Soli pendelt der blinde Künstler zwischen jazzigen blue notes zur Blues Begleitung und ironischen Karikaturen Wiener Heurigen-Seligkeit, verbindet charmanten <Schmäh>, abgehackte Phrasen und Prater-Stimmungen.»
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Alpsegen
Bruno Moll
Schweiz
88′
Abenddämmerung, Alpsommerzeit. Durch einen Milchtrichter rufen die Sennen, selten eine Sennin, den Alpsegen oder Bättruef. Jeden Tag, bei jedem Wetter. Sie bitten Gott und die Heiligen, Unheil von der Alp abzuwenden, möglichst laut, denn so weit man ihre Stimme hört, soll auch der Schutzbann wirken. Den Naturgewalten in der nächtlichen Bergwelt ausgeliefert, erfahren die Älpler ihre eigene Existenz als Teil eines grösseren Ganzen. Den Alpsegen rufen sie aus tiefer innerer Überzeugung. Bruno Moll hat sich unter vielen anderen mit Filmen wie «Zu Fuss nach Santiago de Compostela», «Die Tunisreise» oder «Pizza Bethlehem» einen Namen gemacht. In «Alpsegen» gibt er wunderbare Einblicke in den Alltag von vier Älplern und einer Älplerin in der Zentralschweiz, die die Jahrhunderte alte Tradition des «Bättruef» praktizieren. Er beleuchtet ihre Spiritualität und mystischen Vorstellungen in einer modernen Welt, lotet ihr Selbstverständnis aus. «Alpsegen» ist eine inspirierende, witzige und wunderschön fotografierte Begegnung mit einer Welt, in der sich Mensch und Tier, Natur und Zivilisation berühren und die uns viel zu erzählen hat.
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Markus Raetz (2007)
Iwan Schumacher
Schweiz
75′
Die Kunst von Markus Raetz wirkt federleicht und zärtlich beschwingt. Man schaut und staunt und ist verzückt, fragt sich, was einem die Augen mit seiner Hilfe vorzaubern. Iwan Schumacher hält das in seinem Porträt so bewegt fest, dass einem das Schauen und Staunen nie vergehen möchten und man erkennt: Wahrnehmung ist das halbe Leben. Danke, Markus Raetz. Am 14. April 2020 ist der Maler, Bildhauer und Fotograf 78-jährig gestorben. Im internationalen Kunstbetrieb war der Schweizer eine etablierte Grösse. Für den Film von Iwan Schumacher hatte der Berner Künstler erstmals einem Filmteam (Kamera: Pio Corradi) Einblick in sein 40-jähriges Schaffen gewährt. Markus Raetz hat den siebten Sinn für Wahrnehmungen der aussergewöhnlichen Art. Seine Werke verblüffen wie Kunststücke eines Zauberers. Sie hinterfragen unsere Sehgewohnheiten und zeigen uns die Dinge von einer ganz anderen Seite. Bei allem lohnt es sich, mehrmals und genau zu schauen. Bei seinen Überraschungsattacken auf die Sehorgane des Publikums bedient sich der «wohl Klarsichtigste aller Schweizer Künstler» unterschiedlichster Techniken, Materialien und Medien. - Bei filmingo gibt's das verspielt schöne filmische Porträt in der vollen Kinoversion.
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Behind Me - Bruno Ganz (2002)
Norbert Wiedmer
Schweiz
82′
Bruno Ganz, 1941-2019, war während Jahrzehnten der Schauspieler aus der Schweiz. 2002 hat Norbert Wiedmer eine liebevolle filmische Annäherung an den eher scheuen Zürcher fertigstellen können. Drei Jahre war er dazu unterwegs mit Bruno Ganz. Er spielt an verschiedenen Orten in verschiedenen Rollen, in Filmen vorzugsweise inzwischen, aber immer noch und unerreicht auch auf der Bühne. Er spielt für den Filmemacher auch Bruno Ganz, filmt und inszeniert dabei Freunde. Es ist die Zeit, in der er auch an der ultimativen Rolle des Dr. Faust in Peter Steins legendärer Inszenierung arbeitet, jener Theaterfigur die – selbstredend für uns alle – verzweifelt zu ergründen sucht, «was die Welt im Innersten zusammenhält». Tausend Tage auf der Suche nach der eigenen Bestimmung, mit dem Zweifel als einzigem Weggefährten und in der Hoffnung auf die schaffende Kraft der Poesie. Der Schaubühneregisseur Stein sagte über Bruno Ganz: «Ich habe immer den Bruno Ganz in der Art seines Sprechens bewundert. Er ist ja Schweizer. Und er nähert sich dementsprechend der deutschen Sprache ein bisschen, wie man es einer Fremdsprache gegenüber tut. Und das führt zu einer bestimmten Distanziertheit des Sprechens und plastischen Herausarbeitung des Sprechens, was komplizierteren Texten unglaublich gut tut. Dadurch hat man immer das Gefühl, dass er Sprache kräftig in die Hand nimmt.» Norbert Wiedmers Film ist ein wunderbares Erinnerungsstück geworden an einen, der fürs Spiel auf Bühnen und Filmsets gelebt hat und uns immer wieder von Neuem faszinierte und in Bann zog.
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Behinderte Liebe (1978)
Marlies Graf Dätwyler
Schweiz
118′
Am 12. Februar 2020 ist Marlies Graf Dätwyler 76-jährig gestorben. Mit «Behinderte Liebe» hatte die gelernte Goldschmiedin 1979 erstmals als Filmemacherin Aufsehen erregt. Vier junge Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung versuchen ihre Isolation und die Schwierigkeiten des Zusammenlebens zu überwinden. In einer Gruppe sprechen sie gemeinsam mit ihren nichtbehinderten Freunden über ihre Erfahrungen und suchen zusammen nach Lösungen. Eine ungeschönte Schilderung, die nie ins Voyeuristische verfällt und bei der sich die Frage aufdrängt: Wie steht es um meine eigene Liebesfähigkeit? Es war diese der erste Schweizer Film, der sich mit der Sexualität von Menschen mit Behinderung befasste. Der Schriftsteller Peter Bichsel schrieb damals zum Film: «'Behinderte Liebe» hat all das, was wir uns unter Dokumentarfilm vorstellen, hinter sich gelassen. Er dokumentiert nicht, sondern er führt mit einem Hauch von Spielfilm Leben vor. () Was vorerst einmal gedacht war als die Darstellung von Sexualproblemen Invalider, das wird plötzlich zur Darstellung meiner eigenen Liebesunfähigkeit. Was für mich schon längst Sex heisst, heisst für sie - die Invaliden - immer noch Sexualität. Sexualität ist ein menschliches Bedürfnis, Sex ein Klischee. Die Hilflosigkeit gegenüber Invaliden ist meine Invalidität.»
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Bergauf, bergab (2007)
Hans Haldimann
Schweiz
97′
Die Kempfs leben auf drei Stufen Heimat. Je nach Jahreszeit bewirtschaftet die Familie einen anderen ihrer drei Höfe im Urner Schächental: Mal im Talboden, mal im Buchen auf 1120 Metern oder dann ganz oben, fast an der Baumgrenze. Zusammen mit ihrem Vieh ziehen sie von Hof zu Hof, um immer dort zu sein, wo der Boden die saftigsten Wiesen hergibt. Zuoberst, im "Pfaffen", will Bauer Max Kempf trotz prekärer Finanzierung einen neuen Stall errichten. Ansonsten wäre seine Existenz, sein geliebtes Bergbauerndasein, gefährdet. Die ganze Familie, von den Kleinsten, über seine Frau bis zu den Grosseltern, hilft mit: "Es muäss!" Es ist ein harter Alltag, geprägt von Entbehrungen und wenig Freizeit. Doch fernab der Hektik der Städte entfaltet sich das Glück auf andere Weise: Die innere Zufriedenheit, sein eigener Herr zu sein, Eins zu sein mit dem Vieh in einer einmaligen Berglandschaft. Es gibt nicht mehr viele Schweizer Bergbauern, die diese einzigartige, archaische Lebensweise der Kempfs noch leben. Der Filmemacher blickt ins Leben in der Abgeschiedenheit der Täler der Innerschweizer Berge und den Veränderungen und Gefahren, die den Bergbauern drohen. Er erzählt von ihrem Willen, an der traditionellen Lebensweise festzuhalten, gegen die Widerstände einer globalisierten Welt, der das Naheliegende allmählich abhanden kommt.
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Bödälä – Dance the Rhythm
Gitta Gsell
Schweiz
78′
Temporeich begegnen wir Schweizer Tänzerinnen und Tänzern, die mit den Füssen Musik machen. Gita Gsell hat eine filmische Reise vom Schweizer Bödälä über Stepptanz und Irish Dance bis zum Flamenco gestaltet. Während sich die Wurzeln ihrer Tanzkunst über die Welt verteilen, ist den portraitierten Personen eines gemeinsam: die ansteckende Lust am Tanzen, am Trommeln mit den Füssen und ordentlich auf den Boden stampfen. Ein Dokumentarfilm mit viel Musik in den Beinen und voller Rhythmus und Lebensfreude.
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Bruno Manser - Laki Penan (2007)
Christoph Kühn
Schweiz
94′
Bruno Manser - hier real! Aktuell ist in den Kinos der Spielfilm über Bruno Mansers Leben im Dschungel zu sehen. Da bietet es sich an, Christof Kühns einfühlsamen Dokumentarfilm BRUNO MANSER – LAKI PENAN aus dem Jahr 2007 anzuschauen. Dieser gewährt mit originalen Film- und Tonaufnahmen von Bruno Manser und Interviews mit seinen Weggefährten im Urwald von Borneo einen authentischen Einblick in das abenteuerliche Leben des Schweizer Umweltaktivisten. Der Basler Bruno Manser lebte von 1984 bis 1990 mit den Penan, dem Urvolk des Dschungels von Sarawak (Borneo). Er lernte ihre Sprache und eignete sich ihre Kultur an. Die Penan akzeptierten Manser als einen der Ihren und nannten ihn Laki Penan, den Penan-Mann. Als die ersten Bulldozer auftauchten und mit dem planmässigen Abholzen des Regenwaldes begannen, machte Manser durch spektakuläre Aktionen, die internationales Echo auslösten, auf das ökologische und menschliche Desaster aufmerksam und schuf sich dadurch mächtige Feinde. Im Frühjahr 2000, auf einer geheimen Reise zu den Penan, verschwand er spurlos. Regisseur Christoph Kühn begibt sich auf den Spuren Bruno Mansers in den Dschungel von Sarawak. Es kommen jene Penan zu Wort, die zu Mansers zweiter Familie wurden: Sie erzählen von ihren gemeinsamen Abenteuern und Ängsten, Mansers Kämpfen mit Riesenschlangen, seinen Begegnungen mit Geistern – und von seiner Begabung, die Penan im Widerstand gegen die Holzfäller und Polizei zu vereinen. Dabei entsteht ein überraschendes, ganzheitliches Bild des leidenschaftlichen Naturforschers, Mystikers und Romantikers, der auch zorniger Umweltschützer und Menschenrechtler war.
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Cern und der Sinn der Schönheit
Valerio Jalongo
Schweiz
75′
CERN und der Sinn für Schönheit enthüllt die Geheimnisse des unterirdischen Labors am CERN und zeigt, wie Schönheit und Harmonie sowohl für Wissenschaftler als auch für Künstler Leitbilder sind. Die riesigen Maschinen des CERNs fangen Bilder mit einer ebenso mysteriösen Energie ein, wie die Werke von Künstlern wie Olafur Eliasson, Michael Hoch, Carla Canetti und vielen anderen. Die Bilder erzählen von Spiritualität der Menschen und der Beziehung zur Natur. Eine Beziehung, die in Angst gelebt wurde, in gemeinsamer Erfahrung, in zerstörerischer Kraft, und die heute überdeutlich zeigt, dass der Mensch die Erwärmung der Erde – seinem einzigen Lebensraum – nicht stoppen kann. Wissenschaftlerinnen des CERN sehen sich konfrontiert mit den grossen Fragen der Philosophen und Mystiker – über das Universum, unsere Herkunft, unser Schicksal. Einige glauben an Gott, einige glauben nur an die Gesetze der Physik und an mathematische Formeln. Aber alle erkennen, dass sie die schwer fassbare Natur von Materie und Kosmos nur mit ihrem sechsten Sinn verstehen können: dem Sinn für Schönheit.
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Chris the Swiss
Anja Kofmel
Schweiz
90′
Kroatien, Januar 1992. Mitten in den Jugoslawienkriegen wird Chris, ein junger Schweizer Journalist, unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Zum Zeitpunkt des Todes trug er die Uniform einer internationalen Söldnergruppe. Anja Kofmel, seine Cousine bewunderte diesen stattlichen jungen Mann als kleines Mädchen. Als erwachsene Frau beschliesst sie, seiner Geschichte nachzugehen und versucht zu verstehen, was Chris’ tatsächliche Beteiligung an diesem Konflikt war ...
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Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez (2006)
Heidi Specogna
Schweiz
90′
Eigentlich ist dieser Film aktueller denn je. Als José Antonio Gutiérrez als erster US-Soldat im Irak sein Leben verlor, hatte er noch nicht einmal die US-Staatsbürgerschaft. Er war ein Strassenkind aus Guatemala und suchte das bessere Leben im Norden. Als Greencard-Soldier verpflichtete er sich für die US-Armee gegen eine erleichterte Einbürgerung. Kurz nach Beginn des Irak-Krieges ging Gutierrez’ Foto um die Welt: Er war das erste Opfer auf nordamerianischer Seite. Behutsam zeichnet die Regisseurin das Leben eines Einzelnen nach und beschreibt gleichzeitig das Schicksal vieler anderer. Sie erzählt die bewegende und fast unglaubliche Geschichte eines ehemaligen Strassenkindes, das sich auf der Panamericana auf die weite Reise immer nordwärts machte – voller Sehnsucht und Hoffnung nach einer Zukunft – und schliesslich weitab von seiner Heimat als US-Held gestorben ist. Auf der Suche nach den Bildern und Geschichten dieses Lebens begibt sich der Film auf José Antonios Odyssee – von Guatemala über Mexiko in die USA. Die Erzähler dieses Films sind die Menschen, die ihn gekannt haben: Seine Freunde von der Strasse, die Sozialarbeiter im Waisenhaus, seine Schwester, die US-Pflegefamilie, schliesslich die Kameraden bei den Marines im Camp Pendleton. Die Erzähler im Film sind aber auch jene Menschen, die sich tagtäglich dem endlosen Strom der Emigranten anschliessen, mit nichts anderem im Gepäck als ihrer Arbeitskraft und der Bereitschaft, für eine kleine Chance auf Zukunft ihrer Heimat und Familie für immer den Rücken zu kehren. José Antonio Gutiérrez’ Geschichte ist nicht die eines Abenteurers. Es ist die Geschichte vom Versuch zu überleben – auf beiden Seiten dieser Welt.
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Der Bär in mir
Roman Droux
Schweiz
92′
Am äussersten Ende Alaskas erfüllt sich für den weitgereisten Filmemacher Roman Droux ein Traum. Er taucht in die Welt jenes Fabeltiers ein, das ihn seit seiner Kindheit fasziniert. Bärenforscher David Bittner nimmt ihn mit ins Land der Bären, in die letzte Wildnis Nordamerikas, in eine Welt, in der die Grizzlybären das Sagen haben und keine Spur menschlicher Zivilisation zu finden ist. Hier machen sich die beiden Abenteurer auf die Suche nach einem Bärenmännchen und einer jungen Bärin, zu denen David Bittner eine enge Beziehung aufgebaut hat: sein Freund Balu und seine grosse Liebe Luna. Die Bären kommen aus ihren Höhlen auf die saftigen Küstenwiesen, um in den kristallklaren Wildbächen und an den Stränden nach Lachsen zu suchen. Bald sind die beiden Männer umgeben von unzähligen Wildtieren, mitten in der Welt der Bären. Sie erleben die Fürsorglichkeit einer ausgehungerten Bärenmutter, die entkräftet versucht, ihre Jungen durchzubringen. Erleben Kämpfe riesiger Bärenmännchen. Droux bringt Bilder von einzigartiger Nähe und Emotionalität auf die Leinwand. Ein lebendiger Naturfilm für die ganze Familie, fern oberflächlicher Erklärungsversuche, der zeigt, dass wir die Magie der Natur nie vollständig erklären können, aber diese aus erster Hand hier erleben dürfen.
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Die Pazifistin: Gertrud Woker - eine vergessene Heldin
Fabian Chiquet
Schweiz
76′
«Gleicher Lohn für gleiche Arbeit», bereits 1917 forderte Gertrud Woker die Gleichberechtigung der Frauen. Sie war Pionierin der Friedens- und Frauenbewegung und eine der ersten Professorinnen Europas. Durch ihre Forschung und Kritik am Einsatz von Giftgasen geriet die Naturwissenschaftlerin bald in Konflikt mit der militaristisch motivierten Elite. Dennoch kämpfte sie unaufhaltsam bis ins hohe Alter für Frieden und Gerechtigkeit sowie gegen den Missbrauch der Wissenschaft. Als geisteskrank verleumdet, verbrachte die Pazifistin die letzten Jahre ihres Lebens schliesslich in einer psychiatrischen Klinik. So verschwand sie zu Unrecht, aber vielleicht nicht zufällig, aus dem historischen Gedächtnis. Der animierte Dokumentarfilm DIE PAZIFISTIN erzählt collagenhaft das Leben und ihre Errungenschaft dieser faszinierenden Frau. Durch Tagebucheinträge, wissenschaftliche Berichte und Gedichte von Gertrud Woker selbst, berührt der Film durch Nahbarkeit und Ehrlichkeit. DIE PAZIFISTIN ist gleichermassen biografisch wie auch eine Dokumentation des damaligen Zeitgeschehens und beleuchtet dieses aus der Perspektive einer mutigen Frau, die zu Lebzeiten nicht zum Schweigen gebracht werden konnte.
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Die vierte Gewalt
Dieter Fahrer
Schweiz
98′
Die Schweizer Medienlandschaft, einst von erfrischender Vielfalt geprägt, wird aktiv geschrumpft. Qualität im Journalismus und gesellschaftliche Funktion werden reinem Renditedenken geopfert. Der finanzielle Gewinn für die Besitzer soll hoch sein, nicht der geistige Gewinn für die Lesenden. So zumindest auf Konzernebene. Aber es entstehen neue Formen, die mitunter unabhängiger sind als die alten und so mehr zur demokratischen Meinungsbildung beitragen. Der Berner Filmemacher Dieter Fahrer hat einen sehr persönlichen Ansatz gewählt für seine filmische Auseinandersetzung mit der Frage, wie Nachrichten, Berichte und Analysen gemacht werden. Als er 2018 seine Reise durch den Medienkonsum der eigenen Familie unternommen hat, gab es in Bern noch zwei Tageszeitungen. 2021 wurden sie von der Zürcher Tamedia zwecks Gewinnoptimierung redaktionell zusammengelegt und eigentlich nur noch als Etiketten belassen, denn der so genannte Content stammt vom Zürcher Tages-Anzeiger; er wird in Bern unter zwei Berner Namen verbreitet, in Basel unter einem, in der Region Zürich unter diversen. In seinem Film «Die vierte Gewalt» erzählt Dieter Fahrer von einem anderen Medienverständnis und gewährt nahe Einblicke in den Arbeitsalltag beim ehemaligen Berner «Bund», beim «Echo der Zeit» von Radio SRF, dem Onlineportal «Watson» und in die Pflege einer anderen Medien-Idee bei der «Republik». Der Film ist wichtig in einer Zeit, in der Fakten als Fake News bezeichnet werden, Lügen als Wahrheiten verbreitet werden, False Balances den Informationsgehalt prägen und Sparmassnahmen auf den Redaktionen an der Qualität der Publikationen nagen.
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Die weisse Arche
Edwin Beeler
Schweiz
89′
Früher oder später muss jeder an eine Beerdigung. Es sind nicht die angenehmsten Fragen, die dann auftauchen. Wann bin ich dran? Wie werde ich einmal sterben? Der Film stellt sich diesen Fragen. Wer sie zulässt, erfährt Antworten, die vielfältiger sind, Horizonte, die sich weiten. Der Film beschäftigt sich mit Spiritualität, mit Sinn- und Wertfragen. Er thematisiert die begrenzte menschliche Erkenntnisfähigkeit und versucht, bis an deren Grenzen zu gehen.
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Ein Lied für Argyris (2005)
Stefan Haupt
Schweiz
105′
Argyris Sfountouris überlebte 1944 vierjährig ein brutales Massaker der deutschen Besatzungsmacht, verlor seine Eltern und 30 Verwandte, kam als griechisches Waisenkind ins Kinderdorf Pestalozzi in die Schweiz und doktorierte an der ETH Zürich. Ein Leben lang, charmant und von melancholischer Heiterkeit, hat er sich mit diesem Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist. Hat versucht, damit zu leben – und auch nach aussen etwas zu bewirken. Ein Film über die schier unlösbaren Schwierigkeiten einer echten Aussöhnung, die Suche nach Frieden – eine Reise mit offenem Ausgang. Stefan Haupt hat einen zutiefst bewegenden Film gestaltet, nicht nur für jene, die zu Griechenland eine Beziehung haben und dieses faszinierende Land lieben: Die eine Lebensgeschichte des Argyris steht für viele andere, und sie steht für Geschichten, die sich heute ereignen an den verschiedensten Orten dieses Planeten. Das grosse Verdienst von Haupt ist es, dass er es wagt und schafft, von einem einzelnen “Opfer der Geschichte” zu sprechen und über dieses Sprechen von den anderen Opfern mit erzählt. Normalerweise haben in der Geschichtsschreibung ja nur die Täter Namen und vielleicht noch besonders heldenhafte Opfer.
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Female Pleasure
Barbara Miller
Schweiz
97′
Fünf mutige, kluge und selbstbestimmte Frauen stehen im Zentrum von Barbara Millers Dokumentarfilm #FEMALE PLEASURE. Sie brechen das Tabu des Schweigens und der Scham, das ihnen die Gesellschaft oder ihre religiösen Gemeinschaften mit ihren archaischpatriarchalen Strukturen auferlegen. Mit einer unfassbaren positiven Energie und aller Kraft setzen sich Deborah Feldman, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner und Vithika Yadav für sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung aller Frauen ein, hinweg über jedwede gesellschaftliche sowie religiöse Normen und Schranken. Dafür zahlen sie einen hohen Preis – sie werden öffentlich diffamiert, verfolgt und bedroht, von ihrem ehemaligen Umfeld werden sie verstossen und von Religionsführern und fanatischen Gläubigen sogar mit dem Tod bedroht. #FEMALE PLEASURE ist ein Film, der schildert, wie universell und alle kulturellen und religiösen Grenzen überschreitend die Mechanismen sind, die die Situation der Frau – egal in welcher Gesellschaftsform – bis heute bestimmen. Gleichzeitig zeigen uns die fünf Protagonistinnen, wie man mit Mut, Kraft und Lebensfreude jede Struktur verändern kann.
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Citoyen Nobel
Stéphane Goël
Schweiz
89′
Sein Leben wird vom einen Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt: Als der ausserhalb von Fachkreisen wenig bekannte Waadtländer Jacques Dubochet 2017 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt wird, steht er plötzlich im Rampenlicht. Seitdem nutzt der 1942 Geborene seinen Ruhm und seine Bekanntheit: Dubochet setzt sich an der Seite von jungen Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Klima-Erwärmung ein. Er engagiert sich für die universelle Verfügbarkeit medizinischer Errungenschaften, kümmert sich um die Bildung von Migranten. Als politisch engagierter Bürger wie als wissenschaftlicher Nobelpreis-Träger ist Dubochet klar, dass die aktuellen Kernprobleme nicht von heute auf morgen gelöst werden können… «Citoyen Nobel» von Regisseur Stéphane Goël zeigt den eloquenten und humorvollen Dubochet im Familienkreis, als angriffigen Lokal-Politiker, als Wissenschaftler im In- und Ausland, mit der Klima-Bewegung auf der Strasse. Dabei vermittelt Dubochet Wesentliches über das, was ihn an- und umtreibt – oder auch zweifeln lässt. Ein berührender Film über einen charismatischen Mann, der empathisch Herzen berührt, Gleichgesinnte begeistert und motiviert, vom inneren Feuer bewegt wird.
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Kampf der Königinnen
Nicolas Steiner
Schweiz
70′
Alljährlich findet im Mai das Finale der Walliser Kuhkämpfe statt. Für die Bäuerinnen und Bauern ist das traditionelle Kräftemessen der Kühe der Höhepunkt des Jahres. Der Film lässt das Publikum in ein bildgewaltiges Spektakel voller Kraft, Spannung, Emotionen, Leidenschaft und feinen zwischenmenschlichen Tönen eintauchen. Hier prallen Tradition und Moderne auf humorvolle Art aufeinander. Ein erfrischend moderner Heimatfilm!
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Kleine Heimat
Hans Haldimann
Schweiz
92′
Zwei Frauen sind 1957 in eine Neubausiedlung eingezogen. Jetzt sind beide über 90 Jahre alt und könnten eigentlich ihren Lebensabend geniessen. Aber sie müssen ihr vertrautes Umfeld nach mehr als 60 Jahren verlassen, weil die Häuser abgerissen werden. Werden sie es schaffen, nochmals Fuss zu fassen an einem neuen Ort?
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Klingenhof (2005)
Beatrice Michel
Schweiz
84′
Unser Lebensraum? Was ist das Naheliegende? Der Klingenhof zum Beispiel ist ein Innenhof im Kreis 5 von Zürich, vor den «Sieben Geleisen» des nahen Bahnhofs gelegen, umgeben von fünfstöckigen Häusern, bewohnt von Menschen aus verschiedenen Nationen und Kulturen. Im Innern sind die Ruinen alter Ökonomiegebäude in den 70er Jahren umfunktioniert worden zu einem Spiel – und Begegnungsort. Die Torbogen, Gewölbe, Treppen und Podeste bilden so etwas wie eine Arena für einen Mikrokosmos, der die «grosse» äussere Welt spiegelt.Im Exposé schrieb die Autorin Beatrice Michel: Der Film, ein «poetischer» Dokumentarfilm, wird die Geschichte einiger Bewohner erzählen, die Verknüpfung ihrer Schicksale an diesem Ort und die Grenzen und Möglichkeiten von Begegnungen darzustellen versuchen. Texte aus dem Tagebuch werden die Klammern bilden, die eigene Geschichte mit den Geschichten der Nachbarn verbinden. Der Klingenhof ist kein idyllischer Ort, seine Bewohnerinnen und Besucher haben seine Lebendigkeit erhalten können. Vielleicht aus der Einsicht und aus der Erfahrung, dass Ausgrenzung Unbehagen erzeugt, dass der Ausgrenzende seinerseits einen Verlust an Offenheit erleidet. «In Afrika besteht die Kunst des Überlebens im Geschichtenerzählen», sagt einer zu Beatrice Michel, die diese Kunst auf wunderbare Weise beherrescht. Wahrnehmen, was geschieht, Geschichten festhalten, Gesichter, Schicksale, frei nach Claudio Magris? Wort: «Jeder Ort kann Mittelpunkt der Erde sein.»
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Les hommes du port (1994)
Alain Tanner
Schweiz
67′
Es ist, als würden sie ein Orchester dirigieren, die Hände der Docker von Genua. Dabei dirigieren sie den Kranführer, der die schweren Container aus- und einlädt. Im Alter von 17 Jahren war der Genfer Filmemacher Alain Tanner auf der Flucht vor der Sesshaftigkeit nach Genua gereist und hatte für eine Reederei gearbeitet. In seinem traumhaft sanften Essay kehrte er vierzig Jahre später zurück und dachte über beobachtete Veränderungen im Arbeitsleben und beim Filmen nach. Entstanden ist eine Bilder-Ode an den Hafen von Genua, seine Menschen, ihre Arbeit, ihr Verhältnis zur Arbeit, ihre Solidarität - untermalt von Arvo Pärts «Fratres» und «Tabula Rasa». Ursprünglich hoffte Tanner, den Hafen als Sprungbrett für Fahrten in die weite Welt benutzen zu können. Doch er blieb sesshaft, den Blick auf jenes Meer gerichtet, das später in mehreren seiner Filme wieder auftauchen sollte. «Les hommes du port» wirkt federleicht, trotz der gewichtigen Lasten, die da verschoben werden. Nicht nur Container und Frachtriesen, auch Gedanken zur Arbeitswelt, zum Klima unter den Dockern, die ihre Arbeit vom Vater zum Sohn übertragen und als Freiheit empfinden. Es ist die Würde, die diese Männer ausstrahlen. Es ist ihre Schönheit, die geradezu betörend wirkt, es sind ihre Sätze, wie sie ohne grosse Worte vom Wesentlichen reden. Und wenn dies alles nicht zum nostalgischen Kitsch gerät, so ist es das Verdienst des Filmemachers, der die Erfahrung der Docker mit seiner eigenen Arbeit zu verknüpfen versteht. Auch Tanner redet in der ersten Person, spricht seinen Kommentar selber.
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Madame
Stéphane Riethauser
Schweiz
93′
Madame – das ist Caroline. Die alte Dame, macht sofort klar, dass sich hinter der koketten Frisur und den bourgeoisen Manieren mehr als nur ein starker Charakter verbirgt. Im Mittelpunkt des Films steht die Beziehung zu ihrem Enkel Stéphane Riethauser, dem Filmemacher. «Madame» ist ein doppeltes Selbstporträt, in dem sich die Matriarchin und ihr homosexueller Enkel einander anvertrauen. 
Mit Aufrichtigkeit und Humor dekonstruiert der Film tiefgründig und mit subversiver Kraft Geschlechterklischees und zeichnet mit bezaubernden Archivbildern eine Familiensaga aus der bürgerlichen Gesellschaft nach.
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Magic Matterhorn (1995)
Anka Schmid
Schweiz
83′
Was ist für uns Heimat? Dieser Frage geht Anka Schmid 1995 in ihrem essayistischen Dokumentarfilm «Magic Matterhorn» nach. Sie nimmt, der Titel sagt es, das Wahrzeichen der Schweiz schlechthin als Ausgangsmotiv: Das Matterhorn. Zu Wort kommen Zermatter Teilzeitbauern, ein Schweizer Disneyland-Jodler, die international bekannten Schweizer Entertainer «Geschwister Pfister» und Touristinnen und Touristen aus aller Welt. Anka Schmid zeigt Heimat zwischen Klischee und Realität und wagt den Spagat zwischen philosophischen Gedanken und Souvenir-Kitsch.
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Mais im Bundeshuus (2003)
Jean-Stéphane Bron
Schweiz
86′
Im Zimmer 87 des Bundeshauses erarbeitet eine parlamentarische Kommission ein Gesetz zur Gentechnologie. Vor den geschlossenen Türen wartet das Filmteam. Der Filmemacher Jean-Stéphane Bron verfolgt die Abenteuer der Kommission in den Sitzungspausen, begleitet die Abgeordneten und zeigt die Ränkespiele der Politik. Mit Spannung und Humor enthüllt er Machtstrukturen und die Grenzen des Schweizer Politsystems.
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Messies, ein schönes Chaos
Ulrich Grossenbacher
Schweiz
117′
Etwa zwei Prozent der Schweizer Bevölkerung gelten als krankhafte «Messies». Sie sammeln so extensiv und kompromisslos, dass ihr Verhalten sie isoliert. Sie werden ihren Mitmenschen zur Last oder verkriechen sich in den eigenen Wänden - sofern da noch Platz ist. Für Angehörige ist die Sammlerwut mitunter grenzwertig, gleichzeitig führt uns der Film auf erfrischende Art vor Augen, wie schnell wir die Dinge doch wegschmeissen und wie häufig man noch etwas mit ihnen machen könnte, sie reparieren oder umfunktionieren. Neugierig begegnet Filmemacher Grossenbacher vier Menschen, die mit ihrem Chaos unterschiedlich umgehen. Arthur, ein lediger Bauer, bewohnt sein Heimetli. Nicht Geranien sind sein Stolz, sondern verrostende Traktoren, Bagger, Autos und Lastwagen. Elmira legt in ihrer Wohnung Gelenkigkeit an den Tag. Meterhoch türmen sich die zu überquerenden Zeitungs- und Kassettenstapel. Karl und Trudi bewohnen ein Bauernhaus. Einer der letzten passierbaren Räume ist die Küche. Sie beklagt das verlorene Sozialleben, nicht mal mehr die eigenen Kinder besuchen sie. Ihr Ultimatum: Er schafft Platz oder sie zieht aus. Der Tüftler Thomas baut aus Schrott sinnige Apparate. Seine Werkstatt ist so übervoll wie seine Pläne.
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Passagen (1972)
Fredi M. Murer
Schweiz
44′
H.R. Giger wurde weltberühmt als Gestalter der Figuren des Spielfilms ALIEN von Ridley Scott. In dieser lange Jahre davor entstandenen Dokumentation über H.R. Gigers Werk steht der schöpferische Prozess des Künstlers und das Wechselspiel zwischen bewussten und unbewussten Einflüssen im Mittelpunkt. In Statements von Experten und Zeitgenossen wird die Frage nach der Stellung des Künstlers und seiner gesellschaftlichen Verantwortung behandelt.
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Passion - Zwischen Revolte und Resignation
Christian Labhart
Schweiz
80′
Ein Film über meinen Umgang mit der schmerzlichen Tatsache, dass die Welt heute nicht so ist, wie ich sie mir vor 50 Jahren erträumte. Bilder aus der Welt von heute prallen auf fragmentarische Erinnerungen, auf poetische Texte und auf J. S. Bach's Matthäuspassion. Ein Essayfilm über die Fragilität meiner Existenz im entfesselten Kapitalismus.
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Paul Nizon: Der Nagel im Kopf
Christoph Kühn
Schweiz
84′
Er ist einer der grossen Solitäre der modernen Literatur: Paul Nizon, geboren 1929 in Bern. Der Romancier und Familienvater verdient sein Geld zunächst mit journalistischen Arbeiten, in denen er mit spitzer Feder Heimatkritik übt. In den frühen 1960er-Jahren dann wendet sich Nizon ganz der Literatur zu. Obwohl er als Autor bald gefeiert wird, lässt er 1977 alles hinter sich: Nizon zieht nach Paris, wagt eine radikale Selbstbefreiung, um seinen Traum einer poetischen Existenz zu verwirklichen. Der «grösste Magier der deutschen Sprache», wie die französische Zeitung «Le Monde» ihn beschreibt, erhält für sein in mehrere Sprachen übersetztes Werk zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. «Paul Nizon: Der Nagel im Kopf» erzählt von der kompromisslosen Lebenssuche des Schriftstellers. Herzstück des Films ist Nizons menschliches Abenteuer in einer engen Hinterhofwohnung, wo er die ersten Pariser Jahre lebt: Eine Art Grenzstation, in der er damit ringt, in seinem anderen, dem poetischen Leben als freier Schriftsteller anzukommen. Wortgewandt, voller Humor und Ironie gewährt Paul Nizon dem Regisseur Christoph Kühn Einblick in seine Biografie und in sein Schaffen. Es entsteht das intime, facettenreiche Porträt eines grossen Literaten und scharfen Denkers, für den das Wagnis des Lebens und das Wagnis des Schreibens zu ein und demselben Kunstwerk verschmelzen.
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mit Bonus
Pizza Bethlehem
Bruno Moll
Schweiz
84′
Im Zentrum von Bruno Molls Film PIZZA BETHLEHEM, der an den Solothurner Filmtagen 2010 von Publikum und Medien als Highlight gefeiert wurde, stehen neun junge Frauen des FC Bethlehem. Das Team spiegelt die ethnische Zusammensetzung des Berner Quartiers, in dem die Mädchen leben, der Film betrachtet beschwingt, liebe- und humorvoll den Alltag der jungen Frauen in Schule, Liebe, Beruf und Familie - und er lässt natürlich den Frauenfussball leben. Moll fragt nach dem Selbstverständnis seiner Fussballerinnen, nach ihren Träumen und Ängsten, fragt nach Religion, Ausbildung und Liebe. Was heisst es, fremd sein im Land, in dem man aufgewachsen ist, wo man sich zuhause fühlt? Der Filmemacher hat - einmal mehr - eine Vertrautheit erreicht, die alles andere als selbstverständlich ist und die einen hier mitunter vergessen lässt, dass diese 15- bis 16-jährigen Mädchen keine Filmprofis sind und ganz einfach sich selber darstellen. Marie, Agime, Rosa, Elmaze, Tiziana und die anderen sind so überzeugend und frisch, weil sie im besten Sinn sich selber und bei sich selber sind und sein können, in den eigenen vier Wänden, beim Shoppen, mit Freundinnen, auf dem Fussballfeld. So ist ein faszinierendes, lebendiges und vielschichtiges Porträt entstanden vom anderen Jungsein mitten in der Schweiz. Diese ist unübersehbar ein Imigrationsland, auch wenn das Einzelne, deren Vorfahren hier vor gar nicht langer Zeit eingewandert sind, nicht wahrhaben wollen. Moll bringt die Elemente, die er auf immer wieder überraschende ja verblüffende Art aufgenommen hat, in einen Fluss, auf dem dringliche Fragen erkennbar werden. Das geschieht geradezu nebenbei, so dass sein Film sowohl Erwachsene wie Jugendliche ansprechen kann und Einsichten bietet ins Leben gleich nebenan um die Ecke. Walter Ruggle Die Juniorinnen des FC Bethlehem: Marie Bonvin Alessandra Caradonna Natâsa Milankovic Agime Murina Yolanda Oluoma Daria Palandrani Rosa Pedro Tiziana Satraniti Elmaze Sinani
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Reisen ins Landesinnere (1988)
Matthias Von Gunten
Schweiz
99′
Szenen aus dem Alltag von sechs Personen, einfühlsam beobachtet, raffiniert montiert und jetzt endlich in restaurierter Fassung wieder zu entdecken. Der Filmemacher Matthias von Gunten war in den 1980er Jahren nach einem längeren Auslandaufenthalt in seine Schweizer Heimat zurückgekehrt und hatte sich vorgenommen, das Land gewissermassen von aussen nach innen zu erforschen. «Reisen ins Landesinnere» hat er den Film betitelt, der aus dem Wunsch heraus entstanden ist, und der so schön aussagekräftige Titel steht voll und ganz für seinen Film. Die Reise zurück als Triebfeder ist in eine Reise hinein gemündet, in eine stille Betrachtung von dem, was ist, von dem, was einzelne Leute bewegt, und von dem, was sie stillhält. Von Gunten hat sich auf sechs BewohnerInnen beschränkt, damals war das ein Millionstel Schweiz. Die sechs Menschen hat er aber mit solchem Geschick ausgewählt, dass sie für vieles stehen, was die Schweiz da ausgemacht hat und noch immer ausmacht. Durch die ausgetüftelte Montage, die der Filmemacher in zehnmonatiger Arbeit mit Cutter Bernhard Lehner bewältigte, ergibt sich aus den sechs Personenfäden ein Netz. Die Reise ins Innere vollzieht der Film selber in einer konstanten Suche nach Bewegung und Ruhe. Von Gunten und sein Kameramann Pio Corradi betrachten die sechs Personen von allem Anfang an aus betonter Nähe, und weil sie ihnen in Beschäftigungen vertieft zuschauen, wirkt das nie aufdringlich, kommt eine teilhabende Nähe zustande, die besticht. Im Kleinen blüht, was wirken soll ... da ist der Grenzgänger Giovanni Simonetto, der als Italiener in Melide mit Hingabe am Miniatur-Erscheinungsbild der Schweiz bastelt und mauert, ab einem Bild, das Schweizer Fremden später stolz präsentieren. Da ist Hans Stierli, der aus der Stadt abgehauene Couturier, der im Onsernonetal an einem Reservoir für seinen Rückzugsort mauert, um etwas anzufangen mit der vielen Zeit, die sich ihm in der Abgeschiedenheit aufdrängt. Weit entfernt von ihm sitzt Catherine Schenker im Zürcher Fernsehstudio und versucht, aus der Bilderflut, die täglich an der weltweiten Bilderbörse angeboten wird, jene Bilder auszuwählen, die ein bisschen weite Welt in die Schweizer Stuben bringen. Es sind Bilder von Tragödien vor allem, das steigert das eigene Wohlbefinden, die Selbstzufriedenheit. Die Weite möchte wohl auch der Freizeit-Flugzeug-Spotter Hanspeter Sigrist spüren, der den Drang nach Ferne indirekt in Griff zu bekommen versucht indem er die landenden Flugzeuge nach Herkunft zuordnen kann - in Zeiten der Flugscham muss man anmerken, ist das fast schon vorbildlich, denn fliegen muss der Spotter nicht. Er wollte «teilhaben an der Zeit» von seinen Personen, sagte Matthias von Gunten beim Erscheinen seines Films. Die Zeit scheint bei Fräulein Bertha Massmünster aus Münchenstein fast stillzustehen. Die alte Frau hat sich eingerichtet im Leben, bis ins letzte Detail, bis zur letzten Falte der Bettdecke hat alles seinen festen Platz und seine Richtigkeit. In der Montage, die sich von Person zu Person bewegt, hin und her, die verweilen lässt, Akzente setzt, mal etwas beschleunigt, dann wieder ruht, begegnen sich im Fluss des Films sechs Personen, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, ausser dass sie zur selben Zeit in derselben Geografie leben. Und irgendwie scheinen alle gemeinsam einsam. Das Leben der Vereinzelung, wo jeder und jede eigenen Beflissenheiten nacheifert und wo man sich mit grossem Aufwand aufs Ausleben im Bunker vorbereitet, dem Ort, der zuinnerst drin scheint, im Landesinnern. Ist es möglich, dass der Dran nach Innen inzwischen noch zugenommen hat? © Walter Ruggle
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Stefan Haupt
Schweiz
90′
Die Sagrada Família in Barcelona: ein einzigartiges, faszinierendes Bauprojekt mit einem genialen Architekten, Antoni Gaudí, einer riesigen Zahl von Mitwirkenden und einer Geschichte voller Abgründe und Höhenflüge. Die Biographie dieses Bauwerkes, seit 1882 im Bau und heute gut zur Hälfte fertig gestellt, bildet den Ausgangspunkt für einen Film über diesen geheimnisvollen Prozess des «Schöpfens», über die Frage nach unserer menschlichen Schaffenskraft – und wofür wir sie einsetzen wollen.
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Signers Koffer (1995)
Peter Liechti
Schweiz
80′
Peter Liechti (1951-2014) bleibt der Poet des Schweizer Films. In seinem Essay dokumentiert er zum einen Arbeit, Lebensphilosophie und Wesen des Ostschweizer Aktionskünstlers Roman Signer, zum anderen gestaltet er mit dem dokumentierenden Material ein traumhaft leichtfüssiges Gedicht über die Flug- und die Schwerkräfte des Lebens. Eigentlich besteht ja ein fundamentaler Widerspruch zwischen den Aktionen Roman Signers und ihrer Dokumentation, sind sie doch darauf angelegt, im knalligen Moment zu wirken, für Sekunden bloss: Der Rest ist Schweigen. Doch Peter Liechtis Film hält nicht einfach das Spektakuläre fest; der Filmemacher führt Signer gewissermassen in die vierte Dimension, indem er mit den aufgezeichneten Aktionen sehr geschickt umgeht, ihnen ein Vor- und Nachspiel lässt, sie einbettet und auf durchaus eigene Art mit zusätzlichen Flügeln versieht. Damit dokumentiert der Filmer zum einen (und wie nebenbei) Arbeit, Lebensphilosophie und Wesen des Ostschweizer Aktionskünstlers Roman Signer - seinen wohltuenden Appenzeller Dialekt auch –, zum anderen gestaltete er (gleichsam nebenbei) sein traumhaft leichtfüssiges Gedicht: es signert liecht auf seine Art.
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Tanz der blauen Vögel (1993)
Lisa Faessler
Schweiz
79′
Lisa Faessler (1946-2014) kannte man als Autorin zweier einfühlsamer Doku­mentarfilme aus dem Dasein von Shuar- und Secoya-Indianern im ecua­doriani­schen Urwald. Hier überraschte die Zürcher Filmemacherin mit einem auf Zuspitzungen hin montierten filmischen Essay mitten aus Eu­ropa, gedreht an tschechischen und schweizerischen Schau­plätzen mit engem Rahmen und weitem Feld. Ein politischer Film, aktuell, brisant, scharfsinnig. Was Lisa Faessler aus dem von Pio Corradi aufgenom­menen Bildmaterial, aus Dokumentaraufnahmen, Spielfilm- und Videoclipausschnitten zusammen mit dem soeben in Solothurn an den Filmtagen geehrten Jürg Hassler am Schneidetisch gestaltet hat, be­sticht in der formalen wie in der inhaltlichen Radikalität, ist unge­wohnt im besten Sinn. Es ist ein Film, der nachdenken über Befindlichkeiten in einem Europa, in dem Verunsiche­rungen den All­tag prägen. Es ist ein Film über Menschen im Umfeld von Geschichte, ein Film über Gedanken und Gefühle in einer Zeit, in der Ideologien wegge­schmis­sen wurden wie schmutziges Klopapier. - Ein hinreissender Kulturvergleich, der in seiner Radikalität besticht.
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Picture of Light (1993)
Peter Mettler
Schweiz
87′
Frisch von den Visions du réel Nyon, wo er zum Atelier eingeladen war. Zu einer einzigartigen Reise ist der Kanada-Schweizer Peter Mettler in diesem Film aufgebrochen: Er führt uns ans nördlichste Ende des amerikanischen Kontinents: ans Licht. Für mich, sagt Mettler, ist das Kino eine Art zu leben und das Leben zu verstehen. Er liebt es, an Grenzen zu gehen; in «Picture of Light» ist es die Grenze des Lichts, die Grenze der Wahrnehmung. Das Polarlicht (Aurora Borealis) entsteht, wenn die Atome der hohen Erdatmosphäre durch besondere Momente der Sonnenstrahlung zum Leuchten angeregt werden und in Polnähe durch die Magnetfelder besonders gelenkt werden. Das Wissenschaftliche als solches interessiert den Filmer weniger, wenngleich er zu seinem Film durch den Metereologen und Künstler Andreas Züst motiviert wurde. Mettler hat die Grenzerfahrung gereizt, das Team musste bei extremster Kälte filmen, denn je kälter, desto klarer das Licht. Peter Mettler sagt im Film einmal: «Wir leben in einer Zeit, in der die Dinge nicht zu existieren scheinen, wenn sie nicht als Bild eingefangen werden.» Die Fahrt zu den Polarlichtern ist die Bewegung auf eine extreme Erscheinunsgform des Lichts zu und damit eine Herausforderung an den Film, der mit dem Licht steht und fällt. Was fürs Leben gilt, gilt auch fürs Kino: Ohne Licht geht gar nichts.
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Volunteer
Anna Thommen
Schweiz
93′
VOLUNTEER ist ein Film über die Basisbewegung einfacher Schweizer Bürger, die aufbrechen, um Tausenden in Griechenland gestrandeten Flüchtlingen zu helfen. In der reichen und sicheren Schweiz lassen Bürger mit unterschiedlichen Hintergründen ihr geordnetes Leben zurück, um Menschen in Not zu unterstützen. Da ist ein Schweizer Bauer und seine Frau, die Kühe in den Alpen züchten, ein Hauptmann der Schweizer Armee, eine Pensionärin, die am Seeufer residiert, und ein erfolgreicher Komödiant und Entertainer. Diese Freiwilligen begeben sich auf ein Abenteuer, das ihr Leben für immer verändern wird.
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W. - Was von der Lüge bleibt
Rolando Colla
Schweiz
111′
Das Buch «Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948» schlug international hohe Wellen – sowohl als es erschien, wie auch als sich später herausstellte, dass die angebliche Autobiografie erfunden war. Der Berufsmusiker Bruno Wilkomirski beschrieb in seinem 1995 erschienenen Werk seine frühste Kindheit in einem Konzentrationslager. Er erhielt Preise, war als Zeitzeuge und Experte weitum gefragt. Als vier Jahre später bekannt wurde, dass es sich bei «Bruchstücke» um eine Art Lebenslegende handelt, Bruno die ganze Kindheit in der Schweiz verbracht hatte, beharrte er zunächst auf der Richtigkeit seiner Erinnerungen. Dann zog er sich zurück und äusserte sich nicht mehr öffentlich – bis jetzt. Regisseur Rolando Colla schaffte es, durch Empathie, Geduld und Unvoreingenommenheit das Vertrauen von Bruno Wilkomirski zu gewinnen, der in «W. – Was von der Lüge bleibt» erstmals einräumt, das Buch «Bruchstücke» sei keine Autobiografie. Collas Film geht den Fragen nach, welches Umfeld und welcher persönliche Hintergrund dazu führten, dass Wilkomirski dieses Buch so geschrieben hat und bis zu welchem Grad etwas universell Menschliches in dieser Täuschung steckt. Ein emotional starker und inspirierender Dokumentarfilm mit Illustrationen des Comiczeichners Thomas Ott - dessen Porträt des Clowns Pic ebenfalls auf filmingo zu entdecken ist.
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Walter Pfeiffer - Chasing Beauty
Iwan Schumacher
Schweiz
89′
Mit 70 Jahren steht Walter Pfeiffer im Zenit seiner Laufbahn als Künstler und Modefotograf. In «Chasing Beauty» spricht er mit Witz und Leichtigkeit über sein Leben und Werk. Wir beobachten ihn bei der Arbeit mit Supermodels und Unbekannten ebenso wie beim Zeichnen in der freien Natur und sehen, wie er aus realen Situationen Bilder schafft, die den unverwechselbaren Pfeiffer-Touch haben. Modelle aus vier Jahrzehnten erzählen über ihre Arbeit mit Pfeiffer, was sie bewog, ihm Modell zu stehen und was seine Bilder ihnen heute bedeuten. Ganz nebenbei erhalten wir so einen Einblick in vierzig Jahre Jugendkultur. Das spannungsvolle Verhältnis von Kunst und Mode, mit dem Pfeiffer souverän jongliert, wird von Weggefährten Pfeiffers aus beiden Welten reflektiert. Getragen wird der Film von Pfeiffers hintergründigem Humor, seiner Bodenständigkeit und Authentizität. Ein Film, der Mut zum Eigensinn macht und den Zuschauer mit einem Lächeln auf den Lippen aus dem Kino entlässt.
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Wer sind wir?
Edgar Hagen
Schweiz
99′
Helena (19) und Jonas (11) sind beide schwer behindert und permanent auf Unterstützung angewiesen. In ihrem Anderssein und mit der Schwierigkeit, ihre Bedürfnisse zu äussern, stellen sie Eltern und Familie, Schule und Betreuende, aber auch die Gesellschaft auf die Probe. Wie gehen wir damit um, wenn unsere Erwartungen ans Leben nicht erfüllt werden? Wie integrieren wir das Unerwartete in unseren Alltag? Helena und Jonas gelingt es mit Unterstützung aus ihrem Umfeld, die Abwehr, den Widerstand und das Schweigen zu durchbrechen. Beide bewegen sich vom Rand der Gesellschaft in deren Mitte: Helena findet in einem Wohnheim ihr eigenes Leben und erprobt neue Möglichkeiten der Verständigung. Und Jonas lebt als Schüler in einer öffentlichen Grundschule jeden Tag ein Stück Normalität. Der Dokumentarfilm «Wer sind wir?» von Edgar Hagen wirft einen authentisch-sensiblen Blick auf das Leben zweier junger Menschen und ihr Betreuungsumfeld. Er versucht, ihre Sicht der Welt zu ergründen und zeigt, was es braucht, damit Kommunikation gelingen kann. So entsteht ein intimer Einblick, der uns bewusst macht, wie reich ein Leben mit Einschränkungen sein kann. Er führt uns eindrücklich vor Augen, wie die Gesellschaft von Menschen wie Helena und Jonas lernen kann. Und stellt die alles entscheidende Frage: Wer sind wir?
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Where We Belong
Jacqueline Zünd
Schweiz
78′
Jacqueline Zünd betrachtet ein verbreitetes Moment in unserer Gesellschaft. Eltern trennen sich, und aus einer vermeintlich als Einheit konzipierten Gemeinschaft entstehen zwei Welten. Für die Eltern mag das eine gewachsene Entscheidung sein. Aber wie gehen Kinder damit um, dass sie plötzlich mit getrennten Eltern leben sollen? Zünd gibt ihnen Raum für das, was oft unausgesprochen bleibt. Aufrichtig und mit beeindruckender Klarheit schildern die Kinder ihre Gedanken, analysieren nicht nur ihre eigenen Gefühle, sondern auch die ihrer Eltern. «Where We Belong» zeigt, wie zerbrechlich Kinder sind – aber auch wie mutig, intelligent und erfrischend humorvoll sie sich dem Leben stellen. Die Filmemacherin verwebt Interviews mit poetischen Alltags-Bildern: erhellend, ergreifend und sinnlich. Auf die Frage, was sie zur Perspektive der Kinder geführt habe, antwortet Jacqueline Zünd: «Das Gespräch über Trennungen und deren Folgen wird für gewöhnlich von Erwachsenen geführt. Sie treffen die Entscheidungen, sie beraten darüber, analysieren. Mich hat die Perspektive der Kinder interessiert. Mir war wichtig, sie nicht als passive Opfer zu zeigen, sondern ihre eigene Wahrnehmung zu verstehen: Was ist ihnen wichtig, was tut ihnen weh, was gelingt ihnen mühelos, und was scheint unüberwindbar? Ich wollte ihnen die Fragen stellen, die man als Eltern meidet. Viel leicht aus Angst vor der Antwort, vielleicht weil man die Kinder vor der Realität schützen will.»
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Zum Beispiel Suberg
Simon Baumann
Schweiz
90′
Man sagt, die Welt sei ein Dorf geworden. Nehmen wir an, dieses Dorf heisse zum Beispiel Suberg. Dann können wir hier die ganze Welt sehen. Suberg. 475 Meter über Meer, 612 Einwohner. Ein Bahnhof, ein Schulhaus, ein Wirtshaus und eine Düngerfabrik. Ein mittleres Dorf im Schweizer Mittelland. In nur drei Jahrzehnten hat sich das verschlafene Bauerndorf zum anonymen Schlafdorf entwickelt. Simon Baumann lebt seit seiner Geburt in Suberg. Doch 32 Jahre lang hat der Filmemacher das Dorf und seine Bewohnerinnen und Bewohner erfolgreich ignoriert. Anders als sein Grossvater, welcher im Dorf eine zentrale Figur war, kennt er hier kaum jemanden. Das will der Filmemacher ändern und sucht Kontakt zu den Menschen hier. Aber wie integriert man sich in ein Dorf, in dem es kaum noch eine Dorfgemeinschaft gibt? Und warum ist das so? Auf der Suche nach Antworten trifft Baumann auf Menschen, die Suberg und seine Entwicklung geprägt haben, setzt sich mit den Lebensentwürfen seiner Vorfahren auseinander und findet im Männerchor eine letzte kleine Oase des Gemeinschaftssinns.
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Zwischenwelten
Thomas Karrer
Schweiz
87′
Thomas Karrer nimmt uns mit auf eine Reise ins Appenzellerland, wo seit jeher ein besonderer Umgang mit Geistheilern besteht. Naturheilpraktiker stellen hier Tinkturen und Salben her, und ergänzen mit ihren alternativen Heilmethoden die Schulmedizin. So entstehen aussergewöhnliche Arten der Zusammenarbeit. Denn was zählt, ist nicht nur die Heilung sondern auch der Weg dorthin. Der Dokumentarfilm «Zwischenwelten» liefert keine Lösungen: Er sucht, er hinterfragt und bleibt dabei doch in der Rolle des Beobachters, der sich dem Rätsel des Heilens nähert, für das es keine eindeutige Antworten gibt.
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Einfach leben
Hans Haldimann
Schweiz
99′
Ein Film über Menschen, die versuchen, sich von den Zwängen der modernen Gesellschaft abzuwenden und im Einklang mit der Natur zu leben. Doch im malerischen Idyll in den Bergen des Val Lavizzara im Tessin tauchen immer mehr Gegensätze auf. Werden es die alten Gründer der Gemeinschaft schaffen, ihr Lebenswerk in die Hände Jüngerer zu geben?
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Beyond Boobs
Stéphane Correa und Kristen Vermilyea
Schweiz
52′
Brüste. Melonen. Bazookas: Die amerikanische Regisseurin Kristen Vermilyea hat grosse Brüste, Nacken- und Rückenschmerzen und Gleichgewichtsprobleme.
 Ihr Entschluss, eine Brustverkleinerung vornehmen zu lassen, wirft Fragen über Identität, Alterung und Körper auf. Kristen begibt sich auf eine Reihe von verrückten und humorvollen Abenteuern, bevor sie sich unters Messer legt. Englische Sprachversion ohne Untertitel
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Carte blanche
Heidi Specogna
Schweiz
93′
Sie tragen keine Uniform, keine Waffen und haben keine Bodyguards, aber ihre Missionen führen sie an die gefährlichsten Orte der Welt. Ihre Ausrüstung besteht aus Laptops, kleinen Videokameras und Tonbandgeräten. Sie tragen in mühsamster Kleinarbeit die Fakten für die Anklageschriften zu einigen der schwersten Verbrechen unserer Zeit zusammen: verübt in Darfur, Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik – die Ermittler des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.
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Als die Sonne vom Himmel fiel
Aya Domenig
Schweiz
78′
Auf den Spuren ihres verstorbenen Grossvaters, der sich unmittelbar nach dem Abwurf der Atombombe als junger Arzt im Rotkreuzspital von Hiroshima um die schwer verwundeten Menschen gekümmert hat, begegnet die Regisseurin einem ehemaligen Arzt und einer Krankenschwester, die Ähnliches erlebt haben wie er. Zeit seines Lebens hat ihr Grossvater nie über seine Erfahrungen gesprochen, doch durch die beeindruckenden Erzählungen und grosse Offenheit ihrer Protagonisten kommt sie ihm näher. Als sich am 11. März 2011 in Fukushima eine neue Atomkatastrophe ereignet, wird ihre Reise in die Vergangenheit von der Gegenwart eingeholt. Ihre Suche nimmt eine neue Wendung, und ihre Protagonisten erscheinen in einem neuen Licht. Sie treten an die Öffentlichkeit und warnen vor der grossen Gefahr der Verstrahlung. Und während man ihnen in Japan in den letzten Jahren nur ungern zugehört hat, stossen sie nach dem Reaktorunfall von Fukushima wieder auf breites öffentliches Interesse. Die Protagonisten von ALS DIE SONNE VOM HIMMEL FIEL treten seit ihrer einschneidenden Erfahrungen im atomar verwüsteten Hiroshima unermüdlich gegen das grosse gesellschaftliche Schweigen an, das bis heute über die wahren gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen der Atombombenabwürfe herrscht. Damit sprechen sie einen verdrängten Aspekt der Vergangenheit an, der nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima auf schmerzliche Weise ins Bewusstsein der Japaner dringt.
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Badenfahrt - Fest vereint
Rolf Lang
Schweiz
78′
Alle zehn Jahre versetzt eines der grössten Volksfeste der Schweiz die Kleinstadt Baden in einen positiven Ausnahmezustand. Was motiviert unzählige Menschen in den verschiedensten Vereinen, die «Badenfahrt» mitzugestalten und einen unglaublichen Einsatz zu leisten? Der 78 Minuten lange Dokumentarfilm «Badenfahrt - Fest vereint» zeigt die Emotionen derjenigen, die das Fest auf die Beine stellen. Es herrscht Feel-good, was sich auch auf den Film überträgt. Er ist ein Plädoyer für Freiwilligenarbeit, für Vielfalt, Rolf Lang zeigt, was man gemeinsam Positives bewirken kann.
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Das höchste Gut einer Frau ist ihr Schweigen - Il valore della donna è il suo silenzio (1979)
Gertrud Pinkus
Schweiz
94′
«Das höchste Gut des Mädchens ist seine Schönheit, das höchste Gut der Frau ist ihr Schweigen». Diesem süditalienischen Sprichwort hat Gertrud Pinkus den Titel ihres Films über eine Gastarbeiterfrau in Frankfurt entlehnt. «In der Strasse, in der ich wohne,» sagte Gertrud Pinkus damals, «leben viele ausländische Familien. Begegne ich den Frauen beim Einkaufen, beeindruckt mich jedesmal ihre Lebendigkeit und ihre Offenheit». Beim näheren Hinsehen musste die Autorin allerdings bald schon feststellen, dass — ist die grosse Schranke des Schweigens einmal durchbrochen — Dinge zutage treten, die sie kaum fassen konnte. Sie hat deshalb beschlossen, einmal hinter die Gardinen der ausländischen Frauen zu schauen. So einfach, wie sie sich das allerdings vorgestellt hatte, gestaltete sich das nicht. Es erwies sich als äusserst schwierig, an die Frauen heranzukommen, denn auch der Fremde, wo Möglichkeiten bestehen würden, sich der unmittelbaren Kontrolle der Familie zu entziehen, behalten die Frauen die Angst vor dem Ausgestossenwerden, vor der Aechtung. So hat sich Pinkus, die ursprünglich einen rein dokumentarischen Bericht vorgesehen hatte, darauf beschränken müssen, die Aeusserungen einer anonym bleibenden Maria M. auf der Tonspur festzuhalten und dazu Szenen zu inszenieren, die von einer anderen Gastarbeiterfrau und ihren Angehörigen gespielt werden. Lediglich die Aufnahmen in der italienischen Heimat der «Portraitierten» sind dokumentarisches Original. «Das höchste Gut einer Frau ist ihr Schweigen» bleibt ein eindrücklicher Film aus dokumentarischen und inszenierten Elementen, ein Destillat aus Schicksalen süditalienischer Migrantinnen.
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Day is done
Thomas Imbach
Schweiz
112′
Über 15 Jahre hinweg filmte der Regisseur vom Fenster seines Ateliers aus. Die Blicke auf das sich rasant verändernde Zürcher Industriequartier werden begleitet von den Stimmen auf seinem Anrufbeantworter: der Vater stirbt, ein Kind kommt auf die Welt, eine Beziehung geht in die Brüche. Langsam wird die Stadtlandschaft zur inneren Landschaft des Mannes hinter der Kamera. Eine melancholische Beobachtung der Veränderungen und ein Film, der einen suggestiven Sog von grosser Kraft entwickelt.
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L' Apollon de Gaza
Nicolas Wadimoff
Schweiz
79′
Im Jahr 2013 wird eine Statue von Apollo – dem Gott der Künste, der Schönheit und der Weissagungen – vor Gaza gefunden. Als sie plötzlich wieder verschwindet, breiten sich allerlei Gerüchte aus. Der Dokumentarfilm verfolgt die Spuren des begehrten Schatzes und reflektiert dabei die Geschichte des von Kriegen zerstörten Gazastreifens.
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Amiet
Iwan Schumacher und Cornelia Strasse
Schweiz
52′
Cuno Amiet, 1868 geboren, ist 1961 gestorben, trotzdem wirken viele seiner Bilder so frisch, als wären sie von heute. Amiet war zusammen mit Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti ein Wegbereiter der Moderne in der Schweiz. Der Film besucht eine Kunstsammlerin und zwei Kunstsammler, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Umgeben von ihren Gemälden erzählen sie uns in Dallas, Genf und Studen bei Biel, was ihnen ihre Amiets bedeuten.
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Citoyen Nobel
Stéphane Goël
Schweiz
89′
Sein Leben wird vom einen Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt: Als der ausserhalb von Fachkreisen wenig bekannte Waadtländer Jacques Dubochet 2017 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt wird, steht er plötzlich im Rampenlicht. Seitdem nutzt der 1942 Geborene seinen Ruhm und seine Bekanntheit: Dubochet setzt sich an der Seite von jungen Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Klima-Erwärmung ein. Er engagiert sich für die universelle Verfügbarkeit medizinischer Errungenschaften, kümmert sich um die Bildung von Migranten. Als politisch engagierter Bürger wie als wissenschaftlicher Nobelpreis-Träger ist Dubochet klar, dass die aktuellen Kernprobleme nicht von heute auf morgen gelöst werden können… «Citoyen Nobel» von Regisseur Stéphane Goël zeigt den eloquenten und humorvollen Dubochet im Familienkreis, als angriffigen Lokal-Politiker, als Wissenschaftler im In- und Ausland, mit der Klima-Bewegung auf der Strasse. Dabei vermittelt Dubochet Wesentliches über das, was ihn an- und umtreibt – oder auch zweifeln lässt. Ein berührender Film über einen charismatischen Mann, der empathisch Herzen berührt, Gleichgesinnte begeistert und motiviert, vom inneren Feuer bewegt wird.
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Demain - Tomorrow
Mélanie Laurent und Cyril Dion
Frankreich
120′
Das ist der Film zur Zeit - und über sie hinaus. Denn: Was, wenn es die Formel gäbe, die Welt zu retten? Was, wenn jeder und jede von uns dazu beitragen könnten? Als die französische Schauspielerin Mélanie Laurent («Inglourious Basterds») und der Aktivist Cyril Dion in der Wissenschafts-Zeitschrift «Nature» eine Studie gelesen haben, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Ökosysteme innerhalb der nächsten 80 Jahre voraussagt, wollten sie sich nicht mit diesem Horror-Szenario abfinden. Sie machten sich zusammen auf den Weg, sprechen mit Experten, besuchen weltweit Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Was sie finden, sind Antworten auf die dringendsten Fragen unserer Zeit. Und die Gewissheit, dass eine andere Zukunft möglich ist. «Demain - Tomorrow» zeigt: Sobald Menschen aktiv werden, kann aus einem Traum die Realität von morgen werden. Der inspirierende Film von Mélanie Laurent und Cyril Dion trifft den Nerv der Zeit. Wo auch immer er in den Kinos gelaufen ist, wurde er zum absoluten Publikumsliebling. So war in der Westschweiz seit vielen Jahren kein Dokumentarfilm so erfolgreich wie der mit dem renommierten César prämierte «Tomorrow». Und jetzt ist er weiter zu sehen, zu geniessen, zu entdecken, zu empfehlen, denn: Wir haben nur eine Welt, und für sie sollten wir uns alle engagieren. Mahatma Gandhi hat auf den Punkt gebracht, was das heisst: «Be the change that you wish to see in the world.»
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Das Salz der Erde
Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado
Frankreich
110′
Sebastião Salgados Bilder bewegen die Menschen seit Jahrzehnten. Hinter dem, was sie zeigen, leuchten Geschichten und mitunter ganze Universen auf. Der Fotograf arbeitet auf allen Kontinenten, für seine Reportagen verbringt er jeweils Monate an einem Ort. Im Lauf der Zeit wurde er Zeuge von zahlreichen wichtigen und düsteren Ereignissen der Menschheitsgeschichte. Schliesslich reiste Sebastião Salgado an von der Zivilisation unberührte Orte und realisierte «Genesis»: eine atemberaubend schöne fotografische Liebeserklärung an unseren Planeten. Der vielfach ausgezeichnete Kino-Poet Wim Wenders («Pina») hat «Das Salz der Erde» zusammen mit Juliano Ribeiro Salgado – dem Sohn des Fotografen – realisiert. Die beiden Regisseure finden einen sehr persönlichen Zugang zu Sebastião Salgado. Das Charisma dieses Ausnahmetalents und seine die Seele berührenden, von einem ganz speziellen Leuchten durchdrungenen Bilder beeindrucken nachhaltig. «Das Salz der Erde» ist eine grossartige Hommage – aufwühlend, magisch, unvergesslich.
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I am Greta
Nathan Grossman
Schweden
101′
Sie ist die Ikone der Klimabewegung, wurde in kürzester Zeit global bekannt. Doch was für ein Mensch ist Greta Thunberg eigentlich, was treibt sie an? Antworten gibt der spannende, sensible Dokumentarfilm «I Am Greta» von Nathan Grossman. Zwei Jahre begleitet der Regisseur Greta mit der Kamera: bei ihrem Schulstreik 2018 als 15-Jährige in Stockholm – aus dem sich die internationale «Fridays for Future»-Bewegung entwickelt –, bei Treffen mit Wirtschaftsleuten und Politikern in den verschiedensten Ländern. Nathan Grossman zeigt die Klimaschutz-Aktivistin nicht nur im Rampenlicht, er ist vor allem in sehr vielen privaten Momenten ganz nah bei ihr: auf strapaziösen Reisen, im Kreis ihrer Familie, in Hotelzimmern oder zwischen aufreibenden Terminen mit Momenten von Heimweh, Erschöpfung, Überforderung. «I Am Greta» gewährt überraschende Einblicke in die so faszinierende wie zerbrechliche Persönlichkeit der jungen Schwedin, in ihren Umgang mit dem Asperger-Syndrom, in die Motivation für ihr Engagement. Ein gefühlsstarker, dichter, intelligenter Film über eine Mut-Macherin, die unermüdlich und kompromisslos für effiziente Klimaschutz-Massnahmen und damit für eine bessere Zukunft für alle kämpft.
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Nul homme n'est une île
Dominique Marchais
Frankreich
96′
«Kein Mensch ist eine eigene Insel, sondern ein Teil des Ganzen» schrieb der englische Poet John Donne und inspirierte den Filmemacher Dominique Marchais zu dieser dokumentarischen Reise, die in Sizilien mit der Kooperative Galline Felici beginnt und ihn über Frankreich ins Lugnez und in den Bregenzer Wald im Vorarlberg führt. Er betrachtet Gegenwärtiges und zeigt mögliche Zukunftsperspektiven anhand von Beispielen diesseits und jenseits der Alpen. Das Lokale als Perspektive und letzter Ort für Utopien. Im bündnerischen Vrin etwa besuchen wir den regional wirkenden Architekten Gion Caminada, im Bregenzer Wald betrachten wir Projekte, die von der Gemeinschaft ermöglicht und getragen wurden und lauschen mit Gewinn Beteiligten zu: «Ab und zu ist es ganz gut, wenn die Sachen etwas schlafen, wenn nicht zuviel passiert.» Es geht um das, was hier ist, um den Raum dazwischen auch und die Lebenskunst, aus dem Ort das zu machen, was er in sich birgt. «Gesunde Grösse, würde auch der Welt gut tun», dazu gilt es, Sehnsucht zu wecken nach einer erstrebenswerten Zukunft. Ein Film, der weit weg beginnt, um nahe zu münden.
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Thuletuvalu
Matthias Von Gunten
Schweiz
96′
Zwei Orte an den Rändern dieser Erde geraten aufgrund des Klimawandels in die Schlagzeilen: Thule in Grönland, weil dort das Eis immer mehr abschmilzt und Tuvalu, weil dieser Inselstaat im Pazifik als eines der ersten Länder im ansteigenden Meer zu versinken droht. Während für uns die Erwärmung des Planeten fast nur in den Medien stattfindet, verändert sie für die Menschen in Thule und Tuvalu ihre gesamte Existenz. Der Film schildert wie sie sich von ihrer tradierten Lebensweise verabschieden müssen und auf eine unbekannte Zukunft zusteuern.
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Einfach leben
Hans Haldimann
Schweiz
99′
Ein Film über Menschen, die versuchen, sich von den Zwängen der modernen Gesellschaft abzuwenden und im Einklang mit der Natur zu leben. Doch im malerischen Idyll in den Bergen des Val Lavizzara im Tessin tauchen immer mehr Gegensätze auf. Werden es die alten Gründer der Gemeinschaft schaffen, ihr Lebenswerk in die Hände Jüngerer zu geben?
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Ecuador
Jacques Sarasin
Ecuador
75′
Im Andenland Ecuador tut sich einiges, ohne dass es draussen in der Welt richtig wahrgenommen würde. Präsident Rafael Correa hat mit seinem Land eine der vorbildlichsten Verfassungen erarbeitet und vom Volk absegnen lassen. Jacques Sarasin schaut hin und lässt uns staunen: Ein Land, das zu sich selber steht. 2007 machte die Regierung unter Präsident Rafael Correa den waghalsigen Vorschlag, das gesamte Erdöl in diesem Nationalpark unter der Erde zu belassen (was 20% der Erdölreserven Ecuadors ausmacht) - unter der Bedingung, dass der ecuadorianische Staat die Hälfte der entgangenen Erträge von der internationalen Gemeinschaft zurückbekommt. Dieses Geld würde in einen Fonds zur nachhaltigen Entwicklung des Landes einfliessen und etwa der Verbreitung erneuerbarer Energien zugutekommen. Konkret würde diese Initiative bedeuten, dass der Welt über 400 Millionen Tonnen in die Atmosphäre ausgestossenes Kohlendioxyd erspart bleiben. Damit würde Ecuador zwar auf mehrere Milliarden Dollar verzichten, dafür aber der Zerstörung eines der vielfältigsten Gebiete der Welt entgegenwirken und damit eindeutig Pionierarbeit leisten. Das Erdöl stellt für den kleinen Andenstaat das wichtigste Exportgut dar - weit wichtiger noch als der hierzulande bekannte Kakao oder die Bananen -, hat dem Land aber auch schon viele Umwelt- und Gesundheitsprobleme sowie Konflikte mit der indigenen Bevölkerung des Regenwaldes beschert. Die ecuadorianische Regierung hängt völlig von den Erdöleinnahmen ab, und insofern ist die Yasuni-Initiative für ein so armes Land wie Ecuador ein ziemlich gewagtes, aber auch mutiges Unterfangen. Rafael Correa ist Protagonist dieses Zeitdokumentes, und er tritt nicht zum ersten Mal in einem Film von Jacques Sarasin auf. Correas Politik wird uns aber auch von anderen Seiten dargelegt: Der gegenwärtige Aussenminister und ehemalige Wirtschaftsminister Ricardo Patiño, der ehemalige Energieminister Alberto Acosta sowie ein versierter Soziologe sind gewichtige Interviewpartner Sarasins. Gemeinsam ist den meisten von ihnen die Suche nach einer neuen Entwicklungsform für Länder wie Ecuador, die im Weltmarktgeschehen eine benachteiligte Position einnehmen. Viele von ihnen - ausgenommen der einzigen kritischen Stimme im Film vom Präsidenten der Privatbanken Ecuadors - plädieren für das etwas vage Konzept des «Sozialismus des 21. Jahrhunderts», ein Begriff, der vor allem durch Hugo Chávez in Venezuela bekannt wurde. Damit soll ein neues Gesellschaftsmodell ausgehandelt werden, in dem der Mensch und die Natur dem Kapital übergeordnet sind.
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Bruno Manser - Laki Penan (2007)
Christoph Kühn
Schweiz
94′
Bruno Manser - hier real! Aktuell ist in den Kinos der Spielfilm über Bruno Mansers Leben im Dschungel zu sehen. Da bietet es sich an, Christof Kühns einfühlsamen Dokumentarfilm BRUNO MANSER – LAKI PENAN aus dem Jahr 2007 anzuschauen. Dieser gewährt mit originalen Film- und Tonaufnahmen von Bruno Manser und Interviews mit seinen Weggefährten im Urwald von Borneo einen authentischen Einblick in das abenteuerliche Leben des Schweizer Umweltaktivisten. Der Basler Bruno Manser lebte von 1984 bis 1990 mit den Penan, dem Urvolk des Dschungels von Sarawak (Borneo). Er lernte ihre Sprache und eignete sich ihre Kultur an. Die Penan akzeptierten Manser als einen der Ihren und nannten ihn Laki Penan, den Penan-Mann. Als die ersten Bulldozer auftauchten und mit dem planmässigen Abholzen des Regenwaldes begannen, machte Manser durch spektakuläre Aktionen, die internationales Echo auslösten, auf das ökologische und menschliche Desaster aufmerksam und schuf sich dadurch mächtige Feinde. Im Frühjahr 2000, auf einer geheimen Reise zu den Penan, verschwand er spurlos. Regisseur Christoph Kühn begibt sich auf den Spuren Bruno Mansers in den Dschungel von Sarawak. Es kommen jene Penan zu Wort, die zu Mansers zweiter Familie wurden: Sie erzählen von ihren gemeinsamen Abenteuern und Ängsten, Mansers Kämpfen mit Riesenschlangen, seinen Begegnungen mit Geistern – und von seiner Begabung, die Penan im Widerstand gegen die Holzfäller und Polizei zu vereinen. Dabei entsteht ein überraschendes, ganzheitliches Bild des leidenschaftlichen Naturforschers, Mystikers und Romantikers, der auch zorniger Umweltschützer und Menschenrechtler war.
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Pepe Mujica - Der Präsident
Heidi Specogna
Deutschland
93′
Ein ehemaliger Widerstandskämpfer, der zum Präsidenten von Uruguay gewählt wird und fast 90 Prozent seines Gehalts für soziale Projekte spendet: Pepe Mujica, eine der charismatischsten Persönlichkeiten Lateinamerikas, ist als «der ärmste Präsident der Welt» bekannt geworden. Stets ist er, der aus politischen Gründen viele Jahre im Gefängnis sass, seinen Idealen treu geblieben. Sein bescheidener Lebensstil – statt im Regierungspalast wohnt er in einer kleinen Finca – und sein unkonventionelles Auftreten untermauern seine Glaubwürdigkeit bei Jung und Alt. Pepe Mujica vertritt seine Anliegen mit Humor, Verstand und Leidenschaft, sein politisches Engagement für eine gerechtere Gesellschaft stösst international auf Aufmerksamkeit und Zuspruch. Die Filmemacherin Heidi Specogna und ihr Kameramann Rainer Hoffmann haben Pepe Mujica und seine Frau Lucía Topolansky oft besucht und mit der Kamera begleitet. So ist das Porträt eines aussergewöhnlichen Menschen entstanden, der sich auch mit fast 80 Jahren seinen Lebensmut, seinen Witz, seine Menschlichkeit und die handfeste Hoffnung auf Veränderung bewahrt hat. «Pepe Mujica – el presidente» ist ein optimistischer und bewegender Film, der Mut macht.
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Der Bär in mir
Roman Droux
Schweiz
92′
Am äussersten Ende Alaskas erfüllt sich für den weitgereisten Filmemacher Roman Droux ein Traum. Er taucht in die Welt jenes Fabeltiers ein, das ihn seit seiner Kindheit fasziniert. Bärenforscher David Bittner nimmt ihn mit ins Land der Bären, in die letzte Wildnis Nordamerikas, in eine Welt, in der die Grizzlybären das Sagen haben und keine Spur menschlicher Zivilisation zu finden ist. Hier machen sich die beiden Abenteurer auf die Suche nach einem Bärenmännchen und einer jungen Bärin, zu denen David Bittner eine enge Beziehung aufgebaut hat: sein Freund Balu und seine grosse Liebe Luna. Die Bären kommen aus ihren Höhlen auf die saftigen Küstenwiesen, um in den kristallklaren Wildbächen und an den Stränden nach Lachsen zu suchen. Bald sind die beiden Männer umgeben von unzähligen Wildtieren, mitten in der Welt der Bären. Sie erleben die Fürsorglichkeit einer ausgehungerten Bärenmutter, die entkräftet versucht, ihre Jungen durchzubringen. Erleben Kämpfe riesiger Bärenmännchen. Droux bringt Bilder von einzigartiger Nähe und Emotionalität auf die Leinwand. Ein lebendiger Naturfilm für die ganze Familie, fern oberflächlicher Erklärungsversuche, der zeigt, dass wir die Magie der Natur nie vollständig erklären können, aber diese aus erster Hand hier erleben dürfen.
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Fukushima - No Man's Zone
Toshi Fujiwara
Japan
105′
Fukushima - wer hat den Ort vor dem 11 März 2011 ausserhalb Japans gekannt? Erdbeben und Tsunami haben ihn in die Schlagzeilen befördert, weil die AKWs dort total beschädigt wurden. Inzwischen steht Fukushima als weiteres Mahnmal für den Irrsinn der Atomenergie. Toshi Fujiwara fragt sich, wie man den unsichtbaren Schaden der entmenschlichten Region überhaupt zeigen kann. Ein Mann wandert durch die 20-Kilometer-Zone um die havarierten Atomreaktoren von Fukushima. Kirschbäume blühen, die Natur zeigt sich idyllisch. Radioaktive Strahlung ist unsichtbar, und wo der Tsunami Häuser und Strassen verschluckt hat, tut sich ein Nichts auf. Der Mann trägt alltägliche Kleidung, ebenso wie die Menschen, die hier noch ausharren, vorläufig. Gelegentlich begegnen ihm weisse Geister in Schutzkleidung, die seltsamen Aufgaben nachgehen. Wie in Tarkowskis Stalker so ist auch in diesem Film die Zone nicht nur ein Ort, sondern vor allem ein Geisteszu-stand. Lange vor der Zerstörung, vor der Verwüstung hat ein Prozess der Auflösung eingesetzt, dem alte Menschen trotzen, denen unser Stalker begegnet. Eine Stimme begleitet den Filmemacher auf seiner Wanderung, sie gehört der armenisch-kanadischen Schauspielerin Arsinée Khanjian. Eine Stimme aus dem Exil, fremd und verständnisvoll. No Mans Zone ist eine Reflexion über das Verhältnis von Bildern und Ängsten, über die Sucht nach dem Untergang, über das verheerte Verhältnis von Mensch und Natur: Um die Zone zu dekontaminieren, sie dem Menschen zurückzugeben, wird man die Natur amputieren müssen.
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Ady Gasy
Nantenaina Lova
Madagaskar
84′
«Die Chinesen produzieren, die Madagassen reparieren.» Die Menschen in Madagaskar stellen Dinge aus dem Nichts her: Reifen, die zu Schuhen werden, Öllampen, die aus Glühbirnen bestehen. Ein nachhaltiger Lebensstil, der Recycling, Brüderlichkeit und Selbständigkeit fördert und inmitten einer globalen Wirtschaftskrise durchaus Sinn macht. Eine poetische Reise in die Lebenswelten und die Kultur der Bevölkerung Madagaskars.
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Fair Traders
Nino Jacusso
Schweiz
90′
Es muss doch einen anderen Weg geben! Dieser Gedanke war Ausgangspunkt für eine radikale Neuorientierung von zwei Unternehmerinnen und einem Unternehmer: Sina Trinkwalder, früher Besitzerin einer Marketing-Agentur, fertigt heute Zero-Waste-Kleider mit Angestellten, die auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten. Der Textilingenieur und ehemalige Garnhändler Patrick Hohmann hat in Indien und Tansania zwei Grossprojekte für die Herstellung von Biobaumwolle aufgebaut. Und die aus dem pädagogischen Bereich kommende Claudia Zimmermann betreibt jetzt mit ihrem Partner einen Biohof mit angeschlossenem Dorfladen und engagiert sich gegen Food Waste. Faire Arbeitsbedingungen und biologische Herstellung mit dem Kostendruck der freien Marktwirtschaft zu vereinbaren ist für die drei ein ständiger Balanceakt – doch sie beweisen, dass es wirtschaftlich möglich ist, sozial, ökologisch und gleichzeitig erfolgreich zu produzieren. «Fair Traders» zeigt drei Persönlichkeiten aus drei Generationen, die in der Schweiz, in Deutschland, Tansania und Indien alternative Ideen umsetzen und Nachhaltigkeit als Versprechen für die Zukunft einlösen. Der renommierte Schweizer Regisseur Nino Jacusso macht ihre Philosophie und ihre Arbeit in seinem facettenreichen, inspirierenden Film sinnlich und emotional miterlebbar. «Fair Traders» ist engagiertes Kino mit starken Bildern, das Mut macht, aktiv an der fairen Gestaltung unserer Zukunft teilzunehmen.
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Surviving the Tsunami - My Atomic Aunt
Kyoko Miyake
Japan
78′
In Erinnerung an den Reaktorunfall von Fukushima: Die Filmemacherin Kyoko Miyake verlässt einige Monate nach der Katastrophe ihre neue Heimat London, um im entfernten Japan ihre Tante zu besuchen, deren Leben durch die radioaktive Verstrahlung aus der Bahn geworfen worden ist. Sie trifft auf eine ältere Dame, die einerseits schon mit beeindruckendem Lebensmut an einer neuen Existenz baut und gleichzeitig gegen jede Wahrscheinlichkeit auf die baldige Rückkehr in ihren Heimatort hofft.
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Transformance
Alan Smithee
Schweiz
68′
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind wir gezwungen, uns ernsthaft mit der Zukunft der Erde auseinanderzusetzen, und zwar im globalen Kontext. Wir brauchen neue Energiekonzepte: Energieproduktion, -verteilung und -verbrauch müssen grundlegend neu definiert und organisiert werden. Bei allen Herausforderungen liegen auch einmalige Chancen in diesem Transformationsprozess. Wie packen wir die Zukunft an? Welche Konzepte sind vielversprechend? Wo stehen wir?
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Trans-Cutucu, Zurück in den Urwald (2009)
Lisa Faessler
Ecuador
92′
Das Bergmassiv Cutucú, im Süden des Amazonasgebietes in Ecuador, war ein Schutzwall gegen die ökologische Zerstörung, für die indianische Bevölkerung aber auch ein Hindernis. Sie hatten keinen Zugang zur modernen Welt. Der Strassenbau durch das Cutucú-Massiv eröffnet nun die Mobilität, welche den Abbau fossiler Ressourcen ermöglichen, aber den Ureinwohnern auch den gewünschten Anschluss an die zivilisierte Welt gewähren wird. Unspektakulär vollzieht sich dieser Prozess, wo der so genannte Fortschritt Einzug hält und nicht mehr zu bremsen ist: es wird gebaggert, geschaufelt, gerodet, verkauft und gekauft, der alltägliche Wahnsinn halt.Ausschnitte aus dem Film Shuar, Volk der heiligen Wasserfälle (1986) rufen uns in Erinnerung, dass in der traditionellen Shuarkultur, die Natur gesamthaft beseelt war und die Mobilität im halluzinogenen Rausch keine Grenzen kannte. Heute transportieren die Ureinwohner mit Pferden Holzbretter in die Zivilisation. Holz ist das schnellste Geschäft, andere Produkte müssen erst erzeugt werden. Doch nun verschwindet der Urwald, im alltäglichen Wahnsinn halt.
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Machines
Rahul Jain
Indien
71′
Es brodelt, zischt und rattert. Berge von Stoff, Hallen mit riesigen Maschinen, Korridore voller Dunstwolken. Die Kamera gleitet durch die labyrinthischen Räume. Überall arbeitende Menschen – die einen hellwach und konzentriert, andere müde und stoisch. Wir sind in einer Textilfabrik in Gujarat, Indien. Maschinen müssen überwacht werden, Farben und Chemikalien kontrolliert, Stoffballen bereitgestellt. Tageslicht fällt kaum in die Räume. Die Schichten dauern lange, gearbeitet wird rund um die Uhr. Regisseur Rahul Jain entführt mit «Machines» an einen Ort, der den Blicken normalerweise entzogen bleibt. Sein Film ist eine intensive Darstellung des Rhythmus’ in einem Arbeitskosmos, der das ganze Leben der Angestellten bestimmt. Er zeigt die alltägliche Ausbeutung an diesem Ort der Massenproduktion für unsere globalisierte Welt. Und macht deutlich, welch hohen Preis die Arbeiter zahlen für die Kleider, die in unseren Schränken hängen. Am Zurich Film Festival wurde «Machines» als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet, am Sundance Film Festival die Kameraarbeit prämiert. Mit einer starken Bildsprache, unvergesslichen Aufnahmen und sorgfältig ausgewählten Interviews mit einzelnen Arbeitern erzählt Rahul Jain eine Geschichte von Ungleichheit, von Menschen und Maschinen.
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Weiterleben
Hans Haldimann
Schweiz
88′
Ein Film über Menschen, die für mehr Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft haben und teuer dafür bezahlen mussten: Die zwei Frauen und zwei Männer aus Tibet, Kongo, Chile und der Türkei leben heute in der Schweiz; in ihrer ursprünglichen Heimat sind sie wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte schwer gefoltert worden. Trotzdem haben sie den Glauben an eine bessere Welt nicht verloren.
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Maidan
Sergei Loznitsa
Ukraine
134′
Auf dem Maidan-Platz in Kiew kommt es im Winter 2013/14 zum zivilen Aufstand gegen das Regime des regierenden ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Hunderttausende demonstrieren für mehr Demokratie und eine Annäherung an die Europäische Union. Was als friedliche Demonstration begann, endete in einem Massenprotest mit zahlreichen Toten. Am 22. Februar 2014 erreichen die Protestierenden dann endlich ihr Ziel. Janukowitsch wird seines Amtes enthoben und setzte sich wenig später nach Russland ab. In MAIDAN fängt der 1964 in Weissrussland geborene und in der Ukraine aufgewachsene Filmemacher Sergei Loznitsa eindrücklich die Protest-Bewegungen auf dem Platz ein und fügt sie zu einem wirkmächtigen Zeitdokument zusammen. Im Cinéma vérité Stil dokumentiert er einzelne Sequenzen des Protestverlaufs und passt diese in eine streng geordnete Form ein. Er verharrt dabei konsequent am zentralen Schauplatz des Geschehens, dem Kiewer Maidan. Schleichend ergibt sich so ein eindringliches Bild und ein einmaliges Zeugnis einer Nation im Wandel.
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Une Histoire à Soi - A Story of One's Own
Amandine Gay
Frankreich
101′
Anne-Charlotte, Joohee, Céline, Niyongira, Mathieu stammen aus Brasilien, Sri Lanka, Ruanda, Südkorea und Australien, doch haben alle eines gemein: sie wurden adoptiert. Ihre Lebensberichte liefern eine zugleich persönliche und politische Geschichte der internationalen Adoption.
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Siamo italiani (1964)
Alexander J. Seiler
Schweiz
76′
In ihrem Dokumentarfilm suchen Alexander J. Seiler, Rob Gnant und June Kovach die Begegnung mit Menschen, die in der Schweiz der 1960er und 70er Jahre als Arbeitskräfte aus Italien kamen. Der Film beginnt mit der Gesundheitsuntersuchung an der Grenze. Der Mensch wird zur Ware, deren einziger Sinn darin besteht, im Arbeitsprozess reibungslos zu funktionieren und sich möglichst einfach verwalten zu lassen. Dann zeigt das Trio das Leben der so genannten Fremdarbeiter in der Schweiz in seinen wichtigsten Aspekten: den Arbeitsbedingungen, den Wohnverhältnissen, dem verbotenen Nachzug der Familie, der Öde des Sonntags, der Hartherzigkeit der Einheimischen, der Bürokratie. «Wir kamen nicht als Soziologen oder Fürsorger, sondern als Fragende ohne Einschränkung, und ohne Ausnahme scheinen wir für unsere Gesprächspartner die ersten Schweizer zu sein, die sich nicht bloss für bestimmte Aspekte ihres Lebens, sondern für sie selber und alles interessierten, was sie zu sagen hatten.» Der Film markiert heute so etwas wie den Startpunkt zum Neuen Schweizer Film, indem er von der Realität ausgeht und diese unbeschönigt betrachtet.
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Ein Lied für Argyris (2005)
Stefan Haupt
Schweiz
105′
Argyris Sfountouris überlebte 1944 vierjährig ein brutales Massaker der deutschen Besatzungsmacht, verlor seine Eltern und 30 Verwandte, kam als griechisches Waisenkind ins Kinderdorf Pestalozzi in die Schweiz und doktorierte an der ETH Zürich. Ein Leben lang, charmant und von melancholischer Heiterkeit, hat er sich mit diesem Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist. Hat versucht, damit zu leben – und auch nach aussen etwas zu bewirken. Ein Film über die schier unlösbaren Schwierigkeiten einer echten Aussöhnung, die Suche nach Frieden – eine Reise mit offenem Ausgang. Stefan Haupt hat einen zutiefst bewegenden Film gestaltet, nicht nur für jene, die zu Griechenland eine Beziehung haben und dieses faszinierende Land lieben: Die eine Lebensgeschichte des Argyris steht für viele andere, und sie steht für Geschichten, die sich heute ereignen an den verschiedensten Orten dieses Planeten. Das grosse Verdienst von Haupt ist es, dass er es wagt und schafft, von einem einzelnen “Opfer der Geschichte” zu sprechen und über dieses Sprechen von den anderen Opfern mit erzählt. Normalerweise haben in der Geschichtsschreibung ja nur die Täter Namen und vielleicht noch besonders heldenhafte Opfer.
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Neuland
Anna Thommen
Schweiz
96′
«Neuland» von Anna Thommen bietet Einblick in den Schulalltag in der Schweiz, in eine etwas spezielle Schule, ein wunderbarer, berührender, unaufgeregt gestalteter, fast nebenbei beobachtender Film: ein Bijou! Afghanistan, Kamerun, Serbien, Venezuela – sie haben weite Wege hinter sich, die neuen SchülerInnen von Herrn Zingg in der Integrationsklasse Basel. Jung und mit Träumen für eine bessere Zukunft reisten sie in die Schweiz und setzen nun grosse Hoffnungen in ihren Lehrer: Er soll ihnen den Weg im neuen Land weisen. Geschützt und abgeschirmt von der Gesellschaft lernen die SchülerInnen innerhalb von zwei Jahren Sprache und Kultur der Schweiz kennen. Lehrer Zingg hat dabei immer nur das eine Ziel vor Augen: den durch harte Schicksalsschläge traumatisierten Jugendlichen einen beruflichen Einstieg in die Gesellschaft zu ermöglichen. Doch je näher das Schulende rückt, desto quälender stellt sich für die jungen MigrantInnen die Frage: Gibt es überhaupt einen Platz für mich in diesem Land? Es geht um Menschen bei uns und darum, dass Menschen nicht Masse sind sondern Individuen. Man muss sie nur wahrnehmen.
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Advocate
Rachel Leah Jones und Philippe Bellaïche
Israel
109′
Sie ist 72 Jahre alt und ein Fels in der Brandung: entschlossen, hartnäckig, unermüdlich. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und kämpft dafür, was sie für richtig hält. Keine Schlacht ist für sie im Voraus verloren. Die Anwältin Lea Tsemel setzt sich seit einem halben Jahrhundert für die Anliegen der Palästinenser ein. In den Augen ihrer israelischen Mitbürger vertritt sie das Unvertretbare.
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Burma VJ (2008)
Anders Østergaard
Dänemark
85′
Eine Gruppe verdeckt arbeitender Videojournalisten in Burma riskiert Gefängnis, Folter und Tod, um heimlich Filmaufnahmen zu machen und ausser Landes zu schmuggeln. Während des Aufstandes der Mönche im September 2007 dokumentierten die „Medien-Saboteure“ mit kleinen Amateurkameras, was in der abgeschotteten Militärdiktatur wirklich geschah. Aus dem Material montierte Anders Østergaard einen Film, der unter die Haut geht. Geheime Einblicke: Die plötzliche Hoffnung auf Freiheit in der burmesischen Bevölkerung wird vom Militär brutal niedergeschlagen.
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Rahul Jain
Indien
71′
Es brodelt, zischt und rattert. Berge von Stoff, Hallen mit riesigen Maschinen, Korridore voller Dunstwolken. Die Kamera gleitet durch die labyrinthischen Räume. Überall arbeitende Menschen – die einen hellwach und konzentriert, andere müde und stoisch. Wir sind in einer Textilfabrik in Gujarat, Indien. Maschinen müssen überwacht werden, Farben und Chemikalien kontrolliert, Stoffballen bereitgestellt. Tageslicht fällt kaum in die Räume. Die Schichten dauern lange, gearbeitet wird rund um die Uhr. Regisseur Rahul Jain entführt mit «Machines» an einen Ort, der den Blicken normalerweise entzogen bleibt. Sein Film ist eine intensive Darstellung des Rhythmus’ in einem Arbeitskosmos, der das ganze Leben der Angestellten bestimmt. Er zeigt die alltägliche Ausbeutung an diesem Ort der Massenproduktion für unsere globalisierte Welt. Und macht deutlich, welch hohen Preis die Arbeiter zahlen für die Kleider, die in unseren Schränken hängen. Am Zurich Film Festival wurde «Machines» als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet, am Sundance Film Festival die Kameraarbeit prämiert. Mit einer starken Bildsprache, unvergesslichen Aufnahmen und sorgfältig ausgewählten Interviews mit einzelnen Arbeitern erzählt Rahul Jain eine Geschichte von Ungleichheit, von Menschen und Maschinen.
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Mon cousin anglais
Karim Sayad
Schweiz
82′
PREMIERE IM STREAMING: Ab 12. März 2021 Als Fahed 2001 in Grossbritannien ankam, hatte er den Kopf voller Träume. 2018 steckt er in einer Midlife-Krise und muss eine Entscheidung treffen. Wird er sich weiterhin beugen und 50 Stunden lang zwischen Dönerladen und Fabrik arbeiten? Oder soll er nach Algerien zurückkehren, in ein Land, aus dem er geflohen ist mit der Hoffnung, anderswo ein besseres Leben zu finden? «Mon cousin anglais» ist die Chronik eines Exils. Der Filmemacher Karim Sayad sagt, Faheds «Wunsch heimzukehren, bot mir den idealen Anlass für ein Porträt, das die Repräsentation von Migrationsbewegungen umkehrt. Sie besteht oft darin, von den Ankommenden und ihrem Traum des Westens zu erzählen. Sein Schicksal eines Working Poor in einem England nach dem Brexit wirft Fragen auf und erhellt gleichzeitig eine soziopolitische Realität. 'Mon cousin anglais' handelt vom Bedürfnis der Wiederannäherung an bestimmte Werte nach nahezu zwei Jahrzehnten im Exil, von der Lust sich in der Lebensmitte neu zu erfinden und dem Wunsch, dazuzugehören.»
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On the Inside of a Military Dictatorship
Karen Stokkendal Poulsen
Dänemark
98′
Die ganze Welt lobte das Militär und Aung San Suu Kyi, als nach 50 Jahren Militärdiktatur die Macht an die Demokratie-Ikone übergeben wurde. Ein Jahr später verteidigte sie eine ethnische Säuberung und hatte sich von der Öffentlichkeit isoliert. Dieser Film erzählt von den Hintergründen. - Verfügbar mit französischen und englischen Untertiteln.
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Pizza Bethlehem
Bruno Moll
Schweiz
84′
Im Zentrum von Bruno Molls Film PIZZA BETHLEHEM, der an den Solothurner Filmtagen 2010 von Publikum und Medien als Highlight gefeiert wurde, stehen neun junge Frauen des FC Bethlehem. Das Team spiegelt die ethnische Zusammensetzung des Berner Quartiers, in dem die Mädchen leben, der Film betrachtet beschwingt, liebe- und humorvoll den Alltag der jungen Frauen in Schule, Liebe, Beruf und Familie - und er lässt natürlich den Frauenfussball leben. Moll fragt nach dem Selbstverständnis seiner Fussballerinnen, nach ihren Träumen und Ängsten, fragt nach Religion, Ausbildung und Liebe. Was heisst es, fremd sein im Land, in dem man aufgewachsen ist, wo man sich zuhause fühlt? Der Filmemacher hat - einmal mehr - eine Vertrautheit erreicht, die alles andere als selbstverständlich ist und die einen hier mitunter vergessen lässt, dass diese 15- bis 16-jährigen Mädchen keine Filmprofis sind und ganz einfach sich selber darstellen. Marie, Agime, Rosa, Elmaze, Tiziana und die anderen sind so überzeugend und frisch, weil sie im besten Sinn sich selber und bei sich selber sind und sein können, in den eigenen vier Wänden, beim Shoppen, mit Freundinnen, auf dem Fussballfeld. So ist ein faszinierendes, lebendiges und vielschichtiges Porträt entstanden vom anderen Jungsein mitten in der Schweiz. Diese ist unübersehbar ein Imigrationsland, auch wenn das Einzelne, deren Vorfahren hier vor gar nicht langer Zeit eingewandert sind, nicht wahrhaben wollen. Moll bringt die Elemente, die er auf immer wieder überraschende ja verblüffende Art aufgenommen hat, in einen Fluss, auf dem dringliche Fragen erkennbar werden. Das geschieht geradezu nebenbei, so dass sein Film sowohl Erwachsene wie Jugendliche ansprechen kann und Einsichten bietet ins Leben gleich nebenan um die Ecke. Walter Ruggle Die Juniorinnen des FC Bethlehem: Marie Bonvin Alessandra Caradonna Natâsa Milankovic Agime Murina Yolanda Oluoma Daria Palandrani Rosa Pedro Tiziana Satraniti Elmaze Sinani
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Midnight Traveler
Hassan Fazili
Afghanistan
88′
Unterwegs von Afghanistan nach Europa, auf der Flucht vor dem Tod, dokumentierte die Familie des Filmemachers Hassan Fazili drei Jahre mit ihren Handys. Entstanden ist ein Film, der uns aus der Perspektive von Flüchtlingen eine Flucht zusammenfasst. Eine Todesdrohung der Taliban treibt den afghanischen Regisseur Hassan Fazili und seine Frau Fatima Hussaini, ebenfalls Filmemacherin, im Jahr 2015 in die Flucht. Zusammen mit den beiden Töchtern Nargis (11) und Zahra (6) fliehen sie auf der Suche nach Sicherheit aus der Heimat ins ferne Europa. Das Ehepaar und auch die beiden Töchter filmen die mehrjährige Reise mit ihren Mobiltelefonen. Auf der Balkanroute, während langer und ungewisser Aufenthalte in verschiedenen Flüchtlingslagern, gibt es ihnen Kraft, ihre schwierige Situation fortwährend zu dokumentieren. Trotz Widrigkeiten und Rückschlägen verlieren die Eltern nie das Menschsein aus den Augen. Sie nehmen alle Entbehrungen auf sich und hoffen auf eine bessere Zukunft für ihre Töchter, die sich auf der langen Reise allmählich emanzipieren. Der Filmemacher sagt: «Wir hatten Glück. Aber die Umstände waren oft grauenhaft.» Sein Film lässt uns die beschwerliche Reise nachvollziehen.
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Volunteer
Anna Thommen
Schweiz
93′
VOLUNTEER ist ein Film über die Basisbewegung einfacher Schweizer Bürger, die aufbrechen, um Tausenden in Griechenland gestrandeten Flüchtlingen zu helfen. In der reichen und sicheren Schweiz lassen Bürger mit unterschiedlichen Hintergründen ihr geordnetes Leben zurück, um Menschen in Not zu unterstützen. Da ist ein Schweizer Bauer und seine Frau, die Kühe in den Alpen züchten, ein Hauptmann der Schweizer Armee, eine Pensionärin, die am Seeufer residiert, und ein erfolgreicher Komödiant und Entertainer. Diese Freiwilligen begeben sich auf ein Abenteuer, das ihr Leben für immer verändern wird.
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A Thousand Girls Like Me
Sahra Mani
Afghanistan
80′
Khatera Golzad, ein 23-jähriges afghanisches Mädchen, wurde von ihrem eigenen Vater jahrelang missbraucht. Sie will dagegen Anzeige erstatten, um endlich Gerechtigkeit zu erfahren. Dazu muss sie ihrer Familie, den Traditionen ihres Landes und einem für Frauen nur schwer zugänglichem Justizsystem die Stirn bieten. Der Dokumentarfilm verbindet als künstlerisches Portrait wie selten zuvor Mut und Feminismus.
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Sans soleil (1983)
Chris. Marker
Frankreich
104′
In seinen filmischen Essays hat der Franzose Chris. Marker aufgezeigt, welches Potential an Fiktion in jedem Dokument steckt. Auch Lyrik gibt es, im Kino, und die Erinnerung, das sind Bilder. Eine von Chris. Markers wunderbaren Erinnerungsarbeiten heisst «Sans Soleil», ist 1983 herausgekommen und hat ihren Titel von Mussorgski entlehnt. Denn Filme sind wie Musik: Sie entfalten sich in der Zeit. Sich Zeit nehmen, das ist eine Kunst, erst recht im Zeitalter der digitalen Hektik und Beliebigkeit. Auf japanische Art beten, beschreibt Marker in «Sans Soleil»: Ein Gebet, das sich ins Leben einfügt, ohne es zu unterbrechen. Wie ein guter Film. Marker nimmt sich Zeit für die Bilder, begleitet sie in seinen Filmessays mit Kommentaren, die literarisches Format haben, und bindet uns ein in einen Prozess der Wahrnehmung. Seine Texte schaffen die unterschiedlichsten Spannungen, indem sie das Bild, zu dem sie gehören, mal ganz direkt begleiten, mal sind sie vorausgeeilt, mal liefern sie die Erklärung hintennach. Mal heben sie unmerklich ab, mal graben sie sich ein. «Wie kann man sich an Durst erinnern?» fragt der Kommentar, und im Bild sehen wir eine Afrikanerin auf einem Flussboot. Das Bild wird angehalten, eingefroren. Von Anfang an war ein Tropfen hörbar, ein Geräusch, das auch später immer wieder aufgenommen wird. In einer zunächst kühnen Assoziation schneidet Marker auf den japanischen Penner, der den Verkehr an einer vielbefahrenen Kreuzung regelt und sich damit «an der Gesellschaft rächt». Auch er kennt den Durst, aber in seiner «Erinnerung» ist es das Verlangen nach Sake. «Hitchcock hatte nichts erfunden, alles war da.» Zu dieser Erkenntnis kommt der «Vertigo»-Bewunderer Marker in «Sans Soleil». Auch die Fiktion war immer schon das, was da ist - erst in den vergangenen Jahren hat sie begonnen, in virtuelle Räume vorzudringen, und wenn es eine neue Entwicklung gibt, dann jene technische: Im virtuellen Raum ist materiell nichts Existent und doch alles da. Marker hat 1983 bereits über die elektronisch generierten und verfremdeten Bilder nachgedacht, anhand des Computerkünstlers Hayao Yamaneko, der die existierenden Bilder elektronisch bearbeitet: «Wenn die Bilder der Gegenwart sich nicht ändern, die Bilder der Vergangenheit ändern.» Mit der Zone in Andrei Tarkowskis «Stalker» hat Marker die Computerarbeit damals verglichen. Bewegen wir uns am Ende aus Zeit und Raum? Ein grossartiges Essay zur Wahrnehmung und zur Erinnerung. Geben wir Chris. Marker das letzte Wort: «Die Sache, die den meisten von uns fehlt, und vor allem den Cineasten, ist die Zeit. Die Zeit zu arbeiten, aber auch vor allem, nicht zu arbeiten. Die Zeit zu reden, zuzuhören und vor allem, zu schweigen. Die Zeit zu Filmen und nicht zu filmen, zu verstehen und nicht zu verstehen, erstaunt zu sein und zu warten aufs Erstaunen, die Zeit zu leben.» Walter Ruggle
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Chris the Swiss
Anja Kofmel
Schweiz
90′
Kroatien, Januar 1992. Mitten in den Jugoslawienkriegen wird Chris, ein junger Schweizer Journalist, unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Zum Zeitpunkt des Todes trug er die Uniform einer internationalen Söldnergruppe. Anja Kofmel, seine Cousine bewunderte diesen stattlichen jungen Mann als kleines Mädchen. Als erwachsene Frau beschliesst sie, seiner Geschichte nachzugehen und versucht zu verstehen, was Chris’ tatsächliche Beteiligung an diesem Konflikt war ...
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Wilaya
Pedro Pérez Rosado
Westsahara
88′
Fatimetu, Kind einer Sahraui-Familie, wird in einem Sahara-Flüchtlingscamp in Algerien geboren und später als kleines Mädchen zu Gasteltern nach Spanien geschickt. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie zu deren Beerdigung in das Camp zurück. Inzwischen sind 16 Jahre sind vergangen, hat sie sich ans Leben in Spanien gewöhnt, ja sie kennt fast nichts Anderes. Der Bruder erwartet, dass sie nun bleibt und sich fortan um ihre gehbehinderte Schwester Hayat kümmert. Sie selber ist verunsichert, scheint zu spüren, dass sie von hier stammt, zu wissen, dass sie an ein anderes Leben gewohnt ist und zu wünschen, dass sie etwas zur Besserung der Situation der Menschen hier leisten kann. Im Gegensatz zu den anderen Frauen im Camp kann Fatimetu Auto fahren, und so beschäftigt sie sich fürs Erste damit, dass sie Tiere, Fleisch und Brot vom einen Verwaltungsbezirk zum anderen transportiert. Nach und nach scheinen sich die Sahraui an die Frau zu gewöhnen und zu akzeptieren, dass sie unverhüllt in ihrem alten Jeep durch den Wüstensand braust. Doch Fatimetu ist hin- und hergerissen zwischen dem Leben in der Wüste und den Erinnerungen an Familie und Freunde in Spanien. Der Schwebezustand, in dem sie sich selber befindet, kann für den Zustand der Menschen im Camp stehen, die von hier sind, aber sich nur wenig bewegen können, weil die Situation ihres Volkes eine ungewisse ist, ein jahrelanger Schwebezustand schon. Man hat ihnen den Boden genommen, sie haben gekämpft und warten. In der grossartigen Landschaft der Wüste, in dieser immensen Leere, in der anderes wichtiger wird als das, was unseren Alltag in Europa prägt, hier wirkt alles verlangsamt, scheint alles aufs schiere Menschsein reduziert. Der Spanier Pedro Pérez Rosado, der die Situation der Sahrauis bestens kennt und dokumentiert hat, nähert sich ihnen in Wilaya in Form eines Spielfilm, in dem er über die Heimkehrende einen Bogen nach Spanien spannt, zur ehemaligen Kolonialmacht. Im ersten Moment mag es erstaunen, dass in diesem Film so viel Spanisch gesprochen wird, aber diese Sprache ist gängig und hat mit der Vergangenheit zu tun. Der Spanier will uns mit seinem Film vor Augen führen, dass die Situation hier in der Sahara eine unhaltbare ist. Die maurische Volksgruppe der Sahraui wartet in Algerien noch immer auf ein Referendum, das ihren völkerrechtlichen Status definiert. In ausgesprochen poetischen, konzentrierten Bildern zeigt Pedro Pérez Rosado viel mehr als nur die Wiedervereinigung zweier unterschiedlicher Schwestern oder den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen: Er lässt Menschen aus der Sahara selbst von ihrer politischen und gesellschaftlichen Situation erzählen. Er lässt uns teilhaben an ihrem Alltag im Camp, an den kleinen Fluchten auf die immensen Dünen etwa, wo die ganze Welt hinter dem Sand verschwunden ist und die beiden Frauen allein sind. Beeindruckend sind die Aufnahmen, die Kameramann Oscar Duran in diesen Weiten gemacht hat, die uns selbst die Trockenheit in der Luft spüren lassen, mitunter den Sand zwischen den Zähnen und vor allem auch den Rhythmus des Lebens hier, wo Eile ein Fremdwort ist weil Eile einen nicht weiter bringt. Besonders eindrücklich erscheint die Figur der Schwester Hayat, die wie andere auch sich selber spielt und über die Dokument und Fiktion sich am intensivsten berühren. Zur Situation der Sahrauis gehört es, dass jemand wie die lebensfrohe Hayat kaum Chancen auf eine angemessene ärztliche Betreuung hat, auch das zeigt Rosados Film. Der Blick Hayats bleibt in Erinnerung, das Bild der beiden Schwestern auf der Düne, die Hoffnung, dass es bald einmal einen Ausweg aus ihrer Situation gibt.
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No
Pablo Larraín
Chile
118′
René Saavedra (Gael García Bernal) ist ein begnadeter Werbefachmann. Wer im Chile Ende der 1980er Jahre ein Produkt zu verkaufen hat, lässt die Kampagne von ihm gestalten. Frisch aus dem nordamerikanischen Exil zurückgekehrt, kennt er die neusten Trends der Werbewirtschaft und setzt erfolgreich auf die Wirkung von Fernsehbildern, mit deren Hilfe er jede Ware erfolgreich vermarkten kann. Obwohl politisch selber nicht aktiv, bewegt er sich in dem von Augusto Pinochet autoritär geführten Land im Umfeld des Regimes. 1988 gelingt es der Opposition, ihn als Leiter der Werbekampagne gegen ein Referendum zu gewinnen, in der der Diktator sich als Präsident bestätigen lassen will. Niemand glaubt an einen Sieg der Opposition, ausser Saavedra, der mit einer frechen, knallig-bunten Fernsehkampagne das Ruder herumzureissen versucht. Im Spielfilm «No» erzählt Pablo Larraín (Ema, Neruda) in Form einer wunderbaren Satire, dass eine zielgerichtete PR-Kampagne viel wirkungsvoller als jeder sachliche politische Diskurs sein kann. Schliesslich ist Politik auch nur eine Ware, die es zu verkaufen gilt - und schaut man sich heute ein wenig in der faktenferner werdenden Welt herum, wird man nicht umhinkommen zu sagen: Mehr denn je.
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Tanna
Martin Butler Bentley Dean
Australien
104′
Der Spielfilm «Tanna» gehört wohl zu den schönen Überraschungen, die uns das Kinojahr beschert. Er entstand auf der entlegenen gleichnamigen Insel in der Südsee. Das Filmemacherduo erzählt mit der lokalen Bevölkerung als Darstellenden eine Romeo-und-Julia-Geschichte, sanft in die Natur eingebettet und atemberaubend fotografiert. Ein Film, der uns im besten Sinn aus der Zeit und ihrer Atemlosigkeit holt und ganz einfach in eine andere Welt versetzt. Im Dorf der Yakel leben die Menschen in Symbiose mit der Natur. Aber nicht alles ist so friedlich, wie es scheint. Die benachbarten Imedin haben einen Yakel umgebracht. Zu viel der Gewalt für die Ältesten. Sie wollen Frieden schliessen und versprechen die schöne Wawa dem Sohn des Imedin-Chefs. Nun ist Wawa allerdings unsterblich verliebt in Dain, den Sohn des Yakel-Anführers. Die beiden weigern sich und fliehen durch die Wälder in die Höhen des Funken speienden Vulkans. Eine klassische Geschichte, die an Romeo und Julia erinnert und hier noch einmal in unglaublicher Frische und Schönheit erzählt wird. Tanna entführt uns in eine andere Welt, die weit entfernt scheint von unserem Alltag und das Eine genauso kennt: Die Leidenschaft in der grossen Liebe. Der Film wurde an originalen Schauplätzen auf der Südseeinsel Tanna gedreht, mit Menschen, die da leben und mit spürbarer Freude die Rollen verkörpern. Bentley Dean und Martin Butler sind von Haus aus Dokumentarfilmer, die sich hier in die Fiktion wagen und sich mit den Menschen vor Ort zusammengetan haben, um die Handlung zu entwickeln und mit ihnen möglichst realitätsnah umzusetzen. Am Ende ist auf diese Art ein umwerfend schöner Film entstanden, der bewegt. Man kann es fast nicht glauben, dass die Filmcrew im Wesentlichen aus den beiden Filmschaffenden bestand: der eine führte die Kamera, der andere zeichnete den Ton auf. Man wollte so wenig wie möglich durch Technik stören, gleichzeitig ist es ein aktionsreicher Film inmitten einer aktiven Vulkanlandschaft: Tanna, das Eiland und der Film, sind zwei Perlen des Pazifik.
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Pamuk - Innocence of Memories
Grant Gee
Türkei
93′
Eine filmische Lektüre des Romans «Das Museum der Unschuld» legt Grant Gee vor, in deren Verlauf er eintaucht ins Werk des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk, sein real existierendes Museum und die Nächte am Bosporus. Eine schöne Seherfahrung. In seinem grossartigen Roman «Das Museum der Unschuld» erzählt der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk von einer leidenschaftlichen und unglücklichen Liebe im Istanbul der 1970er Jahre. Kemal, ein junger Mann aus der Oberschicht, verfällt rettungslos der Liebe zu einer ärmeren Verwandten, der blutjungen, naiven und wunderschönen Füsun. Was als Affäre begonnen hat, wächst sich bald zu einer Obsession aus, doch das hindert Kemal nicht daran, die Beziehung mit seiner Verlobten fortzuführen. Nach dem rauschenden Verlobungsfest lässt sich die Geliebte nicht mehr blicken. Verzweifelt erkennt Kemal, dass er Füsun über alles liebt. Doch es ist zu spät. Orhan Pamuk erzählt in diesem Liebesroman von einer Gesellschaftsschicht der Türkei, die in vielem ganz und gar westlich erscheint und doch traditionelle Züge trägt - ein Kontrast, der subtile Ironie erzeugt. 2012 entwirft der Schriftsteller in einem Haus in Istanbul ein Museum, das Fotos, Erinnerungsgegenstände und Dokumente versammelt, die aus der Welt des Buches stammen. Eine faszinierende, fetischistische und imaginäre Parallelwelt, die in diesem Essayfilm noch weiter getrieben und zu einer kinematografischen Geschichte und Behauptung erweckt wird. Eine Art «Vertigo von Istanbul», ein Film, der uns eintauchen lässt in den Kosmos des engagierten Autors und in die Nächte der schillernden Stadt am Bosporus.
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Los lobos
Samuel Kishi Leopo
Mexico
95′
Sie träumen von Disneyland, aber nachdem die Brüder Max und Leo von Mexiko in die USA emigriert sind, müssen sie zunächst einmal in ihrer neuen Heimat ankommen. Und sie müssen sich an die sieben Regeln halten, die ihre Mutter ihnen auferlegt hat. Während die Mutter sich auf Jobsuche begibt, bleiben die beiden Brüder tagsüber alleine zuhause in der spärlich eingerichteten Wohnung und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Sehr stimmungsvoll, aufrüttelnd und doch voller Hoffnung, basierend auf den Kindheitserinnerungen des Regisseurs.
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Le challat de Tunis
Kaouther Ben Hania
Tunesien
89′
Tunesien, vor der Jasminrevolution. 2003 soll in Tunis ein Unhold auf einem Motorrad unter-wegs gewesen sein, der es mit einem Rasiermesser auf die Hintern von Frauen abgesehen hatte. Zehn Jahre später macht sich Regisseurin Kaouther Ben Hania daran, «Die Klinge von Tunis» aufzuspüren. Je länger ihre Recherche dauert, desto zwielichtiger schillert die Wahrheit darin: eine Enquête, ein Metafilm oder alles ein grosser Jux? Man hört bald auf, sich Fragen zu stellen, denn die Interview- und Actionszenen in den Quartieren von Tunis jagen sich förmlich und widerlegen laufend das eben Gehörte oder Gesehene, so dass man bald mehr die meisterliche Jongliernummer der jungen Regisseurin bestaunt, als versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Auch das Interesse herauszufinden, welche Figur nun real oder erfunden ist, lässt nach, denn am Ende spielen sie alle ihre Rolle in diesem Film, sei diese nun von der Gesellschaft auferlegt oder von der Regisseurin zugesprochen. Die Menschen überraschen immer wieder von neuem mit ihrem Schwung, salopper Beredsamkeit und der Fähigkeit zur Selbstironie: Die Männer finden ihren ganz eigenen Dreh, sich über ihren Machismo lustig zu machen. Dokument oder Fiktion? Eine Mischung von beidem und eine vergnügliche Irritation, so viel ist gewiss. Erst im Abspann kann man feine Unterschiede ausmachen. Und eines ist in diesem Mockumentary so oder so wahr: Das Abtauchen in die Realität der tunesischen Gesellschaft nach der Jasmin-Revolution zeigt, dass diese längst nicht alle Probleme gelöst hat.
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Gabriel and the Mountain
Fellipe Barbosa
Tansania, Vereinigte Republik
131′
Into the Wild in Afrika: Bevor er zu studieren beginnt, will der lebensfrohe und begegnungsoffene Gabriel um die Welt reisen. Seine Freundin schliesst sich ihm in Kenia vorübergehend an. Danach geht er noch einmal auf eigene Faust weiter, beflügelt vom Wunsch, dem lokalen Leben nahe zu sein. Ein ebenso erfrischendes wie anregendes und berührendes Roadmovie, das auf einer wahren Geschichte basiert und uns übers Reisen sinnieren lässt. Unterwegs und bei sich Gabriel ist gern unterwegs, und der junge Brasilianer liebt es, abgetrampelte Pfade zu meiden, ganz einfach bei den Menschen zu sein, wohin er auch kommt. Er liegt damit quer in unserer Zeit, in der das Reisen für die meisten zum Alltag gehört und man sich jede Destination leisten kann. Alle sind unterwegs zum Gleichen und überzeugt, individuell das Spezifische zu erleben. Dabei tragen wir alle dazu bei, dass die Hotspots lebensleer werden, überall die gleichen Hotels, denselben Food, die modischen Drinks. Nur die Dekors wechseln, durch die die Horden von Reisenden geschleust werden. Gabriel mag das nicht, er meidet die Orte, die in den Reiseführern empfohlen sind, weil er gemerkt hat, dass dort alle sind, nur nicht die Einheimischen. Er ist allein unterwegs und bewegt sich im Vertrauen darauf, dass er so sein kann, wie er ist, wenn er die anderen auch so respektiert, wie sie sind. Schnell lässt er sich auf Menschen ein, denen er unterwegs begegnet, kommt bei Familien unter und sitzt an ihrem Tisch. Der Brasilianer Fellipe Barbosa hat die Geschichte von Gabriel und seinem Berg als Spielfilm inszeniert, aber er folgt dabei den Spuren eines Freundes, der auf Weltreise war und in unwegsamem Gebiet in Malawi tot aufgefunden wurde. Weil Gabriel gerne fotografiert hat, ein detailliertes Tagebuch führte und auch über die sozialen Netzwerke mit Zuhause in Kontakt blieb, ist seine ganze Reise bestens dokumentiert. Der Filmemacher rekonstruiert sie mit einzelnen SchauspielerInnen und Menschen, denen Gabriel begegnet war. Entstanden ist ein erfrischendes Roadmovie über einen, der unbekümmert unterwegs ist und uns vor Augen führt, was Reisen alles auch noch sein könnte, wenn wir nur offen sind, mutig und herzlich. Walter Ruggle
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Félicité
Alain Gomis
Kongo, Demokratische Republik
124′
Was für eine feine Liebesgeschichte! Félicité ist eine stolze, unabhängige Frau, die als Sängerin in einer Bar in Kinshasa arbeitet. Wenn sie auf die Bühne geht, scheint sie den Alltag zu vergessen, lassen sich alle vom Rhythmus der melancholischen und kraftvollen Melodien anstecken. Als Félicités Sohn nach einem Unfall im Krankenhaus liegt, versucht sie verzweifelt, das Geld für eine Operation aufzutreiben, während Tabu ihren Kühlschrank flickt. Dieser Film ist eine Wucht, erzeugt durch seine elementar wirkenden Kräfte: Eine Frau, die Liebe, die Musik, die Stadt Kinshasa, das wunderbar Krude der Bilder. Die Sängerin und Theaterschauspielerin Véro Tshanda Beya verkörpert die starke Frauenfigur Félicité, und es kommt nicht alle Tage vor, dass das Wort verkörpert dermassen angebracht ist wie hier. Die Geschichte, die uns Alain Gomis erzählt, ist eine denkbar einfache. Sie könnte sich überall auf der Welt abspielen, wo die Verhältnisse prekär sind: Eine Mutter setzt sich dafür ein, dass ihr mit dem Motorrad verunglückter Sohn im Spital operiert wird. Wie der in Frankreich geborene Filmemacher mit Wurzeln in Senegal und Guinea-Bissau sie erzählt, ist atemberaubend und herzergreifend. Von den ersten Einstellungen an lädt er uns ein zu einem fiebrigen Trip nach Kinshasa, in die Nacht der Grossstadt, in die von Smog und Hitze diesig flirrende Stimmung, in den Rhythmus eines Alltags und seiner Musik, in eine überraschende Liebesgeschichte. Schon lange habe ich keinen afrikanischen Film mehr gesehen, der so feinfühlig erzählt von der Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn, von der menschlichen Würde, um die eine Frau absolut kompromisslos kämpft, und von einer zwischenmenschlichen Annäherung, die uns Afrika nahe bringt, aus der wir viel mitnehmen können in unseren Alltag. Félicité versucht nicht einen Augenblick, etwas zu beschönigen. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der Film so direkt rüberkommt. Alain Gomis hat schon in Aujourd’hui sein Talent als Erzähler in direkter Rede bewiesen. In Félicité verfeinert er es und kann auf die unglaubliche Ausstrahlung von Véro Tshanda Beya setzen, auf Papi Mpaka auch, der in stoischer Ruhe Félicités Kühlschrank flickt und ihr und dem Sohn näher kommt. Wer das Kino pur liebt: Nichts wie hin! Walter Ruggle
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Entre les murs - Die Klasse (2008)
Laurent Cantet
Frankreich
129′
François ist Lehrer in einem Vorort von Paris. Die Jugendlichen, die er unterrichtet, sind zwischen 13 und 15. Im Klassenzimmer prallen unterschiedlichste Meinungen und Kulturen aufeinander. François will nicht bloss den Stoffplan durchziehen. Vielmehr möchte er den Jugendlichen auf gleicher Augenhöhe begegnen. Das ist alles andere als einfach. «Entre les murs» geht auf die lebhafte Reise durch die grossen und klei­nen Dramen ei­nes Schuljahrs. Laurent Cantet erzählt von Lust und Frust des Lehrens und Lernens. Er verhandelt dabei brennende gesellschaftliche Fragen wie diejenige nach Zukunftsperspektiven – und das mit herzerfrischender Ehrlichkeit, mit viel Mut und funkeln­dem Humor. Viele Eltern haben erst mit dem Lockdown begreifen können, was es heisst, ihre Lieblinge den ganzen Tag zu betreuen und auf dem Weg ins Leben zu begleiten. Der Film zeigt auf unterhaltsame und fesselnd gespielte Art, dass Schule heute kein Honiglecken ist. Für die Brillanz dieses Einblicks erhielt er 2008 die Goldene Palme am Festival in Cannes.
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Aqui no ha pasado nada
Alejandro Fernández Almendras
Chile
96′
In Sundance hat er erstmals Aufsehen erregt: Der Spielfilm aus Chile, der mit Crowdfunding finanziert wurde und einen spektakulären Fall aufgreift, gleichzeitig fesselndes Porträt einer Jugend ist, die eigentlich alles hat und permanent auf allen Kanälen kommuniziert. Vicente geniesst das Leben. Er liebt Partys, Mädchen, schnelle Autos. In einer Sonntagnacht fährt er mit anderen Jugendlichen, mit denen er gefeiert hat, durch die Stadt. Plötzlich erschüttert ein Schlag den Wagen. Am Morgen stellt sich heraus, dass ein Mann überfahren worden ist, ein Vater von drei Kindern, und niemand hat Hilfe geleistet. Obwohl Vicente nicht am Steuer sass, gilt er bald als der Schuldige. Denn der Vater des eigentlichen Fahrers ist ein Senator und Wirtschaftsboss, einer der mächtigsten Männer im Land, auf den kein Schatten fallen darf. Alejandro Fernández Almendras rekonstruierteinen wahren Fall, der in Chile hohe Wellen schlug. Den Titel könnte man übersetzen als Teil der Bitte an einem Unfallplatz: Gehen Sie weiter, hier ist nichts passiert. Aquí no ha pasado nada fasziniert in seiner Erzählweise und verblüfft noch stärker, wenn man sich die Entstehungsgeschichte vor Augen führt. Finanziert durch Crowdfunding, wurde der Film mit gerade mal 27’000 Dollars in nur 11 Tagen gedreht. Sicher hat dieses kühne und spontane Vorgehen dazu beigetragen, dass ein sehr direktes, ungeschminktes und authentisches Porträt Jugendlicher und ihrer Musik entstanden ist. Der Film gibt weit über Chile hinaus Einblick in den Alltag einer globalisierten Jugend, die alles hat, gerne an die Grenzen geht und permanent mobil kommuniziert, während den Eltern die Zeit für die Kinder fehlt. Wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte: Chiles Kino lebt! Walter Ruggle
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Piedra Sola
Alejandro Telémaco Tarraf
Argentinien
72′
In den Anden versucht ein Hirte, den Spuren eines Pumas zu folgen, der ihm die Herde dezimiert. Aber ist es wirklich ein Puma oder ist es Pachamama, die ihren Tribut fordert? Alejandro Telémaco Tarraf lädt uns ein zu einem mystischen Austausch zwischen Mensch und Natur. Schon der Einstieg in den Film ist ein im wahrsten Sinn fantastischer. Eine stürmische Nacht, dunkel, fast schwarz, manchmal vage aufgehellt von fernen Blitzen, die den Horizont knapp erkennen lassen. Ein Schimmel scheint für einige Sekunden auf, fast unwirklich. Bei Tagesanbruch tauchen Menschen auf, winzig klein in der steinigen Wüstenlandschaft des immensen Hochlands im Norden Argentiniens. Es sind Quechua. Die Familie Tolaba züchtet Lamas und versucht, unten im Tal in der Stadt Fleisch und Felle zu verkaufen. Doch ein Puma hat die Herde angegriffen. «Piedra sola» ist der Titel des ersten Gedichts des argentinischen Musikers und Schriftstellers Atahualpa Yupanqui, der selber Quechuawurzeln hat. Tarrafs Film ist so etwas wie ein Bildgedicht, das uns in eine andere, surreale Welt eintauchen lässt, in der nichts abstrakt ist, das aus dem wahren Leben hervorgeht und schwebt.
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