Sommerhitze

Es ist offiziell Sommer, und damit sind auch die heissen Temperaturen zurück. Egal, ob man die Sommerhitze liebt oder verabscheut - wir haben Filme zusammengestellt, die das Thema auf spannende und innovative Art behandeln. In diesen Filmen spielt die Hitze die Hauptrolle und ist omnipräsent. Mal entlädt sie sich in einem sommerlich, romantischen Abenteuer, mal bringt sie die Figuren an den Rand des Wahnsinns. Auf jeden Fall wünschen wir heisse Filmabende.

Été 85
François Ozon
Frankreich
101′
Alexis in Handschellen in einem spärlich beleuchteten Gang. Was ist passiert im kleinen Küstenort in der Normandie? Die Geschichte beginnt ein paar Wochen zuvor. Alexis fährt allein aufs Meer hinaus, ein überraschend aufziehendes Unwetter lässt sein kleines Boot kentern. Der 16-Jährige wird vom selbstbewussten, etwas älteren David aus der stürmischen See gerettet. So beginnt eine grosse, leidenschaftliche Sommerliebe. Eines Tages jedoch muss Alexis feststellen, dass sein Liebster die halbe Nacht mit einer neuen Bekanntschaft am Strand verbracht hat. Und bald steht eine Bootsfahrt mit der lebenslustigen Kate an, mit der David heftig flirtet. François Ozon («Grace à Dieu», «Frantz») erzählt in «Été 85» eine flirrende, abgründige Liebesgeschichte. Inspiriert ist der Film von Aidan Chambers Roman «Tanz auf meinem Grab». Für die beiden Hauptfiguren hat Ozon mit Félix Lefebvre und Benjamin Voisin zwei herausragende junge Schauspieler gefunden. An ihrer Seite brilliert Valeria Bruni Tedeschi in der Rolle von Davids Mutter. «Été 85» ist ein Film von eleganter Raffinesse, mit dem der Franzose an seine grossen Erfolge wie «Swimming Pool» oder «Sous le Sable» anknüpft und die Atmosphäre der 1980er-Jahre aufleben lässt, dabei so zeitlos wie universell ist – und alles hat, was den typischen «Ozon-Touch» ausmacht.
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Fire Will Come (O Que Arde)
Oliver Laxe
Spanien
82′
Amador Coro wurde wegen Brandes verurteilt. Als er aus dem Gefängnis kommt, wartet niemand auf ihn. Er kehrt in sein Dorf in den Bergen Galiciens zurück, wo seine Mutter Benedicta mit ihren drei Kühen lebt. Ihr Alltag fliesst langsam, im friedlichen Tempo der Natur. Bis eines Tages ein verheerender Brand die Region verwüstet. Ein mystisches Naturdrama, das mit hypnotischer Kraft von leise zu laut aufschwingt. Gewinner des Jurypreises „Un Certain Regard“ in Cannes.
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Love Island
Jasmila Zbanic
Kroatien
87′
Love Island ist eine sommerliche Komödie. Grebo und Liliane verbringen ihre Ferien in einem Baderesort an der kroatischen Küste. Der Mann ist ein grosser Karaoke-Fan und fühlt sich zur unwiderstehlichen Tauchlehrerin Flora hingezogen. Doch auch seine schwangere Frau entdeckt in der schönen Ausländerin ihre verloren geglaubte grosse Liebe. In einem Feuerwerk von Finale kommt die Zukunft zur Welt. Auf der Liebesinsel gilt: All inclusive. Die lebenslustige Filmemacherin Jasmila Žbanić hatte mit dem Erstling «Grbavica» an der Berlinale 2006 den Goldenen Bären gewonnen und in ihrer Heimat in Sachen Vergangenheitsaufarbeitung Einiges bewegt. Sie hat sich in zwei weiteren Filmen mit dem Trauma des Bosnienkrieges beschäftigt und danach das Bedürfnis gehabt, sich einem unterhaltsamen Stoff zu widmen. Jetzt legt die Filmemacherin mit «Love Island» eine Komödie vor, in der es turbulent zu und her geht. Schauplatz ist eines jener Ferienresorts, die man heute überall findet. Es liegt auf einer Insel in der Adria, die «Liebesinsel» heisst und auf der für die Hotelgäste «all inclusive» ist. Žbanić betrachtet den Alltag im Ferienparadies anhand von zwei Frauen und einem Mann, bei denen sich zeigt, dass alle ineinander verknallt sind. Hinter den Büschen scheint manchmal Jacques Tati hervorzublinzeln, denn wie einst der wortkarge französische Komiker (Les vacances de Monsieur Hulot) schafft es Žbanić, die kleinen Dinge des Ferienalltags mit Charme zu betrachten. Wenn sie gleichzeitig den Scorpions-Song «Wind of Change» als musikalisches Motiv setzt und das Geschehen in einer Geburt münden lässt, dann macht sie deutlich, dass bei ihr auf dem Balkan in Sachen Geschlechterrollen noch einiges an Nachholbedarf vorhanden ist. Aber, das gilt ja auch anderswo.
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Figlia mia
Laura Bispuri
Italien
97′
Die zehnjährige Vittoria wächst in einem vom Tourismus unberührten sardischen Dorf auf. Eines Tages trifft sie bei einem Rodeo die ungestüme Angelica, die so ganz anders ist als ihre fürsorgliche Mutter Tina. Vittoria ahnt nicht, dass die beiden Frauen ein Geheimnis verbindet. Seit langer Zeit schon besucht Tina Angelica auf ihrem heruntergekommenen Hof, wo sie mit einigen alten Pferden und einem treuen Hund in den Tag hineinlebt. Tina ist nicht wohl dabei, dass Angelica und ihre Tochter Vittoria sich näher kennenlernen. Das Mädchen ist fasziniert von dieser Frau, die vor nichts Angst hat, ihre eigenen Wege geht und mit der sie die Insel neu entdeckt. Wie schon in ihrem Regiedebüt «Vergine giurata» begleitet Laura Bispuri eine Heldin, die sich mit ganz unterschiedlichen Vorbildern konfrontiert sieht, diese imitiert und hinterfragt und sich dabei ihrer selbst bewusst wird. Das warme Licht des sardischen Sommers begleitet Vittoria bei ihrer aufwühlen den Expedition. Mit Valeria Golino als Tina und Alba Rohrwacher als Angelica.
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Stray Dog (1949)
Akira Kurosawa
Japan
122′
Er ist noch jung, jener Schauspieler, der rund um die Welt bekannt werden sollte mit Meisterwerken wie «Rashomon» oder «Die sieben Samurai», der Akira Kurosawas Darsteller bleiben sollte bis hin zum Spielfilm «Doktor Rotbart». Hier hat er einen Krimi gestaltet auf dem Hintergrund der jüngsten und überhaupt nicht verarbeiteten japanischen Kriegsvergangenheit, von der viele der Figuren erzählen, egal ob Frau oder Mann. «Stray Dog» (Ein streunender Hund) spielt während des schwül-heissen Sommers in Tokyo des Jahres 49. Dem blutjungen und völlig unerfahrenen Inspektor Murakami (Toshiro Mifune) wird in einem überfüllten Bus die geladene Dienstwaffe aus der Jackentasche gestohlen. Murakami ist ausser sich. Er befürchtet schlimmste Konsequenzen für seine noch junge Karriere. Gemeinsam mit dem älteren Kollegen Sato aus dem Diebstahldezernat macht er sich auf die Suche nach Spuren des Diebes. Dabei durchstreifen wir mit ihm den japanischen Nachkriegsalltag, sammelt er Erfahrungen und lehrt ihn nicht nur der alte Hase Sato, Ruhe zu bewahren. Auch Frauen, die ins Geschehen involviert sind, fauchen ihn als Grünschnabel an. Eine eindrückliche Milieustudie von Akira Kurosawa, in der der Meister sich im Genrefilm beweist und uns vor Augen führt, was er erzählerisch, atmosphärisch und visuell drauf hat.
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Hell
Tim Fehlbaum
Schweiz
86′
Die Sonne hat alles verbrannt, die Erde ist zu einer einzigen Wüste geworden. Marie, Phillip und Leonie sind auf dem Weg in die Berge, in der Hoffnung dort Wasser zu finden. Sie sind jedoch nicht die einzigen. Unterwegs lesen sie Tom auf, der sich als Mechaniker als unentbehrlich erweist. Doch können sie ihm trauen? Ein unerbittlicher Überlebenskampf beginnt.
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Favolacce
Damiano D'Innocenzo und Fabio D'Innocenzo
Italien
99′
Sengende Hitze, eine Reihenhaussiedlung im Speckgürtel von Rom. Die sommerliche Leichtigkeit ist von einer rätselhaften Stimmung der Beklommenheit durchzogen. Hier lebt so manche Familie, die nirgendwo dazugehört in ihrer immergleichen Routine. Da und dort blitzt Angst vor dem sozialen Abstieg auf, manche Eltern sind frustriert, da das Leben, dass sie sich erhofft haben, für sie unerreichbar ist. Doch schliesslich werden es die Kinder sein, die den Ort in seinen Grundfesten erschüttern. Die Brüder Fabio und Damiano D’Innocenzo haben ihre Kindheit in einem Vorort von Rom verbracht. Sie produzierten Videoclips, Fernsehfilme, ein Theaterstück. Bereits ihr erster Spielfilm «La terra dell’abbastanza» (2018) wurde ausgezeichnet. In ihrem neuen Film «Favolacce» erzählen die beiden von Frauen, Männern und Kindern, die allzu früh erleben, wie ihre Träume und Hoffnungen auf der Strecke bleiben. Ein emotional wuchtiger, herausragend gespielter und emotional mitreissender Film. Berlinale 2020: Silberner Bär - Bestes Drehbuch
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Giochi d'estate - Sommerspiele
Rolando Colla
Schweiz
106′
Hochsommer auf einem Campingplatz am Meer. Für die beiden Teenager Nic und Marie wird das Leben nach den Ferien nie mehr so sein wie vorher. Im sommerlichen Licht der Toskana skizziert der Film Familien am Rande des Kollapses – und ihre Kinder, die im Spannungsfeld von Abhängigkeit und Ablösung erste Schmetterlinge im Bauch verspüren: ungeschminkt, intensiv sowie voller Leben und visueller Sinnlichkeit. Während die Eltern von Nic trotz mehreren Anläufen in einer prekären Abhängigkeit gefangen bleiben, verarbeitet ihr 12-jähriger Sohn in Spielen mit anderen Kindern die traumatisierenden Gewaltausbrüche seines Vaters. Er versucht dabei, der gleichaltrigen Marie, die ihrerseits unter einer Vaterbeziehung leidet, beizubringen nichts zu spüren. In Wirklichkeit lernen die beiden die Schmerzen und Freuden der ersten Liebe kennen und verändern sich dabei. Ein Film über die ersten Schritte ins eigene Leben. Renato Colla sagt: «Die Handlung des Films entstand bevor der Handlungsort bestimmt war, denn die Geschichte ist universell, und könnte sich irgendwo abspielen.»
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La Pazza gioia
Paolo Virzi
Italien
115′
Beatrice Morandini Valdirana ist so flatterhaft wie einnehmend, kommt aus gutem Hause und redet gerne viel. Donatella Morelli ist in sich gekehrt, zerbrechlich, hat auffällige Tattoos und ein undurchschaubares Geheimnis. Beide halten sich nicht ganz freiwillig in der alternativen Therapie-Einrichtung «Villa Biondi» in der Toskana auf. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit wächst zwischen den zwei Frauen eine Freundschaft. Eines Tages hauen sie fast schon ungewollt aus der Villa ab – und so beginnt eine verrückte, atemlose Reise… Der italienische Regisseur Paolo Virzì erzählt in «La Pazza Gioia» auf heitere Art und mit herzerfrischendem Humor von einer berührenden Frauenfreundschaft. Dabei versteht Virzì es, gekonnt subtile gesellschaftskritische Töne in die Story einzuweben. Valeria Bruni Tedeschi begeistert als Beatrice, die sich bedenkenlos in jedes Abenteuer stürzt. An ihrer Seite überzeugt die wunderbare, ausdrucksstarke Micaela Ramazzotti als Donatella. «La Pazza Gioia», Gewinner von fünf italienischen Kritikerpreisen, ist ein an «Thelma & Louise» erinnerndes, packendes Roadmovie voller ansteckender Energie.
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