Le challat de Tunis (2014)
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Kaouther Ben Hania
Tunesien
89′
Tunesien, vor der Jasminrevolution. 2003 soll in Tunis ein Unhold auf einem Motorrad unter-wegs gewesen sein, der es mit einem Rasiermesser auf die Hintern von Frauen abgesehen hatte. Zehn Jahre später macht sich Regisseurin Kaouther Ben Hania daran, «Die Klinge von Tunis» aufzuspüren. Je länger ihre Recherche dauert, desto zwielichtiger schillert die Wahrheit darin: eine Enquête, ein Metafilm oder alles ein grosser Jux? Man hört bald auf, sich Fragen zu stellen, denn die Interview- und Actionszenen in den Quartieren von Tunis jagen sich förmlich und widerlegen laufend das eben Gehörte oder Gesehene, so dass man bald mehr die meisterliche Jongliernummer der jungen Regisseurin bestaunt, als versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Auch das Interesse herauszufinden, welche Figur nun real oder erfunden ist, lässt nach, denn am Ende spielen sie alle ihre Rolle in diesem Film, sei diese nun von der Gesellschaft auferlegt oder von der Regisseurin zugesprochen. Die Menschen überraschen immer wieder von neuem mit ihrem Schwung, salopper Beredsamkeit und der Fähigkeit zur Selbstironie: Die Männer finden ihren ganz eigenen Dreh, sich über ihren Machismo lustig zu machen. Dokument oder Fiktion? Eine Mischung von beidem und eine vergnügliche Irritation, so viel ist gewiss. Erst im Abspann kann man feine Unterschiede ausmachen. Und eines ist in diesem Mockumentary so oder so wahr: Das Abtauchen in die Realität der tunesischen Gesellschaft nach der Jasmin-Revolution zeigt, dass diese längst nicht alle Probleme gelöst hat.
Sprache: OV Arabisch
Untertitel: Deutsch, Französisch, Englisch