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Seit 1 Tag
Flowers of Shanghai (1998)
Hsiao-hsien Hou
Taiwan
114′
Das Shanghai des späten 19. Jahrhunderts ist in mehrere ausländische Konzessionen aufgeteilt. In der britischen Konzession gibt es mehrere «Blumenhäuser», wie die Luxushäuser genannt werden, die der männlichen Elite vorbehalten sind. Da Bordelle für chinesische Würdenträger verboten sind, sind diese Häuser die einzigen, die diese Männer besuchen können. Sie bilden eine geschlossene Welt, die ihre eigenen Riten, Gewohnheiten und sogar ihre eigene Sprache hat. Man kommt hierher, um zu essen, Opium zu rauchen, Mahjong zu spielen und sich zu amüsieren, aber auch, um die Kurtisanen zu treffen. Die Frauen, die dort arbeiten, werden «die Blumen von Shanghai» genannt. Das asiatische Kino hat sich immer wieder Bordellen befasst, um über die Stellung der Frau in der Gesellschaft zu reden wie Kenji Mizoguchi oder die körperliche Liebe radikal zu denken wie Nagisa Oshima. Zwischen zwei Filmen über die taiwanesische Jugend, «Goodbye South, Goodbye» und «Millennium Mambo», inszenierte Hou Hsiao-hsien stil- und epochenbewusst dieses Gemälde mit dem Titel «Flowers of Shanghai». Plansequenzen mit fliessenden Kamerabewegungen zeigen in opiumgeschwängerter Atmosphäre das Schicksal von fünf Prostituierten. Die Frauen sind der männlichen Willkür schutzlos ausgeliefert und machen dennoch klar, dass die Gegenwelt der Bordelle für die Mannsbilder kein Ausweg, eher eine Sackgasse darstellt.
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Seit 1 Woche
Grosse Freiheit
Sebastian Meise
Oesterreich
116′
Deutschland 1968: Eine Zeit der Proteste und des Aufbruchs – allerdings nicht für Hans. Er wandert hinter Gitter, da er beim Sex mit einem Mann erwischt wurde. Nicht zum ersten Mal, denn Hans lässt sich von niemandem sagen, wie er zu leben und schon gar nicht, wen er zu lieben hat. Im Gefängnis begegnet er Viktor, die beiden Männer waren bereits früher Zellengenossen. Viktor verbüsst eine Strafe wegen eines aus Eifersucht begangenen Totschlags. Und Hans wegen des berüchtigten Paragraphen 175, der Liebe unter Männern unter Strafe stellt. Aus anfänglicher Abneigung entwickelt sich im Laufe der Zeit zwischen Hans und Viktor eine intensive Verbindung voller Respekt, Empathie – und vielleicht sogar so etwas wie Liebe… «Grosse Freiheit» feierte seine Weltpremiere am Festival in Cannes, wo er mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Regisseur Sebastian Meise klagt nicht nur den deutschen Paragraphen 175, der erst 1969 revidiert wurde, an. Er zeigt auch, dass sich Gefühle und Liebe nicht einfach einsperren lassen und erzählt von einem Mann mit unzerbrechlichem Lebensmut.
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Seit 1 Woche
Zu Fuss nach Santiago de Compostela (2007)
Bruno Moll
Schweiz
96′
Bruno Moll hat uns auf eine Reise auf den Spuren des Malers Paul Klee nach Tunesien mitgenommen (Tunisreise). Hier nun lässt er uns pilgern im wahrsten Sinn des Wortes. Er begleitet den jungen Roman Weishaupt aus dem bündnerischen Degen, der sich ein Ziel vorgenommen hat: Er will innerhalb von drei Monaten auf dem berühmten Jakobsweg 2300 Kilometer bis nach Santiago de Compostela pilgern. Die Lust an der Herausforderung und die Hoffnung, sich selbst besser kennen zu lernen, treiben ihn an. Momente der Euphorie und der Genugtuung ebenso wie Hader und Zweifel reflektiert Roman in seiner Muttersprache - dem Rätoromanischen - und gewährt uns damit intime Einblicke in seine Gefühlswelt. Das ist immer wieder ungemein amüsant und aus den Situationen heraus erzählt, spannend in der Gestaltung auch, weil der Filmemacher nicht immer dabei war und der Pilgernde mit einer eigenen Kamera seine ganz subjektiven Eindrücke festhielt. Er tut dies mit einem ausgeprägten visuellen Bewusstsein, was das Pilgern umso besser nachvollziehbar macht. Bruno Moll selber hat Roman auf den wichtigsten Etappen seiner Reise begleitet und Bilder geschaffen, die zum Schwelgen und zum Verweilen einladen. Dem Rhythmus des Wanderers folgend, feiert der Film die Wiederentdeckung der Langsamkeit in einer von Hektik geprägten Zeit.
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Seit 1 Woche
Costa Brava, Lebanon
Mounia Akl
Libanon
105′
Die Familie Badri hat sich aus dem Lärm der Hauptstadt Beirut abgesetzt und lebt abgeschieden in den idyllischen Bergen. Das Leben ist friedlich, bis die Regierung eine Mülldeponie am Fuss des Hauses einrichtet. Die junge libanesische Regisseurin Mounia Akl blickt in den Familienalltag und spiegelt im wachsenden Konflikt die Explosionen am Hafen Beiruts und die Müllkrise. Was lässt sich in der Dekadenz einer korrupten Welt noch tun?
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Seit 2 Wochen
La fracture
Catherine Corsini
Frankreich
99′
Comiczeichnerin Raphaela (Valeria Bruni-Tedeschi) und Verlegerin Julie (Marina Foïs) sind seit zehn Jahren ein Paar, doch nun scheint ihre Beziehung am Ende zu sein. Bei einem ihrer aufreibenden Streits stürzt Raphaela, bricht sich den Arm und die beiden landen unversehens in einer Pariser Notaufnahme. Draussen toben heftige Proteste, das Krankenhaus füllt sich mit verletzten Demonstrierenden, das Personal ist am Ende mit den Nerven und die Lage droht zu eskalieren. Als der wütende LKW-Fahrer Yann (Pio Marmaï) zu Raphaela ins Zimmer verlegt wird, knallen Vorurteile und Klassen-Ressentiments aufeinander. Doch im Laufe der ereignisreichen Nacht werden sich auch viele Gemeinsamkeiten finden. Catherine Corsini greift in LA FRACTURE brandaktuelle Themen wie den Pflegenotstand und die Spaltung der Gesellschaft auf. Dabei ist ihr Film, der auf den letzten Filmfestspielen von Cannes seine Weltpremiere feierte, so bitter wie komisch, so energiegeladen wie berührend. Mit Valeria Bruni-Tedeschi und Marina Foïs als brillante Hauptdarstellerinnen, liefert der Film eine emotionale Achterbahnfahrt, die uns atemlos zurücklässt.
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Seit 2 Wochen
Facing Mecca
Jan-Eric Mack
Schweiz
27′
Pensionär Roli hilft dem syrischen Flüchtling Fareed, seine Frau in der Schweiz zu beerdigen. Dabei stossen sie auf unüberwindbare, bürokratische Hindernisse. Doch Roli hat einen Plan.
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Seit 2 Wochen
Bad Luck Banging or Loony Porn
Radu Jude
Rumänien
106′
Goldener Bär Berlinale 2021 Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben grossartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Strassen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird.
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Seit 4 Wochen
Lamb
Valdimar Jóhannsson
Island
106′
Weites Land, Bergketten, endloser Himmel, ein einsames Haus: Maria und Ingvar wohnen mitten in der isländischen Natur. Das Paar mit unerfülltem Kinderwunsch züchtet Schafe, sein Leben verläuft harmonisch und beschaulich. Bis eines Nachts im Stall etwas Seltsames passiert: Ein Schaf gebärt ein mysteriöses Wesen. Maria und Ingvar nehmen es mit ins Haus. Sie geben ihm den Namen Ada, beschliessen, es aufzuziehen als wär’s ihr Kind. Doch die Natur überlässt ihre Kinder den Menschen nicht kampflos. «Lamb» wurde im Norden Islands zu verschiedenen Jahreszeiten gedreht, jede mit ihrem eigenen Licht und ihren eigenen Schatten. Hier treffen zwei Welten aufeinander: Die des Paares auf dem Hof und die des mythischen Hochlands mit seiner unkontrollierbaren Natur. In der weiblichen Hauptrolle brilliert Noomi Rapace, die durch die Erstverfilmung von Stieg Larssons «Millennium»-Trilogie bekannt wurde. An ihrer Seite überzeugt Hilmir Snær Guðnason als Ingvar. Das eigenwillige isländische Mystery-Movie wurde am Festival von Cannes ausgezeichnet.
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The Twilight Samurai - Tasogare Seibei (2003)
Yoji Yamada
Japan
129′
Iguchi Seibei ist ein in armen Verhältnissen lebender Samurai, der Abschied nehmen will von einem Dasein, in dem der Kampf der Lebensinhalt ist. Der junge Witwer will als Vater endlich Zeit für seine Töchter haben. Er verliebt sich neu und ist überzeugt, dass es im Leben wichtigere Dinge gibt, als das Stärkersein, die Macht und den Kampf. Regisseur Yoji Yamada hat seine Geschichte unterhaltsam und stilbewusst in Szene gesetzt. Das Epochenbild fasziniert in seiner mit Sanftheit gebrochenen Strenge. Darüber hinaus lässt uns "The Twilight Samurai" mit seiner kraftvollen inneren Ruhe auch über die tieferen Werte des Lebens nachdenken. Das ist nicht zuletzt in einer Zeit, in der das Kriegsgeheul dominiert, auch so etwas wie ein Friedensappell. Der Film zeigt den Zwiespalt auf, in dem sich ein Mann in einer an eindimensionalen Mannsbildern orientierten Gesellschaft befinden kann - wenn er den vorgegebenen Bildern von starken Männern zwar entsprechen könnte, aber nicht entsprechen will. "The Twilight Samurai" hat in diesem Jahr als Gewinner von 12 japanischen Academy Awards alle wichtigen Auszeichnungen in seiner Heimat gewonnen und ist Japans Film im Oscar-Rennen 2004.
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Doubles vies
Olivier Assayas
Frankreich
103′
Alain (Guillaume Canet) ist vierzig und betreibt einen renommierten Pariser Verlag, bei dem sein langjähriger Freund Léonard seine Romane veröffentlicht. Doch die Branche befindet sich im Wandel und Alain hat Schwierigkeiten, sich der Digitalisierung anzupassen. Alains Frau Selena (Juliette Binoche) ist der Star einer beliebten Fernsehserie und Léonards Partnerin Valérie unterstützt als engagierte PR-Agentin einen Politiker. Nun will Alain Léonards neues Manuskript ablehnen. Damit wird das ohnehin schon vertrackte Beziehungsgeflecht zwischen den Paaren zunehmend komplizierter.
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Seit 5 Wochen
Citoyen Nobel
Stéphane Goël
Schweiz
89′
Sein Leben wird vom einen Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt: Als der ausserhalb von Fachkreisen wenig bekannte Waadtländer Jacques Dubochet 2017 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt wird, steht er plötzlich im Rampenlicht. Seitdem nutzt der 1942 Geborene seinen Ruhm und seine Bekanntheit: Dubochet setzt sich an der Seite von jungen Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Klima-Erwärmung ein. Er engagiert sich für die universelle Verfügbarkeit medizinischer Errungenschaften, kümmert sich um die Bildung von Migranten. Als politisch engagierter Bürger wie als wissenschaftlicher Nobelpreis-Träger ist Dubochet klar, dass die aktuellen Kernprobleme nicht von heute auf morgen gelöst werden können… «Citoyen Nobel» von Regisseur Stéphane Goël zeigt den eloquenten und humorvollen Dubochet im Familienkreis, als angriffigen Lokal-Politiker, als Wissenschaftler im In- und Ausland, mit der Klima-Bewegung auf der Strasse. Dabei vermittelt Dubochet Wesentliches über das, was ihn an- und umtreibt – oder auch zweifeln lässt. Ein berührender Film über einen charismatischen Mann, der empathisch Herzen berührt, Gleichgesinnte begeistert und motiviert, vom inneren Feuer bewegt wird.
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Seit 1 Monat
The Whaler Boy
Philipp Yuryev
Russland
94′
Leshka lebt in einem abgelegenen vom Walfang lebenden Dorf im russischen Sibirien. Der neu gelegte Internetzugang erweitert den Horizont des an der Schwelle zum Erwachsenen stehenden Jungen bis nach Detroit zum blonden Webcam-Girl HollySweet999. Verliebt, verängstigt und voller Hoffnung macht er sich auf den weiten Weg, die immer lächelnde Frau auf seinem Bildschirm in Amerika zu finden.
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