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1.
The Charmer (2017)
Milad Alami
Dänemark
102′
Esmail, ein junger und charmanter Iraner, lebt in Dänemark, wo er als Möbelpacker arbeitet. Abends jedoch besucht er die noblen Orte in der Stadt, um Frauen zu verführen, in der Hoffnung, heiraten zu können und eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Als er Sara kennenlernt, ändert sich alles. Doch dann holt ihn die Vergangenheit ein. Hervorragend gespielt und fesselnd von Anfang bis Ende.
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2.
La Gomera (2019)
Corneliu Porumboiu
Rumänien
97′
Worte können ganz schön gefährlich sein. Vor allem, wenn man auf Schritt und Tritt überwacht wird wie der korrupte Cop Cristi. Die geheimnisvolle Gilda hat ihn angeheuert und überredet, nach La Gomera zu reisen. Hier lernt er die geheime Pfeifsprache der Inselbewohner. Denn beim geplanten Coup, den Cristi mit einer Gangster-Gruppe durchziehen will, ist eines entscheidend: Alle müssen sich verständigen können, ohne dass die Polizei etwas davon merkt. Ihr Ziel: Den Matratzen-Fabrikanten Zsolt, der Geld für die Mafia gewaschen hat, aus dem Gefängnis in Bukarest zu befreien – weil angeblich nur er weiss, wo 30 Millionen Euro Schwarzgeld versteckt sind… Der vielfach ausgezeichnete Regisseur Corneliu Porumboiu erzählt eine temporeiche Story voller Verstrickungen, in der jeder ein doppeltes Spiel spielt. Dabei versteht er es, das Publikum immer wieder durch unerwartete Wendungen zu überraschen. Sein am Festival von Cannes gefeierter «La Gomera» ruft Erinnerungen an französische Film-Noir-Klassiker wach und wartet mit hinreissenden Zitaten aus der Filmgeschichte auf. Ein fesselnder Neo-Noir-Thriller voller Esprit und Witz.
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3.
Öndög (2019)
Quan'an Wang
Mongolei
97′
Ein nackter Frauenkörper mitten im Nirgendwo in einer mongolischen Steppe. Die Polizei lässt den Jüngsten zurück, um aufzupassen. Und auf ihn soll eine coole Hirtin aus der Gegend ein Auge haben. Was als kriminalistische Untersuchung beginnt, erweist sich bald als überraschende, vergnügliche und genüsslich in die Landschaft hineingezauberte Annäherung zweier schüchterner Figuren. Hektik ist das Letzte, was hier angesagt ist.
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4.
Sorry We Missed You (2019)
Ken Loach
Vereinigtes Königreich
101′
Ricky lebt mit seiner Familie in Newcastle. Seit der Finanzkrise 2008 kämpfen er und seine Frau Abby mit Schulden. Sie bringen die Familie kaum mehr über die Runden mit seinen Gelegenheitsjobs als Handwerker und ihrer Arbeit als Altenpflegerin. Dennoch träumen die beiden von ein bisschen Unabhängigkeit und einem eigenen Heim. Umso mehr lockt Ricky die Chance auf eine bessere Zukunft. Er wird freiberuflicher Kurier eines Paketdienstleisters: Parcels Delivered Fast. Der Name steht für ein Versprechen und so gerät Ricky zunehmend in den Strudel von Zeitdruck, Überarbeitung und noch mehr finanziellen Defiziten. Die familiären Zusammenstösse bleiben nicht aus – und dennoch ist der Zusammenhalt der Familie das Einzige, was jetzt noch zählt. Altmeister Ken Loach ist zurück – und dies mit voller Wucht. Nachdem er mit seinem letzten Film «I, Daniel Blake» in Cannes die Goldene Palme gewonnen hat, zieht er in seinem neusten Werk die Schrauben weiter an. Doch bei aller Kritik am englischen Sozialsystem richtet sich sein Fokus in erster Linie auf die einzelnen Menschen, die kleinen Rädchen im grossen Ganzen. Loach hat seine Figuren gern und deshalb sind seine Filme voller Menschlichkeit.
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6.
Les Misérables (2019)
Ladj Ly
Frankreich
104′
Stéphane ist neu bei einer Polizei-Sondereinheit des Pariser Vororts Montfermeil. Mit Chris und Gwada stehen ihm erfahrene Teamkollegen zur Seite. Schon an Stéphanes erstem Arbeitstag wird klar, dass die drei sehr unterschiedlich auf die Spannungen unter den verschiedenen Gruppen im Ort reagieren. Dann gerät die Situation bei einer Verhaftung ausser Kontrolle – und dabei filmt eine Drohne jede Bewegung der völlig überforderten Polizisten. Regisseur Ladj Ly führt uns ins pulsierende Leben von Montfermeil bei Paris, wo er selbst aufgewachsen ist. Ein Ort, laut, bunt, wild und roh. Hier liess Victor Hugo 1862 seinen Roman «Les Misérables» («Die Elenden») spielen. Hier muss man, um zu bestehen, die Regeln der Strasse kennen. Ladj Ly kennt sie, das spürt man vom ersten Bild seines Spielfilms an. Am Festival in Cannes wurde er mit dem Jury-Preis ausgezeichnet, Frankreich schickt ihn ins Rennen um die Oscars 2020. «Les Misérables» ist einer der stärksten französischen Filme seit dem Kult gewordenen «La Haine»: Ein Hochspannungs-Thriller, der vor Dringlichkeit vibriert - authentisch, eindringlich, explosiv.
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7.
The Lunchbox (2013)
Ritesh Batra
Indien
105′
Ila will neue Würze in ihre fad gewordene Ehe bringen. Sie schickt ihrem Mann eine Lunchbox voller besonderer Köstlichkeiten. Mit unzähligen anderen wird diese in die Büros der Millionenmetropole Mumbai geliefert. Ausgerechnet Ilas Lunchbox landet an einem falschen Ort - auf dem Pult des grantigen, verwitweten Buchhalters Saajan. Als der Mann von Illa am Abend nach Hause kommt, verliert er kein Wort über das Essen. Also legt Ila tags darauf eine Nachricht in die nächste Lunchbox. Auch diese geht irrtümlicherweise an Saajan und so schreibt er eine Antwort. Es beginnt ein Briefwechsel, der für Ila und für Saajan bald zum sehnsüchtig erwarteten Höhepunkt des Tages wird. Obwohl die beiden sich noch nie gesehen haben, kommen sie sich immer näher. Vor der Kulisse der indischen Grossstadt Mumbai erzählt Ritesh Batra im bewegenden Feelfood-Movie «The Lunchbox» die Geschichte zweier einsamer Seelen, die ein Wink des Schicksals zusammenführt. Manchmal liegt das Glück eben nur einen kleinen Zufall entfernt, und jederzeit hält das Leben eine völlig neue Wendung bereit - wenn man ihm nur seinen Lauf lässt. «The Lunchbox» begeistert bereits am Filmfestival Cannes mit seiner liebevollen Story und herausragenden schauspielerischen Leistungen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernder Film, der Herz und Sinne berührt und einen mit einem Lächeln zurücklässt.
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8.
I, Daniel Blake (2016)
Ken Loach
Vereinigtes Königreich
100′
Der 59-jährige Daniel Blake hat sein Leben lang als Schreiner in Newcastle gearbeitet. Nach einem Herzinfarkt ist er zum ersten Mal auf staatliche Hilfe angewiesen. Während er sich bemüht, die Formalitäten für die Unterstützungs-Beiträge zu bewältigen, trifft er Katie und ihre beiden Kinder. Um nicht in einer Obdachlosen-Unterkunft zu landen, bleibt der alleinerziehenden Mutter nichts anderes übrig, als in eine Wohnung weit weg von ihrer Heimat zu ziehen. Gemeinsam kämpfen Daniel und Katie nun gegen die Fallstricke der Bürokratie… Für seinen berührenden Film «I, Daniel Blake» wurde Ken Loach bereits zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet. Darüber hinaus hat er in Locarno die Herzen der Zuschauer erobert und den Publikumspreis gewonnen. Der britische Regisseur fokussiert auf ein Thema, das nicht nur in seiner Heimat aktuell ist: Die schnörkellos erzählte Geschichte nach dem Drehbuch von Loachs langjährigem Autor Paul Laverty gewährt einen Einblick in den alltäglichen Kampf von Menschen, die schuldlos durch die Maschen des Sozialsystems fallen. «I, Daniel Blake» ist ein brillant besetzter Film – ehrlich und zutiefst bewegend.
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9.
La notte di San Lorenzo (1982)
Paolo & Vittorio Taviani
Italien
107′
Poesie des Widerstands La notte di San Lorenzo von Paolo und Vittorio Taviani ist jener Film, der vor einem Vierteljahrhundert an einem unvergesslichen Abend mehr als 8'000 Menschen auf der Piazza Grande in Locarno in seinen Bann zog mit seiner filmischen Zauberkraft und der Friedensbotschaft. Heimlich schleicht sich im Sommer 1944 eine Gruppe von BewohnerInnen aus ihrem Heimatdorf San Miniato in der Toskana, um den US-amerikanischen Befreiern entgegenzueilen. Die Zurückbleibenden suchen gemäss Anweisungen in der Kirche Schutz und fallem einem Vergeltungsschlag der Deutschen zum Opfer. Die Flüchtlinge durchleben unterwegs in der toskanischen Landschaft alle Stadien der Hoffnung und der Verzweiflung und sehen sich in einer legendär gewordenen Sequenz mit italienischen Faschisten konfrontiert. La notte di San Lorenzo ist an sich ein historischer Film in dem Sinn, als er von einer vergangenen Zeit erzählt. Durch die märchenhaft-mythischen Überhöhungen und melodramatischen Zuspitzungen lassen die Tavianis die Handlung aus dem bloss historischen abheben und den Film über die wunderbare Figur des Mädchens zur universellen Aussagekraft gelangen. Das ist ein Friedensfilm von elementarer Sinnlichkeit und Wucht. Walter Ruggle
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10.
Frances Ha (2012)
Noah Baumbach
USA
86′
Es ist ihre Stadt, sie ist 27 und will immer weitertanzen. Sie tanzt fürs Leben gern, auch von Apartment zu Apartment, von Mann zu Mann, durchs Leben. Am liebsten auch beruflich und an der Seite ihrer besten Freundin Sophie. Balancierend zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Dann taucht Benji auf, alles könnte anders werden. Aber soll es das? «Manhattan» meets «Oh Boy»: In pointierten Schwarz-Weiss-Bildern fängt Regisseur Noah Baumbach das Lebensgefühl der überstudierten, aber unterbeschäftigten Generation der Endzwanziger ein. Sein schneller, witziger und immer wieder überraschender Film ist wie das Leben von Frances: ständig im Fluss und voller überraschender Wendungen. Hauptdarstellerin Greta Gerwig («To Rome with Love») spielt so einnehmend wie energiegeladen. «Frances Ha» wurde an den Festivals in Berlin und Toronto vom Publikum bejubelt und von der Kritik gefeiert. Der Film zeigt, dass es in den USA abseits der Wiederholungsgeschichten und Endlosfolgen Hollywoods noch ein Kino gibt, das frisch daherkommt und eigenständig erzählen kann.
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11.
Tel Aviv on Fire (2018)
Sameh Zoabi
Palästina
97′
Salam hat ein Praktikum bei der erfolgreichen TV-Soap «Tel Aviv on Fire» angetreten. Um das Studio zu erreichen, muss er täglich den Check-Point zwischen seinem Wohnort Jerusalem und Ramallah passieren. Dort trifft er auf Assi, den israelischen Chef des Grenzübergangs, der nicht schlecht staunt, einem Macher der Lieblingsserie seiner Frau gegenüberzustehen. Sameh Zoabi entwickelt aus dieser Anlage eine herrliche Komödie, die genussvoll zwischen dem Schein der Serie und der Wirklichkeit pendelt. Fein wie guter Hummus Hummus, der orientalische Leckerbissen aus pürierten Kichererbsen, Sesammus, Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Gewürzen, spielt in der Komödie Tel Aviv on Fire eine Nebenrolle, aber eine bezeichnende. Die Speise ist in Palästina so beliebt wie in Israel, das sich politisch vom ersteren abgrenzt und ihm menschlich doch so verwandt ist. Genau darum geht es im Film von Sameh Zoabi. Der israelische Grenzer Assi liebt Hummus und meint, dass niemand ihn so gut zubereiten kann, wie die Paläsinenser. Die müssen bei ihm durch die Schleuse, und Salem ist einer von ihnen, ein eher unbeholfen wirkender Mann, der in Jerusalem lebt und für die hüben wie drüben äusserst populäre arabische Serie «Tel Aviv on Fire» als Autor arbeitet. Es ist eine explosive Lappalie, die Salem mit Assi ins Gespräch bringt, aber weil dessen Frau die Serie, an der Salem arbeitet, so heiss liebt, beginnt ihm Assi Ideen für die Handlung zu stecken, damit er zuhause bluffen kann. Dem uninspirierten Salem kommen die Tipps gerade mal recht. Die grosse Kunst von Tel Aviv on Fire besteht darin, dass Sameh Zoabi einen Konflikt, von dem eigentlich alle seit Jahren genug haben, aufs Menschelnde runterbricht und über den Abgründen der Situation mit federfüssiger Leichtigkeit tänzelt. Weil er den Schein einer TV-Serie geschickt mit dem Sein der Wirklichkeit verwebt, ist seine Geschichte im Kern eine globale. Wir schauen dem Treiben jedenfalls mit Genuss und Vergnügen zu und staunen am Ende, dass man über die Situation im Nahen Osten allen Ernstes kichern und schmunzeln kann. Aber die Liebesfäden, die da über die Bildschirme gehen, sind ganz einfach intelligent und facettenreich gesponnen, geprägt von herrlichen Dialogen. «Nicht alles ist politisch», stichelt Assis Frau ihn zuhause an und fordert: «Sei romantisch!» Walter Ruggle
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12.
Adam (2019)
Maryam Touzani
Marokko
101′
In den schmalen Gassen der Altstadt von Casablanca betreibt Abla eine kleine, weitum beliebte Delikatessen-Bäckerei. Ihre Tage sind mit der Herstellung und dem Verkauf der Backwaren ausgefüllt, zudem hält sie ihre achtjährige Tochter Warda auf Trab. Als es eines Nachmittags an der Türe klopft, ahnt Abla nicht, dass sich ihr Leben bald für immer verändern wird. Draussen steht Samia, eine hochschwangere junge Frau, die nach einem Platz für die Nacht fragt und ihre Hilfe in Haushalt und Bäckerei anbietet. Die verwitwete Abla ist nicht interessiert. Doch die kleine Warda schliesst Samia sofort ins Herz... Regisseurin Maryam Touzani erzählt eine universelle Geschichte über die Freundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Frauen, über weibliche Solidarität, Mutterschaft und die sinnliche Kunst des Backens. Ihr wunderschön fotografierter Spielfilm wird vom starken Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen Lubna Azabal und Nisrin Erradi getragen. Mit «Adam», uraufgeführt am renommierten Festival von Cannes, schickt Marokko erstmals einen Film einer Frau ins Rennen um die Oscars 2020. Eine bezaubernde Kino-Perle, tiefgründig und leicht zugleich.
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